„Und was kostet der Platz für ein siebenjähriges Kind allein? Ohne Begleitperson?“ fragte Theresa, legte die Rechnungen beiseite und sah ihren Mann ernst an

Dieses schamlose Verhalten ist zutiefst verletzend und unverzeihlich.
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— Und deinem Sohn willst du den Urlaub am See nicht zahlen? — fragte die Frau, als sie merkte, wie verlegen ihr Mann geworden ist und genau so antwortete, wie sie es erwartet hatte.

Theresa ist am Küchentisch gesessen und hat die Vorschreibungen für Strom, Wasser und Heizung sortiert, als sie Sebastian im Vorzimmer telefonieren gehört hat. Seine Stimme war gedämpft, beinahe schuldbewusst — genau dieser Ton, den er immer bekam, sobald Katharina anrief.

— Ja, ich versteh schon … Natürlich, der Bub braucht Erholung … — drangen einzelne Satzfetzen zu ihr herein. — Nur ist es bei uns mit dem Geld grad ein bissl eng …

Theresa verzog den Mund. Seit drei Jahren lebte sie nun mit Sebastian zusammen, doch solche Gespräche hatten nie aufgehört. Lukas, Sebastians siebenjähriger Sohn aus erster Ehe, brauchte selbstverständlich Unterstützung von seinem Vater. Aber weshalb schlichen sich jedes Mal, wenn es angeblich um das Kind ging, ganz automatisch auch Katharinas Wünsche und Ausgaben mit hinein?

— Gut, gut … Ich überweise es morgen, — beendete Sebastian das Telefonat und kam kurz darauf mit müdem Gesicht in die Küche.

— Schon wieder? — fragte Theresa, ohne den Blick von den Papieren zu heben.

— Für Lukas ist dieses Ferienlager fällig. Ein Kinderkuraufenthalt in Zell am See. — Sebastian setzte sich ihr gegenüber und rieb sich über die Schläfen. — Zweihundert Euro.

— Zweihundert? — Theresa hob erstaunt die Augenbrauen. — Für ein Kinderlager? Hast du wenigstens gefragt, was in diesem Betrag überhaupt alles enthalten ist?

Sebastian wurde rot. Und in dieser Röte hat Theresa bereits die ganze Antwort gelesen.

— Sebastian, — begann sie behutsam, — wer fährt denn mit Lukas in dieses Lager?

— Na ja … Katharina natürlich. Er ist ja noch klein.

— Aha. — Theresa legte die Rechnungen zur Seite und sah ihrem Mann ernst in die Augen. — Und was kostet der Platz für ein siebenjähriges Kind allein? Ohne Begleitperson?

— Woher soll ich das wissen … — Sebastian wich ihrem Blick aus.

— Dann erkundig dich. — In Theresas Stimme lag keine Wut, nur Erschöpfung. — Frag einfach nach.

Am nächsten Tag kam Sebastian mit finsterer Miene von der Arbeit heim.

— Und? — fragte Theresa vom Herd aus, ohne sich umzudrehen.

— Für das Kind sind es achtzig Euro, — sagte er leise. — Für den Erwachsenen hundertzwanzig.

Theresa drehte die Flamme ab und wandte sich zu ihm.

— Das heißt, von den zweihundert Euro gehen achtzig an Lukas und hundertzwanzig an Katharina?

— Aber sie kann ihn doch nicht allein hinschicken!

— Sebastian, der Bub ist sieben. In ordentlich geführten Lagern gibt es Betreuer, Ärzte und Freizeitpädagogen. Die Kinder werden dort nicht einfach sich selbst überlassen.

Sebastian setzte sich an den Tisch und stützte den Kopf in die Hände.

— Sie sagt, Lukas fährt ohne sie nicht. Er würde dort nur weinen.

— Und hast du Lukas selbst gefragt?

— Nein …

Theresa nahm neben ihm Platz. In den drei Jahren ihres gemeinsamen Lebens hatten sie nie ernsthaft gestritten. Sie liebte Sebastian — er war verlässlich, ehrlich und fleißig. Doch dass er ununterbrochen auch das Leben seiner Exfrau mitfinanzierte, begann sie innerlich aufzureiben.

— Sebastian, rechnen wir einmal nach. — Theresa zog ein leeres Blatt Papier heran. — Unterhalt: hundertfünfzig Euro im Monat. Dazu ständig Sonderausgaben: einmal ein Kurs, dann Kleidung, dann eine Behandlung. Im Schnitt sind das zweihundertfünfzig Euro monatlich. Und jetzt kommen auch noch Urlaube dazu.

— Willst du etwa, dass ich meinen Sohn im Stich lasse?

— Ich will, dass du endlich einen Unterschied erkennst.

Hedis Stube