„Verkauf sie, und das Geld gibst du her“, forderte Theresa Petrovna in meiner Küche — ich weigerte mich standhaft, die Wohnung zu verkaufen

Diese unverschämte Forderung fühlte sich zutiefst ungerecht an.
Geschichten

— Anna, ich meine das vollkommen ernst, — Theresa Petrovna stand mitten in meiner Küche, als hätte sie soeben einen Entschluss gefasst, von dem unser aller Schicksal abhing. — Wozu brauchst du diese Wohnung überhaupt? Früher oder später ziehst du ja ohnehin zu uns. Verkauf sie, und das Geld gibst du her. Lukas und ich begleichen damit die Schulden.

Ich saß am Tisch, vor mir der Laptop und mehrere Tabellen, die ich noch vor Abgabe des Quartalsabschlusses kontrollieren musste. Langsam hob ich den Blick zu meiner Schwiegermutter. Neben ihr stand mein Mann Lukas, mit schuldbewusstem Gesicht und hängenden Schultern.

— Theresa Petrovna, das ist meine Wohnung, — sagte ich ruhig. — Ich habe sie vor der Ehe von meinem eigenen Geld gekauft. Und ich werde nirgendwohin ziehen.

— Du ziehst nicht um? — Ihre Augenbrauen schnellten in die Höhe. — Und was ist mit der Familie? Lukas ist mein Sohn, er steckt in Schwierigkeiten! Du bist seine Frau, du musst ihm helfen!

— Helfen, ja. Aber meine eigene Wohnung verkaufen, nein.

— Anna, bitte, — meldete sich Lukas endlich zu Wort. — Es ist doch nur vorübergehend. Wir bringen die Kredite in Ordnung, und später kaufen wir dir eine andere Wohnung …

Genau in diesem Moment ist in mir die innere Prüferin angesprungen. Jene Frau, die fünfzehn Jahre lang als Leiterin der Buchhaltung in einem Handelsunternehmen gearbeitet und jede nur denkbare finanzielle Konstruktion gesehen hatte: „kurzfristige“ Darlehen, die nie zurückgezahlt wurden, Notlösungen, die plötzlich dauerhaft waren, und Schulden, die am Ende immer jemand anderer tragen sollte. In meinem Kopf leuchtete eine grelle rote Warnlampe auf.

Ich arbeitete damals als Hauptbuchhalterin in einer großen Elektronikhandelskette. Mein Gebiet waren Finanzanalysen, Kontrolle offener Forderungen und das Aufspüren von Unregelmäßigkeiten. Mit den Jahren hatte ich gelernt, Lügen nicht nur in Worten zu erkennen, sondern auch in Zahlen. Und was sich gerade vor mir abspielte, war ein ganz klassisches Muster von finanziellem Druck.

Um zu erklären, wie ich überhaupt in diese Lage geraten bin, muss ich fünf Jahre zurückgehen.

Lukas habe ich auf einer Feier gemeinsamer Bekannter kennengelernt. Er war charmant, fröhlich und einer, mit dem man leicht ins Gespräch kam. Er arbeitete als Manager in einer Baufirma, verdiente ordentlich und bewohnte eine gemietete Einzimmerwohnung am Stadtrand.

Ich war damals neunundzwanzig. Ich lebte in meiner eigenen Zweizimmerwohnung, die ich mit fünfundzwanzig gekauft hatte. Vier Jahre lang hatte ich dafür gespart und mir fast alles verkniffen. Ich arbeitete zwölf Stunden am Tag, nahm zusätzliche Projekte an und erledigte abends noch die Steuerbuchhaltung für drei kleine Betriebe.

Diese Wohnung war mein ganzer Stolz. Sie war nicht groß, lag im sechsten Stock eines schlichten Wohnblocks, aber sie gehörte mir. Auch die Renovierung hatte ich selbst organisiert: jede Fliese ausgesucht, jede Lampe, die Wände gestrichen, Tapeten geklebt und mich um jedes Detail gekümmert.

Lukas sagte gleich zu Beginn, dass ihm selbstständige Frauen gefielen.

— Ich bin keiner, der ein Anhängsel sucht, — meinte er damals. — Ich brauche eine Partnerin. Jemanden auf Augenhöhe.

Ein Jahr lang waren wir zusammen. Er war aufmerksam, fürsorglich, brachte Blumen mit, lud mich ins Kaffeehaus ein und machte mir Komplimente. Irgendwann stellte er mich seiner Mutter vor.

Theresa Petrovna empfing mich mit sichtbarer Vorsicht. Sie musterte mich von oben bis unten und stellte mir eine Frage nach der anderen: wo ich arbeitete, wie viel ich verdiente, ob ich eine Wohnung hätte, ein Auto, Ersparnisse.

— Ich habe nur diesen einen Sohn, — sagte sie ohne Umschweife. — Ich brauche keine Schwiegertochter, die ihn ausnimmt.

Ich schwieg. Lukas entschuldigte sich später dafür.

— Nimm es ihr nicht übel. Sie macht sich halt Sorgen. Ihr Leben war nicht leicht.

Eineinhalb Jahre nach unserem Kennenlernen haben wir geheiratet. Die Hochzeit war schlicht: Standesamt, danach ein kleines Essen mit Freunden in einem Lokal. Auf einen Ehevertrag habe ich bestanden.

— Anna, wozu denn das? — fragte Lukas verwundert. — Wir lieben einander doch.

— Lukas, das ist nur eine rechtliche Absicherung für uns beide. Ich habe meine Wohnung, bei dir können später auch Vermögenswerte dazukommen. Wir halten einfach fest, dass alles, was vor der Ehe da war, persönliches Eigentum bleibt.

Er war schließlich einverstanden. Wir unterschrieben: Meine Wohnung blieb mein Eigentum, alles andere sollte als gemeinsam Erworbenes gelten.

Als Theresa Petrovna vom Ehevertrag erfuhr, fehlte nicht viel und sie hätte einen handfesten Krach begonnen.

— Was soll denn das heißen? Liebst du meinen Sohn etwa nicht? Eine richtige Ehefrau teilt alles!

— Theresa Petrovna, das ist eine ganz normale Regelung, — antwortete ich sachlich. — Ein Schutz für beide Seiten.

Sie schnaubte nur und sprach eine Woche lang kaum ein Wort mit Lukas.

Nach der Hochzeit wohnten wir in meiner Wohnung. Lukas zog zu mir, denn seine gemietete Einzimmerwohnung war eng und unpraktisch. Ich hatte nichts dagegen. Für mich war es selbstverständlich: Wenn man verheiratet ist, lebt man zusammen und führt einen gemeinsamen Haushalt.

Das erste Jahr war wirklich gut. Wir arbeiteten beide, verdienten unser Geld und schmiedeten Pläne für die Zukunft. Ich baute meine berufliche Laufbahn weiter aus, Lukas wurde befördert.

Die Schwierigkeiten begannen im zweiten Jahr.

Lukas blieb immer häufiger länger in der Arbeit. Er kam spät heim, müde, verschlossen und wortkarg. Wenn ich nachfragte, antwortete er nur knapp: „Ein schwieriges Projekt, gerade ist alles ein einziger Ausnahmezustand.“

Hedis Stube