— Sie haben offenbar vergessen, dass diese Wohnung auf mich läuft. Wie kommen Sie überhaupt darauf, sie verkaufen zu wollen? — Meine unverschämte Schwiegermutter ist mit einem Immobilienmakler in meine Wohnung geplatzt.
Um Punkt zehn Uhr am Vormittag hat es an der Tür geläutet.
Theresa ist gerade dabei gewesen, einen Bericht für die Arbeit fertigzustellen, und sie hat mit niemandem gerechnet.
Kurz hat sie durch den Türspion geschaut — und sofort die Stirn gerunzelt.
Draußen am Gang stand ihre Schwiegermutter.

Allerdings nicht allein.
Neben Elisabeth befand sich ein fremder Mann in einem akkurat sitzenden Anzug, unter dem Arm eine Mappe mit Unterlagen.
Hinter den beiden wartete ein junges Paar, das neugierig das Stiegenhaus musterte.
Theresa öffnete die Tür.
— Frau Elisabeth?
Ihre Schwiegermutter hielt es nicht einmal für nötig, zu grüßen.
— Na endlich.
Dann machte sie eine einladende Handbewegung in Richtung der anderen.
— Kommen Sie nur herein, kommen Sie, wir zeigen Ihnen gleich alles.
Der Mann mit der Mappe trat bereits mit der Selbstverständlichkeit eines Menschen vor, der glaubte, hier erwartet zu werden.
— Grüß Gott. Ich bin der Immobilienmakler.
Theresa blieb einen Moment lang reglos stehen und versuchte zu begreifen, was da gerade vor ihrer Wohnungstür passierte.
Dann sah sie Elisabeth an.
— Entschuldigung, aber was soll das werden?
— Was wohl? Wir besichtigen die Wohnung.
— Mit wem?
— Mit den Käufern natürlich.
Das junge Paar lächelte verlegen. Offenbar war den beiden selbst nicht klar, weshalb die angebliche Wohnungsbesitzerin so fassungslos wirkte.
Theresa atmete langsam aus.
Dann sagte sie, auffallend ruhig:
— Sie haben offenbar vergessen, dass die Wohnung auf mich eingetragen ist. Wie kommen Sie auf die Idee, sie verkaufen zu dürfen?
Für ein paar Sekunden wurde es unangenehm still.
Der Immobilienmakler warf Elisabeth einen unsicheren Blick zu.
Die Interessenten sahen einander betreten an.
Elisabeth hingegen riss empört die Arme hoch.
— Jetzt geht das schon wieder los!
— Was genau geht los?
— Dieses Familientheater. Blamier uns nicht vor fremden Leuten.
Theresa hätte beinahe laut aufgelacht.
Wenn hier jemand im Begriff war, andere bloßzustellen, dann bestimmt nicht sie.
Der Ursprung des Ganzen
Die Wohnung gehörte tatsächlich Theresa.
Und zwar ihr allein.
Sie hatte sie gekauft, lange bevor sie ihren späteren Mann überhaupt kennengelernt hatte.
Finanziert worden war der Kauf aus dem Erlös für das Haus ihrer Großmutter und aus einer weiteren, mühsam aufgebauten Quelle.
