Sie konnte ihre eigene Wohnung vermieten und hätte damit ein zusätzliches Einkommen.
Die Einzige, die ihre Adresse ändern, eine neue Bleibe suchen, Kartons packen und sich irgendwo wieder ein Leben einrichten sollte, war ich.
Und das alles, weil dieser großartige Plan ausgerechnet auf meiner Wohnung aufgebaut war.
„Die Kommode lassen Sie bitte vorerst stehen“, sagte ich ruhig. „Ihren Einzug hierher hat niemand mit mir abgesprochen.“
Florian zog die Stirn in Falten.
„Und was stellst du dir vor? Soll ich mir etwas mieten, obwohl diese Wohnung da ist?“
„Sie ist für mich da, Florian. Nicht für dich.“
„Ich wohne seit sieben Jahren hier.“
„Das weiß ich.“
Da mischte sich Theresa ein.
„Dir nimmt ja niemand etwas weg. Man kann doch vernünftig auseinandergehen. Für Florian ist es hier praktischer, für mich auch. Du bist eine junge Frau, du findest sicher etwas Passendes.“
„Also heißt vernünftig auseinandergehen, dass ihr beide es bequem habt und ich übersiedeln soll.“
Meine Schwiegermutter steckte das Maßband mit verkniffenem Gesicht zurück in ihre Handtasche. Bevor sie ging, sagte sie noch zu ihrem Sohn, sie würden das alles in Ruhe besprechen.
Mit mir wollte sie offenbar nichts mehr besprechen.
Zwei Tage später schickte mir Florian ein Inserat für eine kleine Wohnung in einem anderen Bezirk.
Darunter stand:
„Schau sie dir an. Für dich allein reicht das völlig.“
Ich öffnete die Fotos.
Es war eine ganz gewöhnliche Wohnung. Ein Zimmer, eine Küche, ein Vorraum. Ich begann sogar nachzuschauen, wie weit es zur nächsten Öffi-Station war, und stellte mir vor, an welcher Wand mein Schreibtisch stehen könnte.
Am Abend suchte ich noch ein paar ähnliche Angebote heraus.
Heute kann ich mir selbst kaum erklären, warum ich damit überhaupt angefangen habe. Wahrscheinlich passiert so etwas, wenn zwei Menschen sich tagelang benehmen, als wäre die Entscheidung längst gefallen. Irgendwann beginnt man fast automatisch, nach einer Möglichkeit zu suchen, sich diesem Beschluss irgendwie anzupassen.
Florian bemerkte die Inserate auf meinem Handy und wurde sichtlich entspannter.
„Na siehst du“, meinte er. „Es gibt eh ordentliche Möglichkeiten. Man darf sich halt nicht so an einen einzigen Bezirk klammern.“
Ich sah ihn nur an.
Er selbst weigerte sich strikt, die Gegend zu wechseln, und zwar genau deshalb, weil er sie gewohnt war.
Diesen Widerspruch bemerkte er nicht einmal.
Am nächsten Tag schloss ich sämtliche Wohnungsseiten und holte die Unterlagen zu meiner Wohnung hervor.
Der Kaufvertrag lag seit Jahren zwischen anderen Papieren. Ich musste nicht ständig hineinsehen, um zu wissen, wann ich die Wohnung gekauft hatte.
2015.
Geheiratet hatten wir 2019.
Noch am selben Tag ließ ich mich beraten und fragte nach, wie ich nun korrekt vorgehen musste. Man erklärte mir das Wesentliche: die Scheidung ruhig einleiten, alle Dokumente geordnet bereithalten und keine eigenmächtigen Schritte setzen. Falls Florian nicht freiwillig ausziehen wollte, müsse man die Angelegenheit auf dem vorgesehenen Weg klären.
Mehr musste ich nicht hören.
Ich kam heim und löschte die gespeicherten Inserate.
Am Abend fragte Florian von sich aus:
„Na, hast du etwas Geeignetes gefunden?“
„Ja.“
Sofort wurde er aufmerksam.
„In welchem Bezirk?“
„In diesem.“
„Wie meinst du das?“
„Ich bleibe hier. Eine neue Wohnung suchst ab jetzt du.“
Florian sah mich ein paar Sekunden lang an.
