Die Einkäufe. Die Versicherungen. Jede Reparatur. Einfach alles, ohne Ausnahme.
Florian ist auf einmal kreidebleich geworden.
Ich habe genau gewusst, weshalb.
Er verdiente ein bissl weniger als ich.
Viel entscheidender war aber etwas anderes: Seit beinahe zwei Jahren hatte ich freiwillig den größeren Brocken unserer Kosten getragen, weil er angeblich jeden Euro zur Seite legen wollte, um endlich seine eigene Firma aufzubauen.
Nur war diese Firma nie entstanden.
Nicht einmal ansatzweise.
Und in diesem Moment ist mir eine Frage durch den Kopf geschossen, so klar, dass sie mir fast den Atem genommen hat.
— Apropos, Florian … wo sind deine Rücklagen eigentlich geblieben?
Er ist wie versteinert dagestanden.
Elisabeth hat den Blick sofort abgewandt.
Ich habe zwischen den beiden hin und her geschaut.
— Was ist los?
— Gar nichts — hat Florian viel zu hastig gesagt.
In meiner Brust hat sich etwas zusammengezogen.
— Wie viel hast du tatsächlich angespart?
— Das ist jetzt wirklich nicht der passende Moment.
— Du verlangst meine Bankomatkarte, willst mein Gehalt kontrollieren, und gleichzeitig sagst du mir nicht, was mit deinem Geld passiert ist?
Es kam keine Antwort.
Ich habe mein Handy vom Tisch genommen.
— Also gut. Dann zeig mir dein Konto.
— Sag einmal, bist du komplett übergeschnappt?
— Nein. Ich bin deine Frau. Genau die Frau, deren Einkommen du vor einer halben Minute noch überwachen wolltest.
Er ist einen Schritt zurückgewichen.
Und diese kleine Bewegung hat mir mehr verraten als jedes Geständnis.
Mit dem Geld stimmte etwas nicht.
— Florian.
— Katharina, lass es jetzt einfach.
— Wie viel?
Da hat sich Elisabeth plötzlich zwischen uns geschoben.
— Er hat nur seiner Familie unter die Arme gegriffen.
Ich habe langsam den Kopf zu ihr gedreht.
— Welcher Familie?
Sie hat die Augen niedergeschlagen.
Da hatte ich es schon begriffen, noch bevor sie den Mund aufgemacht hat.
— Mir — hat sie leise gemurmelt.
Auf einmal wirkte die Küche eng, stickig, viel zu klein.
— Wie viel?
Florian hat sich mit der Hand übers Gesicht gefahren.
— Ungefähr zwölftausend.
Ich bin völlig reglos stehen geblieben.
— Zwölftausend Euro?
— Mama hatte Schwierigkeiten.
— Was für Schwierigkeiten?
Elisabeth hat sich kerzengerade aufgerichtet, als hätte ich sie beleidigt.
— Mein Badezimmer musste gemacht werden. Und ein paar Möbel waren auch längst fällig.
Für einen Moment habe ich geglaubt, sie wolle mich verhöhnen.
Aber nein.
Sie meinte es ernst.
— Das bezeichnen Sie als Schwierigkeiten?
— Meine Wohnung war renovierungsbedürftig.
Ich habe Florian angesehen.
— Du hast ihr zwölftausend Euro gegeben?
— Es war mein Geld.
Dieser eine Satz hat alles endgültig an seinen Platz gerückt.
Ich habe ganz langsam genickt.
— Genau.
Florian hat die Stirn gerunzelt.
— Was genau?
— Es war dein Geld. Du hast es gerade selbst gesagt.
Ich habe meine Bankomatkarte genommen und sie zurück in meine Geldbörse gesteckt.
— Und das hier ist meines.
— Katharina, leg mir bitte keine Worte in den Mund.
— Das mache ich nicht.
Ich bin aufgestanden.
— Du hast zwölftausend Euro ausgegeben, ohne vorher auch nur ein einziges Wort mit mir darüber zu reden. Und nachdem deine Ersparnisse weg waren, bist du offenbar auf die großartige Idee gekommen, die Kontrolle über mein Gehalt zu übernehmen.
Florian hat den Mund geöffnet, doch ich habe die Hand gehoben.
— Und zur Verstärkung hast du auch noch deine Mutter dabeigehabt, damit ihr beide gemeinsam Druck auf mich machen könnt.
— Ich habe sie nicht dabeigehabt! Sie war schon hier!
Elisabeth hat sich sofort eingemischt:
— Ich wollte doch nur helfen.
Ich habe sie fest angesehen.
— Dann helfen Sie Florian.
