„Morgen ziehen wir zu dir. Widerrede lasse ich nicht gelten“ drohte sie am Telefon — ich blieb ruhig und schickte ihr nur die Adresse jener Luxuswohnung, in der ihr Sohn seine Geliebte untergebracht hatte

Diese unverschämte Ansage war empörend und schockierend.
Geschichten

Meine Schwiegermutter hat ihre beiden Häuser verkauft und mir am Telefon ohne jede Rückfrage erklärt: „Morgen ziehen wir zu dir. Widerrede lasse ich nicht gelten.“ Ich bin ganz ruhig geblieben, habe nur gesagt: „Selbstverständlich“, und ihr eine einzige Adresse geschickt: jene Luxuswohnung, in der mein Mann seine Geliebte untergebracht hatte — bezahlt mit einem erheblichen Teil des Verkaufserlöses. Als Mutter und Tochter später vor dieser Tür gestanden sind, hat keine der beiden geahnt, dass der eigentliche Eklat da erst seinen Anfang nehmen würde.

TEIL 1

— „Morgen kommen deine Schwägerin und ich zu dir. Wir bleiben. Und dein Schlafzimmer nehme ich — das mit dem eigenen Bad. Du kannst ja auf der Couch schlafen.“

Theresa hat nicht gefragt, ob mir das recht wäre. Sie hat es ausgesprochen, als würde sie über ihr eigenes Eigentum verfügen.

Mit Lukas war ich seit sieben Jahren verheiratet. Sieben Jahre lang hatte man mir eingetrichtert, ich müsse eine „anständige Ehefrau“ sein, eine „dankbare Schwiegertochter“, jene Frau, die „die Familie beisammenhält“. Doch an diesem Abend, während meine Schwiegermutter mir am Telefon ihre Anordnungen entgegenschleuderte, wusste ich bereits seit Langem, dass ihr Sohn seit einem halben Jahr mit einer anderen Frau schlief.

Und ich wusste ebenso, wo genau das geschah.

— „Ihr habt die Häuser in Linz wirklich verkauft?“, fragte ich, ohne meine Stimme zu heben.

— „Beide. Dort bindet uns nichts mehr. Dein Mann verdient genug. Außerdem habe ich ihm den ganzen Erlös aus den Immobilien gegeben, damit er ihn vernünftig investiert. Irgendwann muss ein Sohn schließlich für seine Mutter sorgen.“

Ich stand am Fenster unserer Wohnung in Graz und schaute hinaus.

Lukas war vor etwa einer Stunde mit seiner Sporttasche gegangen.

„Ich fahr noch ins Fitnessstudio, Liebling. Der Stress frisst mich in letzter Zeit auf.“

Genau diesen Satz sagte er mittlerweile jeden einzelnen Abend.

Was er nicht wusste: Drei Monate davor hatte ich unter dem Beifahrersitz seines Autos eine Rechnung eines teuren Juweliers aus dem Goldenen Quartier in Wien gefunden — eine Diamantkette um rund neuntausend Euro.

An meinem Hals war dieses Collier nie gelegen.

Zuerst wollte ich mir einreden, es könne sich um ein Geschenk für einen Geschäftskontakt gehandelt haben. Kurz darauf entdeckte ich allerdings ein zweites Handy, tief im Handschuhfach versteckt.

Darin gab es nur einen einzigen gespeicherten Kontakt: „A“.

Anna. Vierundzwanzig Jahre alt. Event-Promoterin. Fotos, Nachrichten, die keinen Zweifel offenließen, Reservierungen in überteuerten Restaurants und immer wieder dieselbe Adresse: ein Penthouse in einem exklusiven Wohnturm in Wien.

Dort befand sich also das wahre „Fitnessstudio“ meines Mannes.

Während ich das Schulgeld für unseren Sohn Paul überwies, die Einkäufe für die Woche erledigte und den gesamten Haushalt am Laufen hielt, gab Lukas für eine andere Frau teuren Wein, Designerhandtaschen und Blumen aus.

Theresa redete unterdessen weiter, ohne auch nur kurz Luft zu holen.

— „Wir kommen morgen in der Früh am Hauptbahnhof an. Du holst uns ab. Wir haben Unmengen an Gepäck.“

In genau diesem Augenblick ist in meinem Kopf ein Plan entstanden.

— „Theresa, unsere Wohnung hier ist viel zu klein für Sie beide.“

— „Willst du mich etwa loswerden, noch bevor ich überhaupt angekommen bin?!“

— „Ganz und gar nicht. Lukas hat etwas viel Besseres besorgt.“

Am anderen Ende der Leitung wurde es für ein paar Sekunden vollkommen still.

Ich begann, Annas Wohnung bis ins kleinste Detail zu schildern: die raumhohen Panoramafenster, den privaten Sicherheitsdienst, das Fitnessstudio im Haus, italienische Designermöbel, die Dachterrasse mit Aussicht über die ganze Stadt.

Jedes Wort davon stimmte.

Nur an einer einzigen Stelle bog ich die Wahrheit zurecht.

— „Lukas wollte Sie damit überraschen. Er hat gesagt, diese Immobilie sei dafür gedacht, dass seine Mutter endlich wie eine Königin wohnen kann.“

Im Hintergrund hörte ich Katharina vor Begeisterung aufquieken.

— „Mama, ich hab dir doch gesagt, mein Bruder weiß, wie man richtig Geld macht!“

— „Schick mir sofort die Adresse“, befahl Theresa knapp. „Wir fahren direkt dorthin.“

Ein kaltes Lächeln legte sich auf meine Lippen.

— „Natürlich. Und nehmen Sie alles mit. Wenn Sie schon übersiedeln, dann ordentlich.“

Ich beendete das Gespräch und schickte ihr den Standort.

Danach klappte ich meinen Laptop zu.

Meine Anwältin und ich hatten wochenlang Kontoauszüge, Firmenunterlagen und Belege zusammengetragen. Alles deutete darauf hin, dass Lukas fremdes Firmengeld zweckentfremdete, um einen Lebensstil zu bezahlen, den er sich schon längst nicht mehr leisten konnte.

Ein Puzzleteil hatte mir bis dahin aber gefehlt.

Theresa hatte soeben erwähnt, dass sie ihm den kompletten Erlös aus dem Verkauf beider Häuser überlassen hatte.

Ich wusste, welchen Wert diese Immobilien gehabt hatten: deutlich mehr als vierhunderttausend Euro.

Noch in derselben Nacht verglich ich die bereits gesicherten Transaktionen mit den neuen Informationen. Da wurde mir mit einem Schlag klar, wohin der größte Teil dieses Geldes verschwunden war.

Nicht in eine geschickte Geschäftsidee.

Nicht in eine sichere Veranlagung.

Sondern direkt in jene Luxuswohnung, in der die Geliebte ihres Sohnes schlief.

Und am nächsten Morgen würde meine Schwiegermutter genau diese Räume betreten — felsenfest überzeugt davon, dass sie die stolze neue Eigentümerin sei.

Sie hatte nicht die leiseste Ahnung, was dort auf sie wartete.

TEIL 2

Punkt zehn Uhr am nächsten Vormittag saß ich in einem Café auf der anderen Straßenseite des Wohnturms.

Paul war gut aufgehoben bei meiner Mutter. Ich hatte unsere wichtigsten Dokumente eingepackt, meine Kleidung, seine liebsten Sachen und alles, was mir rechtlich zustand.

Ich hatte nicht vor, auch nur eine einzige Nacht wieder neben Lukas einzuschlafen.

Um zehn Uhr zwanzig blieb ein Taxi vor dem Haupteingang stehen.

Als Erste stieg Theresa aus: übergroße Sonnenbrille, knallrotes Kostüm, dazu vier wuchtige Koffer. Hinter ihr kam Katharina herausgestolpert, beladen mit Taschen, Kartons voller Vorräte und einer Topfpflanze, die der Wohnung — das konnte ich mir aus der Ferne beinahe vorstellen — „mehr Behaglichkeit“ verleihen sollte.

Die beiden gingen hinein, als gehöre ihnen nicht bloß das Penthouse, sondern gleich das ganze Gebäude.

Zwanzig Minuten später vibrierte mein Handy. Eine Nachricht von Katharina erschien auf dem Display:

„Dein Türcode funktioniert nicht.“

Ich tippte völlig ruhig zurück:

„Klopft einfach. Lukas hat sicher jemanden dortgelassen, der nach dem Rechten schaut.“

Mehr musste ich nicht schreiben.

Vom Café aus konnte ich durch die großen Glasfronten im siebzehnten Stock hektische Bewegungen erkennen.

Kurz darauf begann mein Telefon ununterbrochen zu läuten. Ein Anruf nach dem anderen.

Ich hob nicht ab.

Stattdessen stand ich auf, überquerte die Straße und fuhr mit dem Lift nach oben.

Kaum öffneten sich die Lifttüren, schlugen mir bereits im Gang schrille Schreie entgegen.

— „Wer zum Teufel bist du, und was hast du in der Wohnung meines Sohnes verloren?!“

— „Das ist meine Wohnung! Verschwinden Sie sofort von hier!“

Anna stand im Eingangsbereich, über ihrem Nachthemd nur ein hauchdünner Seidenmantel. Theresa ließ ihren Blick mit funkelnden Augen über die Designermöbel wandern, als würde sie eine amtliche Bestandsaufnahme machen. Katharina hatte bereits einen ihrer Koffer geöffnet und ihre Kleider demonstrativ über die Sitzbank im Foyer geworfen.

— „Meine Mutter hat zwei Häuser verkauft, damit Lukas diese Luxuswohnung kaufen konnte!“, kreischte Katharina mit überschlagender Stimme. „Wenn hier jemand überflüssig ist, dann du!“

Anna erstarrte.

— „Zwei Häuser?“

Ihr Gesicht veränderte sich von einer Sekunde auf die andere.

Die anfängliche Empörung wich purer Verwirrung.

— „Lukas hat mir hoch und heilig versichert, dass dieses Apartment ihm gehört.“

Hedis Stube