„Das Geld muss bis heute Abend überwiesen sein, sonst streichen sie die Reservierung“ verlangte Theresa und schob das Handy mitten auf den Küchentisch

Ihre Dreistigkeit ist unerträglich und herzzerreißend.
Geschichten

„Übrigens“, fügte Katharina beinahe beiläufig hinzu, „ein paar eigene Rücklagen hat er auch. In der Garage. In der alten Thermoskanne. Nach jedem Gehalt hat er dort etwas hineingesteckt. Vielleicht möchte er ja mit seiner geliebten Schwester teilen.“

Florian ist im selben Augenblick kreidebleich geworden.

Theresa fuhr zu ihm herum und bohrte ihren Blick in ihn hinein.

„Du hast Geld? Und mir sagst du kein Wort davon?“

Mit einem Schritt war sie bei ihm, ihre angeblich so angegriffenen Nerven schienen schlagartig vergessen.

„Also bei deiner Frau wolltest du alles herauspressen, aber deine eigenen Ersparnisse versteckst du fein säuberlich?“

„Theresa, ich hab das fürs Auto zusammengespart!“, flehte Florian und wich zur Tür zurück. „Der Motor macht Probleme. Ich brauch das Geld wirklich dringend!“

„Das Auto kann warten!“, fauchte seine Schwester. „Meine Gesundheit ist im Eimer! Ich schlaf in der Nacht kaum noch! Hol deine Reserve raus!“

„Nein! Das ist mein Geld!“

Katharina setzte sich ruhig auf den Hocker und betrachtete das Schauspiel mit unverhohlener Genugtuung.

Noch vor wenigen Minuten hatten Bruder und Schwester Seite an Seite gestanden und mit erstaunlicher Einigkeit ihre Prämie verplant. Nun stritten sie sich schon mit derselben Leidenschaft um Florians versteckte Garagenersparnisse. Es war unterhaltsamer als jede Serie.

„Ach, plötzlich ist es deins?“, kreischte Theresa. „Wenn das Geld deiner Frau ausgegeben werden soll, sind wir alle eine Familie. Aber sobald es um deine Scheine geht, ist dein Auto auf einmal wichtiger als mein Leben?“

Sie riss ihr Smartphone vom Tisch und stopfte es in ihre Tasche.

„Hierher komm ich nie wieder! Geizig seid ihr beide!“

Dann stürmte Theresa aus der Küche, schlüpfte hastig in ihre Schuhe und warf die Wohnungstür derart heftig hinter sich zu, dass die Jacken an der Garderobe sichtbar ins Schaukeln gerieten.

Florian ließ sich schwer gegenüber seiner Frau nieder und vergrub das Gesicht in den Händen.

„Warum hast du ihr von meinen Rücklagen erzählt?“, murmelte er verärgert.

„Damit du einmal spürst, wie es ist, wenn jemand anderer ohne zu fragen bestimmt, wofür dein Geld verwendet wird“, antwortete Katharina völlig ungerührt.

Eine Woche ist vergangen.

Die Buchung wurde noch am selben Abend storniert. Seine Ersparnisse hat Florian seiner Schwester selbstverständlich nicht gegeben. Er klammerte sich an das Geld, als hinge sein Leben daran, und erklärte immer wieder, der Motor müsse dringend repariert werden.

Theresa war so beleidigt, dass sie ihren Bruder in sämtlichen Messengern und sozialen Netzwerken blockierte.

Florian verbrachte nun fast jeden Abend in der Garage. Am Auto schraubte er tatsächlich herum, doch nebenbei bewachte er offenbar auch seine kleine Reserve, aus Angst, Theresa könnte am Ende doch noch auftauchen und Nachschau halten.

Eines Tages kam Katharina nach der Arbeit in die stille Küche, nahm ihr Telefon zur Hand und öffnete die App ihrer Bank.

Der Betrag auf dem Sparkonto sah ausgesprochen erfreulich aus. Die gutgeschriebenen Zinsen ließen die Summe langsam, aber beständig anwachsen.

In der Wohnung war endlich Ruhe eingekehrt.

Niemand sprach mehr von Luxushotels, Massagen, Kuraufenthalten oder davon, auf Katharinas Kosten dringend die eigenen inneren Kräfte wiederherstellen zu müssen.

Hedis Stube