„Diese hier kommt ausschließlich auf den Namen deiner Schwester!“ sagte Claudia mit erschreckender Ruhe, Anna starrte fassungslos

Diese Entscheidung ist unfassbar ungerecht und herzlos.
Geschichten

Wenn wir jetzt einsteigen, bekommen wir sie noch zu einem günstigeren Preis.

— Wir? — hatte ich nachgefragt.

— Die Familie, — hatte Sebastian gesagt.

Schon bei diesem Wort hätte bei mir eigentlich jede Alarmglocke schrillen müssen.

„Die Familie.“

In Claudias Sprachgebrauch bedeutete das meistens nichts anderes als:

„Ihr zahlt, und ich bestimme.“

Sebastian hatte mir damals allerdings versichert, dass die Wohnung als gemeinsame Anlage gedacht sei.

Von uns sollten 80.000 Euro kommen.

Claudia würde 60.000 Euro beisteuern.

Der Rest sollte über einen Kredit laufen.

Danach, so der Plan, würde man die Wohnung vermieten.

Die Mieteinnahmen sollten dann einen großen Teil der Kreditrate abdecken.

Auf dem Papier klang das tatsächlich nicht völlig unsinnig.

Darum habe ich zugestimmt, mir die Sache genauer anzuschauen.

Nicht, das Geld herzugeben.

Noch lange nicht.

Ich wollte lediglich die Zahlen prüfen.

Ein paar Tage später ist mir dann aber etwas aufgefallen, das mir den Boden unter den Füßen weggezogen hat.

An einem Abend hatte Sebastian seinen Laptop offen auf dem Esstisch stehen lassen.

Ich habe nie in seinen Sachen herumgeschnüffelt.

So war ich nicht.

Aber auf dem Bildschirm war eine Nachricht von Claudia geöffnet.

Und ich musste nur einen einzigen Satz lesen.

„Sag Anna auf keinen Fall jetzt schon, dass die Wohnung auf Theresa laufen wird. Wenn ihr das Geld erst überwiesen habt, kann sie ohnehin nicht mehr zurück.“

Ich bin wie erstarrt vor dem Bildschirm gestanden.

Dann habe ich den Satz noch einmal gelesen.

Und noch einmal.

Und ein drittes Mal.

Erst danach habe ich mein Handy genommen und die Nachricht fotografiert.

Am nächsten Tag habe ich kein Wort darüber verloren.

Ich habe einfach bei unserer Bank angerufen.

Denn da gab es eine Kleinigkeit, die Claudia offenbar übersehen hatte.

Diese 80.000 Euro, mit denen sie bereits so selbstverständlich gerechnet hatte, lagen nicht auf Sebastians Konto.

Das Geld befand sich auf einem Sparkonto, das ich viele Jahre vor unserer Ehe eröffnet hatte.

Nur auf meinen Namen.

Ein beträchtlicher Teil davon stammte aus dem Verkauf eines kleinen Grundstücks, das ich von meinem Vater geerbt hatte.

Sebastian hatte die Kontodaten nur deshalb sehen können, weil ich ihm über Jahre hinweg vertraut hatte.

Aber es war nicht sein Geld.

Nachdem ich mit meinem Bankberater gesprochen hatte, habe ich sämtliche Zugriffsberechtigungen sofort ändern lassen.

Anschließend habe ich die gesamte Summe auf ein neues Konto überwiesen, auf das ausschließlich ich Zugriff hatte.

Drei Tage zuvor.

Und niemand an diesem Tisch hatte auch nur die leiseste Ahnung davon.

Claudia redete unterdessen unbeirrt weiter.

— Am Freitag haben wir den Termin beim Notar, — verkündete sie. — Also muss die Überweisung spätestens morgen erledigt sein.

Ich hob den Blick.

— Welche Überweisung?

Ihre Stirn legte sich in Falten.

— Na, die 80.000 Euro.

— Ach so, — sagte ich ruhig.

Dann sah ich Sebastian an.

— Du wolltest das Geld also morgen überweisen?

Er wurde rot bis zu den Ohren.

— Ich wollte vorher noch mit dir darüber reden.

Ein kurzes, trockenes Lachen entfuhr mir.

— Wann genau? Nachdem du überwiesen hast?

— Anna …

— Oder erst nach der Unterschrift beim Notar?

Claudia schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. Nicht besonders fest, aber dramatisch genug, damit alle sie ansahen.

— Jetzt reicht es aber! Hier will dich niemand bestehlen!

— Wirklich?

Ich deutete auf die Unterlagen vor ihr.

— Ich soll also 80.000 Euro einzahlen, aber die Wohnung gehört am Ende ausschließlich Theresa?

— Weil du ja schon eine Wohnung hast!

— Meine Wohnung hat mit dieser Sache überhaupt nichts zu tun.

— Natürlich hat sie das!

Claudia sprang beinahe von ihrem Sessel auf.

— Seit du in diese Familie gekommen bist, muss immer alles aufgerechnet werden! Dein Geld, mein Geld, sein Geld … In einer echten Familie hilft man einander!

Ich sah sie ruhig an.

— Gut.

— Na endlich, — sagte sie und atmete hörbar aus.

— Dann lasst die Wohnung auf diejenigen eintragen, die sie auch bezahlen.

Für einen Moment war es vollkommen still.

Theresa hob sofort den Kopf.

— Wieso?

Ich lächelte schwach.

— Eine ausgezeichnete Frage.

Claudias Antwort kam scharf wie ein Messer.

— Weil wir entschieden haben, dass Theresa sie bekommen soll.

— Dann soll Theresa sie auch bezahlen.

Das Lächeln meiner Schwägerin verschwand auf der Stelle.

— Ich habe keine 80.000 Euro!

— Ich schon.

Claudias Gesicht hellte sich triumphierend auf.

— Siehst du. Dann ist das Problem ja gelöst.

— Nein.

Ich griff nach meiner Tasche, die neben meinem Sessel stand.

— Denn meine 80.000 Euro stehen nicht mehr zur Verfügung.

Sebastian zog die Augenbrauen zusammen.

— Was soll das heißen?

— Ich habe sie umgeschichtet.

Sein Gesicht veränderte sich schlagartig.

— Wohin hast du sie überwiesen?

Hedis Stube