Mit seiner Mutter, seinem Bruder, seiner Schwester und zwei Kindern ist er hereingestanden.
„Überraschung!“
Ich habe auf den Esstisch geschaut.
Leer.
Kein Teller, kein Brot, kein gar nichts.
„Es ist ja überhaupt nichts vorbereitet“, habe ich leise gesagt.
Barbara hat nur gelächelt, als wäre das völlig nebensächlich.
„Ich bin davon ausgegangen, dass du eh etwas kochst.“
Andreas hat sich inzwischen die Jacke ausgezogen und sie über einen Sessel gehängt.
„Geh, Schatz. Du machst das doch immer so gut.“
Also bin ich an meinem eigenen Geburtstag in der Küche gestanden und habe für acht Leute gekocht.
Für seine Mutter.
Für seinen Bruder.
Für seine Schwester.
Für die Kinder.
Für ihn.
Mir hat niemand gratuliert, bis endlich die Torte auf dem Tisch gestanden ist.
Und selbst die hatte Barbara mitgebracht.
Als später alle wieder weg waren, bin ich allein in der Küche zurückgeblieben. Überall Teller, Gläser, Brösel, schmutziges Besteck.
Andreas ist hereingekommen, zufrieden, fast beschwingt.
„War doch ein netter Abend“, hat er gemeint.
Ich habe ihn angeschaut.
„Heute war mein Geburtstag.“
„Ich weiß eh.“
„Und ich habe für deine Mutter, deinen Bruder, deine Schwester und die Kinder gekocht.“
Er hat die Schultern gehoben.
„Sie sind halt meine Familie.“
Eine ganze Weile habe ich ihn nur angesehen.
Dann habe ich gefragt:
„Und ich? Was bin ich dann?“
Darauf hat Andreas keine Antwort gehabt.
In derselben Nacht habe ich die Kontoauszüge hervorgeholt.
Nicht, weil ich schnüffeln wollte.
Sondern weil ich endlich wissen musste, woran ich war.
Ich bin die Ausgaben der letzten sechs Monate durchgegangen.
Die Kreditrate.
Strom, Gas, Internet.
Einkäufe.
Versicherungen.
Reparaturen.
Sogar das Benzin, das wir verfahren haben, wenn wir zu seiner Familie gefahren sind.
Je länger ich gerechnet habe, desto kälter ist mir geworden.
Am Ende war klar: Fast siebzig Prozent unserer gemeinsamen Kosten habe ich getragen.
Und Andreas hat sein Gehalt weiterhin an seine Mutter weitergereicht.
Ein paar Tage lang habe ich geschwiegen.
Dann habe ich beschlossen, ihn direkt darauf anzusprechen.
„Ich möchte, dass wir uns unsere Finanzen gemeinsam anschauen.“
Sofort ist er steif geworden.
„Wieso?“
„Weil wir verheiratet sind.“
„Du brauchst mein Geld nicht zu überwachen.“
„Darum geht es nicht. Ich will nicht kontrollieren. Ich will verstehen, wie wir so weitermachen sollen.“
Er hat nach seinem Handy gegriffen, als müsste er sich daran festhalten.
„Mama verwaltet mein Gehalt.“
Ich habe ihn ungläubig angestarrt.
„Wie bitte? Und wie viel bekommst du dann von ihr?“
„Kommt drauf an.“
„Andreas. Wie viel?“
Er hat geschwiegen.
Dann hat er gemurmelt:
„Ungefähr sechshundert Euro im Monat.“
Mir ist kurz die Luft weggeblieben.
„Du verdienst wesentlich mehr.“
„Mama legt den Rest zur Seite.“
„Seit wann macht sie das?“
„Seit zwei Jahren.“
Zwei Jahre.
Zwei volle Jahre lang hatte ich beinahe alles bezahlt.
Während er sein Einkommen seiner Mutter überlassen hatte.
Und trotzdem war das noch nicht einmal der schlimmste Teil.
Einige Tage später habe ich einen Bankbeleg gefunden.
Das Geld war auf kein Sparkonto gegangen.
Es war überwiesen worden.
1.800 Euro.
Von Andreas an Barbara.
Beim Verwendungszweck stand:
„Küchenrenovierung.“
Ich habe ihn sofort angerufen.
„Andreas, warum hast du deiner Mutter 1.800 Euro überwiesen?“
„Für die Küche.“
„Für welche Küche?“
„Für ihre.“
„Warum?“
„Sie hat das Geld gebraucht.“
„Und unsere Kreditrate?“
Er hat genervt ausgeatmet.
„Mach jetzt bitte kein Drama daraus.“
In diesem Augenblick ist etwas in mir endgültig gerissen.
Noch am selben Abend ist Barbara bei uns aufgetaucht.
Sie hat sich an unseren Küchentisch gesetzt, als würde er ihr gehören.
„Andreas hat mir erzählt, dass du verärgert bist.“
„Ich bin nicht verärgert.“
„Na also.“
„Ich bin erschöpft.“
Barbara hat seufzend die Hände gefaltet.
„Du musst schon verstehen, dass ein Mann das Recht hat, seine Mutter zu unterstützen.“
„Dann soll er sie unterstützen.“
„Wo liegt dann das Problem?“
Ich habe zuerst zu Andreas geschaut und dann zu ihr.
„Das Problem ist, dass er dich von seinem Gehalt unterstützt, während ich mit meinem Gehalt unser gemeinsames Leben finanziere.“
