„Ich hab dir doch gesagt, am Ende läuft alles so, wie ich es will“ — Lukas grinsend am Telefon vor dem Gerichtssaal, während Anna wortlos davongeht

Dieser schäbige Sieg wirkt bitter und ungerecht.
Geschichten

Die Stimme des Gerichtsvollziehers klang trocken und ohne jede Regung:
— Ein Vergleich entbindet Sie nicht von der Haftung, wenn Gelder zweckwidrig verwendet wurden. Ihr Erscheinen ist verpflichtend.

Lukas schleuderte das Handy auf den Beifahrersitz und wählte sofort Barbaras Nummer.
— Mama, sie hat mich angezeigt. Sie will sämtliche Kredite zurück. Behauptet, ich hätte das Geld verprasst.

Am anderen Ende hörte er, wie Barbara scharf die Luft einsog.
— Das kann doch nicht sein. Woher soll sie das Geld für einen Anwalt nehmen? Sie ist Buchhalterin, mehr nicht.

— Sie kann sehr wohl, Mama. Sie hat Beweise. Überweisungen, Fotos, Kontoauszüge. Alles schwarz auf weiß.

— Dann setz sie unter Druck. Sag, sie wusste Bescheid. Dass es gemeinsame Ausgaben waren.

Lukas umklammerte das Lenkrad, bis die Fingerknöchel weiß wurden.
— Das funktioniert nicht. Sie hat jeden Schritt vorbereitet.

Schon am nächsten Tag rief Barbara bei Anna an. Ihre Stimme klang gespannt, aber der alte Hochmut schwang noch mit.
— Anna, hier ist Barbara. Wir müssen reden. Du begreifst offenbar nicht, was du da anrichtest. Lukas ist mein Sohn, und ich werde nicht zulassen, dass du ihn ruinierst.

Anna stellte auf Lautsprecher und nickte Claudia zu, die ihr gegenüber saß. Diese aktivierte wortlos das Diktiergerät.
— Frau Barbara, sprechen Sie ruhig weiter. Ich höre zu. Und ich zeichne das Gespräch auf.

Eine kurze Pause entstand, doch Barbara fing sich rasch wieder.
— Glaubst du, du bist besonders gescheit? Meinst du, du kannst uns einschüchtern? Wir finden schon einen Weg, dich zum Schweigen zu bringen – so wie damals deinen Vater.

Anna lächelte kühl.
— So wie man ihn mit einer Steuerprüfung unter Druck gesetzt hat? Ich habe seinen Brief. Er hat alles niedergeschrieben. Soll ich das zusammen mit dieser Aufnahme direkt an die Polizei weiterleiten?

Stille. Dann nur noch das monotone Besetztzeichen.

Claudia schaltete das Gerät aus.
— Sie wird sich nicht mehr melden.

— Das weiß ich, antwortete Anna ruhig.

Von der Klage erfuhr Sophie direkt von Lukas. Er stand eines Abends vor ihrer Tür, eine Flasche Wodka in der Hand.
— Ich werde wohl alles verkaufen müssen. Wohnung, Auto. Die Exekution hat mein Eigentum gepfändet. Anna gewinnt das, ich spür’s.

Sophie blieb beim Fenster stehen und drehte sich nicht um.
— Lukas, ich diskutiere das nicht. Du hast behauptet, du hättest Geld. Dass die Wohnung dir gehört. Dass wir endlich ordentlich leben können. Und jetzt bist du faktisch pleite.

Er machte einen Schritt auf sie zu, doch sie wich zurück.
— Geh bitte. Ich brauche einen Mann, der für Stabilität sorgt, nicht jemanden, der von einem Gerichtssaal in den nächsten rennt. Es ist besser, du gehst.

Mitten im Wohnzimmer blieb er stehen, unfähig zu begreifen, wie rasch alles zerfallen war. Sophie öffnete die Tür.
— Geh. Und ruf nicht mehr an.

Der Prozess zog sich über zwei Monate. Lukas beteuerte immer wieder, das Geld sei der Familie zugutegekommen, Anna habe alles gewusst. Doch er konnte nichts belegen. Anna hingegen legte Kontoauszüge, Fotos und Zeugenaussagen vor.

Die Richterin, eine ältere Dame mit müden Augen, verkündete das Urteil knapp:
— Herr Kiselev, Sie haben die gesamte ausstehende Summe zu begleichen. Bis zur vollständigen Tilgung bleibt Ihr Vermögen beschlagnahmt.

Lukas krallte sich an der Tischkante fest. Barbara wurde kreidebleich und presste die Hand auf den Mund.

Eine Woche später leitete die Staatsanwaltschaft zusätzlich ein Verfahren wegen Betrugs ein – Lukas hatte Annas Unterschrift auf mehreren Kreditverträgen gefälscht. Das Gutachten bestätigte es eindeutig. Vier Jahre bedingt. Sein Besitz wurde inventarisiert, die Schlüssel zu Wohnung und Wagen musste er abgeben.

Das war also sein „Jahrhundert-Deal“: ohne Verfügung über sein Leben und ohne Eigentum dazustehen.

Barbara räumte die Wohnung und zog zu ihrer Schwester nach Wien. Diese öffnete ihr die Tür mit kühler Miene und musterte sie lange, bevor sie sie wortlos eintreten ließ.

Hedis Stube