„Raus aus meiner Wohnung!“ fauchte Frau Hedwig und fegte mit einer wütenden Handbewegung meine Lieblingsvase vom Tisch

Das ist ja eine niederträchtige, unerhörte Zumutung.
Geschichten

„Raus aus meiner Wohnung!“ Frau Hedwig hat mit einer wütenden Handbewegung meine Lieblingsvase vom Tisch gefegt. Mit einem hässlichen Klirren sind die Scherben quer durch die Küche gesprungen. „Ich hab gesagt: verschwind!“

Ich bin wie angewurzelt dagestanden, das Häferl Kaffee noch in den Händen. Die heiße Flüssigkeit ist mir über die Finger geschwappt, doch den Schmerz hab ich kaum wahrgenommen.

„Frau Hedwig, sind Sie noch bei Trost?“ Meine Stimme hat mich verraten und leicht gezittert. „Das ist meine Wohnung.“

„Deine?“ Meine Schwiegermutter hat losgeprustet, grauslich und gehässig, fast wie ein Grunzen. „Wenn mein Andi nicht gewesen wär, würdest du immer noch in irgendeinem Studentenheim mit Kakerlaken hausen! Er hat das alles verdient! Er, nicht du, du arme Schluckerin!“

Ganz langsam hab ich das Häferl auf den Tisch gestellt. In mir hat alles gekocht.

„Andreas? Verdient?“ Ich hab trocken aufgelacht. „Frau Hedwig, Ihr Sohn hat in den drei Jahren unserer Ehe keinen einzigen Cent in den Wohnkredit gesteckt. Die Wohnung haben mir meine Eltern geschenkt. Vor der Hochzeit. Soll ich Ihnen die Unterlagen zeigen?“

Ihr Gesicht ist dunkelrot angelaufen, am Hals sind fleckige Stellen erschienen.

„Lügnerin! Andi hat gesagt, er hat sie gekauft! Dass er der Eigentümer ist! Und du bist hier nur geduldet! Pack dein Zeug zusammen, bevor ich die Polizei rufe!“

Na wunderbar. Da waren wir also. Mein Mann war offenbar ein Märchenerzähler. Und ich durfte die Hauptrolle in seinem absurden Theaterstück spielen.

Andreas sollte erst in einer Stunde von der Arbeit heimkommen. Ich hab beschlossen, jetzt keine Szene loszutreten. Frau Hedwig sollte ruhig noch ein bisserl in ihrer Fantasiewelt bleiben.

Ohne ein weiteres Wort bin ich aus der Küche gegangen, hab mich im Schlafzimmer eingesperrt und meinen Mann angerufen.

„Servus, Liebling. Deine Mutter hat gerade meine Vase zerschlagen und schmeißt mich aus meiner eigenen Wohnung. Sie behauptet, sie gehört dir. Magst du mir das vielleicht erklären?“

Am anderen Ende war plötzlich Stille. Schwer, klebrig, unangenehm.

„Katharina, na ja, du verstehst doch …“ Er ist ins Stocken geraten. „Ich wollte Mama nicht kränken. Ich hab ihr gesagt, wir hätten die Wohnung gemeinsam gekauft … also, dass ich halt der Hauptverdiener bin. Dann ist sie beruhigter.“

„Beruhigter? Sie setzt mich gerade vor die Tür! Andreas, spinnst du? Du hast deine Mutter drei Jahre lang angelogen?“

„Jetzt übertreib nicht gleich … Ich hab’s nur ein wenig ausgeschmückt. Ich komm heim, dann klären wir das. Halt noch eine Stunde durch.“

Eine Stunde. Ich sollte also eine durchgedrehte Frau in meiner Wohnung aushalten, nur weil ihr Sohn feig war und gelogen hat?

Ich bin wieder ins Wohnzimmer gegangen. Frau Hedwig hatte sich dort bereits breitgemacht. Gerade riss sie meine Vorhänge herunter.

„Was soll das werden?“ Fassungslos hab ich zugesehen, wie sie den teuren Tüll zusammenknüllte.

„Staubfänger!“, hat sie gebellt. „Ich hab eine Allergie. Morgen hängen wir neue auf, ordentliche. Und dieses Sofa muss auch weg, viel zu hart. Andi kauft ein neues.“

„Legen Sie die Vorhänge sofort wieder hin.“ Ich bin einen Schritt auf sie zugegangen.

„Du hast mir gar nichts anzuschaffen!“ Sie richtete sich drohend auf.

Hedis Stube