„Weil ich hier einziehe“ — sagte sie kühl und beanspruchte das Schlafzimmer, ich stand mit dem Kaffeehäferl wie erstarrt

Diese rücksichtlose Ansage fühlte sich unerträglich an.
Geschichten

Das Rattern ihres Koffers habe ich schon gehört, bevor meine Schwiegermutter überhaupt im Türrahmen aufgetaucht ist.

Gleich darauf folgte ein kurzes, unangenehmes Kratzen.

Eine der kleinen Rollen war quer über unseren eben erst verlegten Holzboden geschrammt. Ich stand mit meinem Kaffeehäferl im Vorraum und starrte auf die helle Spur, die sie in der Diele hinterlassen hatte.

Seit genau sieben Tagen wohnten wir in diesem Haus.

Auf der Küchenzeile standen noch verschlossene Umzugskartons, die Vorhänge hingen achtlos über einer Sessellehne, und an der Wand im Wohnzimmer war noch immer der Platz leer, an dem unser Hochzeitsfoto hängen sollte.

Erst am Abend davor hatte ich zu meinem Mann gesagt, dass es sich hier zum ersten Mal wirklich nach Zuhause anfühle.

Und nun stand seine Mutter vor mir, schob sich die Sonnenbrille in die Haare und warf einen Blick auf ihre Uhr.

„Bis elf habt ihr euer Schlafzimmer frei gemacht. Ab jetzt führe ich hier das Regiment. Je eher ihr euch damit abfindet, desto leichter wird es für alle.“

Ich wartete einen Moment, weil ich sicher war, dass gleich ein Lächeln kommen musste.

Aber da war keines.

Hinter ihr stand ein Taxifahrer, in der einen Hand ein zweiter Koffer, in der anderen ein langer Kleidersack.

„Wo soll das hin?“, wollte er wissen.

„Ins Schlaf…“, setzte sie an.

„Bitte einfach hier neben der Tür abstellen“, fiel ich ihr ins Wort.

Als der Fahrer weg war, streifte Theresa ihre Jacke ab und hielt sie mir hin, als wäre ich selbstverständlich dafür zuständig. Ich rührte mich nicht.

„Das Zimmer zur Straße genügt euch vollkommen“, sagte sie. „Ich brauche meine Ruhe. Bei meinem leichten Schlaf kommt für mich nur das Schlafzimmer zum Garten hinaus infrage.“

Ganz langsam stellte ich mein Häferl auf die schmale Kommode neben mir.

„Weshalb hast du dein Gepäck mitgebracht?“

Sie sah mich an, als hätte ich gerade nach dem Offensichtlichsten der Welt gefragt.

„Weil ich hier einziehe. Florian ist informiert.“

Dieser eine Satz hat mich härter getroffen als ihr ganzes plötzliches Auftauchen.

Florian war im Baumarkt. Vor nicht einmal einer halben Stunde hatte er mich noch geküsst und mir versprochen, heute endlich die Vorhangstangen zu montieren. Dass seine Mutter bei uns einziehen sollte, hatte er mit keinem Wort erwähnt.

„Worüber genau ist er informiert?“

„Darüber, dass ich nicht länger allein wohnen will.“

Sie griff nach dem Griff ihres Koffers und wollte an mir vorbeigehen.

„Zuerst reden wir miteinander“, sagte ich.

Theresa blieb stehen.

„Wie bitte?“

„Du gehst jetzt nicht in unser Schlafzimmer.“

Meine eigene Stimme überraschte mich. Sie klang ruhiger und fester, als ich mich fühlte. In sechs Jahren Ehe hatte ich ihr kaum je so klar widersprochen.

Meistens hatte ich geschwiegen. Wenn sie an meinem Essen etwas auszusetzen hatte. Wenn sie behauptete, Florian sehe erschöpft aus, weil ich mich offenbar nicht ausreichend um ihn kümmerte. Wenn sie bei Besuchen ungefragt unsere Kästen ausräumte und neu sortierte.

Mein Mann hatte dann jedes Mal nur gemeint: „Du weißt doch, wie sie ist. Nimm dir das nicht so zu Herzen.“

Diesmal aber ging es nicht um eine spitze Bemerkung oder einen umgeräumten Kasten. Diesmal ging es um unser Bett, um unsere Kästen, um unsere Tür, die wir am Abend hinter uns zumachten.

Ich nahm mein Handy und rief ihn an.

„Ich hab die passenden Dübel gefunden“, sagte er statt einer Begrüßung.

„Deine Mutter steht mit zwei Koffern in unserem Vorraum. Sie will bei uns wohnen und verlangt, dass wir bis elf unser Schlafzimmer räumen.“

Am anderen Ende hörte ich Einkaufswagerl scheppern und eine Durchsage aus dem Lautsprecher.

Dann sagte er: „Sie verlangt was?“

„Angeblich weißt du darüber Bescheid.“

„Ich habe sie zum Sonntagsessen eingeladen. Mehr nicht. Ich komme sofort.“

Hedis Stube