„Weil ich hier einziehe“ — sagte sie kühl und beanspruchte das Schlafzimmer, ich stand mit dem Kaffeehäferl wie erstarrt

Diese rücksichtlose Ansage fühlte sich unerträglich an.
Geschichten

Theresa hatte offenbar genug von dem Telefonat mitbekommen.

„Sag ihm gleich, er soll Semmeln mitnehmen. In diesem Haus bekommt man ja nicht einmal ein ordentliches Frühstück.“

Ich beendete das Gespräch, ohne darauf zu antworten.

Während wir auf Florian gewartet haben, ist sie ins Wohnzimmer hinübergegangen. Dort griff sie nach dem gelben Polster auf dem Sofa, hielt ihn prüfend vor sich hin und ließ ihn dann achtlos zurückfallen.

„Diese Farbe geht gar nicht. Der muss weg.“

Diesen Polster hatte meine Mutter genäht, nicht lange bevor sie gestorben ist. Die ein wenig schief geratenen Nähte hätte ich auch aus der anderen Ecke des Zimmers sofort erkannt.

„Der bleibt“, sagte ich knapp.

Theresa deutete auf eine Schachtel voller Bücher, die noch neben dem Regal stand.

„Wenn du jeden Kram aufhebst, wird es für uns hier ziemlich beengt.“

„Für Florian und mich reicht es.“

Darauf wusste sie zum ersten Mal nichts zu sagen.

Unser Haus war nicht groß. Zwei Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, eine schmale Küche und ein Garten, dessen Zaun schon längst einen neuen Anstrich gebraucht hätte. Im Bad klebten noch immer die alten Fliesen an der Wand.

Und trotzdem hatten wir acht Jahre lang genau auf dieses Haus hingespart.

Ich hatte abends zusätzliche Übersetzungen angenommen, oft bis spät in die Nacht hinein. Florian ist nach seinem normalen Arbeitstag noch zu Kundschaften gefahren, hat Lampen montiert, Steckdosen repariert und alles erledigt, was ein Installateur oder Elektriker eben so nebenbei übernehmen kann.

Für den letzten fehlenden Teil unseres Eigenkapitals hatte ich die kleine Wohnung verkauft, die mir meine Mutter hinterlassen hatte.

Auch Theresa hatte uns Geld geliehen. Einen Kredit, mit schriftlichem Vertrag und genau festgelegten Monatsraten.

Seit diesem Tag sprach sie allerdings darüber, als hätte sie uns das ganze Haus finanziert.

Als Florian endlich die Haustür aufsperrte, stand seine Mutter in unserer Küche und inspizierte gerade den Inhalt der Kästen.

„Na endlich“, sagte sie, ohne sich umzudrehen. „Vielleicht kannst du deiner Frau erklären, wie man sich gegenüber der Familie benimmt.“

Er stellte das Sackerl aus dem Baumarkt auf den Boden.

„Mama, meinst du das ernst? Du willst wirklich bei uns einziehen?“

„Ich hab dir gesagt, dass ich es satt habe, allein zu sein.“

„Und ich hab gesagt, dass du am Sonntag zum Essen kommen sollst.“

Sie machte eine wegwerfende Handbewegung.

„Du musst doch nicht jedes Wort so genau nehmen.“

Florian sah zu mir herüber. Ich stand noch immer in meiner Schlafhose da. Mein Kaffee war inzwischen kalt.

„Zwischen einer Einladung zum Mittagessen und einem Einzug liegen ein paar Welten“, sagte er ruhig.

Theresas Gesicht wurde hart.

„Du setzt also deine eigene Mutter vor die Tür?“

„Du hast eine Wohnung.“

„Die brauche ich bald nicht mehr.“

Er zog die Stirn kraus.

Da griff sie in ihre Handtasche und holte einige zusammengeheftete Blätter hervor.

„Ab nächsten Monat wohnt dort eine Familie. Sehr nette Leute. Und sie zahlen pünktlich und anständig.“

Florian nahm ihr die Unterlagen aus der Hand und überflog die erste Seite.

„Du hast deine Wohnung vermietet, ohne vorher mit uns zu reden, ob du überhaupt hier wohnen kannst?“

„Ihr habt ja schließlich ein Zimmer frei.“

„Warum verlangst du dann unser Schlafzimmer?“

„Weil es für mich geeigneter ist. Und über eure Möbel müssen wir sowieso noch sprechen.“

Florian lachte kurz auf, völlig fassungslos.

Sofort fuhr Theresa zu mir herum.

„Früher hätte er seine Mutter nie so behandelt.“

Ich spürte diesen alten, viel zu vertrauten Impuls, alles irgendwie zu glätten.

Einen Kaffee anzubieten. Meine Stimme weicher zu machen. Vielleicht sogar vorzuschlagen, das Gästezimmer für ein paar Tage freizumachen.

Hedis Stube