„Ach geh, du bist doch die Hausfrau! Das machst du schon schnell“, sagte die Schwiegermutter selbstgefällig – Anna setzte sie und Lukas an ihrem runden Geburtstag vor die Tür

Diese Familie ist kalt, verletzend und zutiefst unfair.
Geschichten

— Meine Schwiegermutter hat plötzlich Anspruch auf mein geerbtes Haus erhoben. Mein Mann hat sich auf ihre Seite gestellt. An ihrem runden Geburtstag habe ich beide vor die Tür gesetzt.

Es war einer dieser Abende, an denen der Himmel so tief hing wie eine nasse Decke. Sogar die Katze, sonst ein kleiner Motor auf vier Pfoten, hatte offenbar beschlossen, dass das Leben heute nichts besonders Lustiges an sich hatte, war unter die Decke gekrochen und tat so, als wäre sie ein Zierpolster.

Anna war auf dem Heimweg von der Arbeit, aber es fühlte sich nicht nach Heimkommen an. Eher so, als würde sie in die nächste Schicht einrücken. Statt Ruhe, Stille und einem Häferl Tee warteten daheim nämlich die ewige Kränkung im Rock, die sich ihre Schwiegermutter nannte, und ihr Mann, bei dem die Unzufriedenheit schon längst wie ein amtlicher Eintrag zwischen Nachname und Adresse stand.

Das Handy läutete pünktlich wie nach Fahrplan, genau bei der Kurve zum Haus.

Anna warf einen Blick aufs Display und seufzte.

„Natürlich … Maria. Der persönliche Wecker für schlechte Laune.“

„Anna, guten Abend, ich bin’s“, kam die Stimme der Schwiegermutter aus dem Telefon, ein wenig rau, ein wenig erschöpft, als hätte sie den halben Tag am Lagerfeuer Sonnenblumenkerne geröstet. „Du weißt doch noch, dass morgen mein Geburtstag ist?“

„Ja, ich weiß es“, antwortete Anna ruhig. „Ich gratuliere dir schon einmal im Voraus.“

„Na also. Lukas und ich haben uns gedacht, dass es bei euch viel angenehmer wäre, die Gäste zu empfangen. Es ist geräumig, gemütlich …“

Mitten am Gehsteig blieb Anna stehen. Der Schnee knirschte unter ihren Stiefeln, als würde er ihren stummen Protest unterstützen.

„Stört es niemanden, dass ich morgen bis acht Uhr am Abend arbeite?“

„Ach geh, du bist doch die Hausfrau! Das machst du schon schnell. Die Gästeliste haben wir bereits zusammengestellt.“

Anna hätte beinahe gesagt: „Aha, und die Einkaufsliste habt ihr sicher auch schon fertig.“ Doch sie schluckte den Satz hinunter. Stattdessen sagte sie kühl:

„Maria, bei mir gibt es morgen keine Feier. Richtet sie bei euch aus.“

Am anderen Ende der Leitung breitete sich eine schwere, gallertartige Stille aus. So eine Stille, nach der Menschen nicht zustimmen, sondern ihre Worte sorgfältiger aussuchen, damit sie tiefer schneiden.

„Anna, du hast dich verändert. Eine Frau sollte sich freuen, wenn die ganze Familie an einem Tisch sitzt. Du redest immer nur von deiner Arbeit, von diesem Unternehmen …“

„Wenn mein Unternehmen euch dann auch noch ernährt, denke ich vielleicht darüber nach“, sagte Anna und beendete das Gespräch.

Der Schnee legte sich in ihr Haar, und ihre Stimmung sank ungefähr so schnell wie der Kontostand nach der Abbuchung der Betriebskosten.

Daheim wartete Lukas bereits auf sie. Er sah aus wie ein Richter, der das Urteil längst gefällt hatte.

„Mama hat gesagt, du warst unhöflich zu ihr“, begann er, noch bevor Anna überhaupt die Stiefel ausziehen konnte.

„Nein. Ich habe einfach Nein gesagt. Das ist nicht dasselbe.“

„Sie hat aber einen runden Geburtstag! Da hättest du dich schon ein bisserl entgegenkommender zeigen können.“

„Die Wohnung gehört allerdings mir“, sagte Anna ruhig.

Lukas schnaubte auf wie ein Wasserkocher kurz vor dem Pfeifen.

„Schon wieder das …“

„Das hat angefangen, als ihr beschlossen habt, mein Haus sei eine Kantine mit Bedienung.“

Er stellte sich einen Schritt vor sie und versperrte ihr den Weg.

„Warum musst du alles immer so kompliziert machen? Es wäre doch viel einfacher, einfach zuzustimmen.“

„Natürlich wäre es einfacher. Vor allem für jene, die weder etwas vorbereiten noch dafür bezahlen.“

Hedis Stube