– Entweder zieht meine Ex-Frau mit den Kindern bei uns ein, oder du bist hier weg. Such es dir aus! – sagte Lukas mitten in der Küche, ohne die geringste Scham darüber, dass er in meiner Wohnung lebte.
Ein paar Sekunden lang habe ich ihn nur angestarrt. Ich konnte kaum glauben, was ich da gehört hatte. Dann stellte ich mein Häferl vorsichtig auf den Tisch und fragte mit eisiger Ruhe:
– Meinst du das ernst?
– Vollkommen – er zuckte mit den Schultern. – Anna hat Probleme. Zwei Kinder. Keine Bleibe. Ich kann sie doch nicht im Stich lassen.
– Und wann genau wolltest du das mit mir besprechen? – Meine Stimme war leise, aber hart wie Stahl.

– Ich dachte, du verstehst das. Du hast doch immer gesagt, Ehrlichkeit sei dir wichtig.
– Ehrlichkeit heißt, dass man miteinander redet. Nicht, dass man jemanden vor vollendete Tatsachen stellt – ich stand auf. – Dann habe ich auch Bedingungen.
– Was für Bedingungen? – Seine Stirn legte sich in Falten.
– Entweder du packst deine Sachen und gehst, oder ich stelle dir alles vor die Tür. Ohne Geschrei, ohne Theater.
Er sah mich an, als hätte ich ihm den Boden unter den Füßen weggezogen.
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1. Kapitel: Meine Festung
Ich saß auf meinem Lieblingssofa, weich, grau und mit Stoff bezogen, und versuchte zu lesen. Doch meine Augen rutschten immer wieder von den Zeilen weg. Meine Gedanken wirbelten durcheinander wie die Herbstblätter draußen vor dem Fenster im feinen Nieselregen.
Lena, meine Katze, lag zusammengerollt auf meinem Schoß und schnurrte, als wollte sie mich erinnern: „Du bist daheim. Das ist deine Burg. Lass sie dir nicht einreißen.“
In der Wohnung roch es nach frisch gebrühtem Kaffee und Zimt. Jede Ecke trug meine Erinnerungen, meine Entscheidungen, meinen Geschmack. Und trotzdem hatte sich hier plötzlich ein fremder Takt eingenistet. Grob, ungefragt, rücksichtslos. Lukas’ Takt.
Vor zwei Jahren war er in mein Leben gekommen. Damals hatte er wie eine Rettung gewirkt: höflich, aufmerksam, ein bisschen verloren. Also nahm ich ihn unter meine Fittiche. Nach und nach übersiedelte er zu mir. Zuerst waren es nur seine Zahnbürste und ein Hemd für den nächsten Tag, später Kisten und sein Laptop. Ich glaubte, wir würden gemeinsam etwas aufbauen.
Inzwischen wusste ich: Gebaut hatte ich. Er hatte bloß darin gewohnt.
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2. Kapitel: Der Siedepunkt
Am Abend ging ich in die Küche. Lukas saß am Tisch und starrte in den Bildschirm seines Laptops.
– Wir müssen reden – begann ich.
Er schaute nicht einmal auf.
– Schon wieder? Wir haben doch eh alles besprochen.
– Nein, Lukas. Du hast geredet, ich habe geschwiegen. Jetzt rede ich.
Er seufzte, nahm die Hände von der Tastatur und sah mich endlich an.
– Du lebst in meiner Wohnung. Ich zahle die Rechnungen, das Essen, den ganzen Alltag. Das ist mein Beitrag. Und deiner? Ein bisschen Anwesenheit und Hilfe für deine Ex-Frau?
– Ich bin kein Nichtsnutz – fuhr er dazwischen. – Ich helfe dir. Du siehst es nur nicht.
– Hilfe bedeutet nicht, einmal in der Woche das Geschirr abzuwaschen. Hilfe heißt Respekt, Mittragen, Ehrlichkeit. Bei dir gibt es aber heimliche Nachrichten mit Anna, spöttische Bemerkungen und dauernde Vorwürfe. Ich bin es leid, die Energiequelle für dein Drama zu sein.
Er sprang auf und schob den Sessel so heftig zurück, dass er über den Boden schrammte.
– Also wirfst du mich raus?
– Nein. Ich höre nur auf, mich für jemanden aufzuopfern, der mich nicht achtet. Entscheide, was du willst – aber nicht länger auf meine Kosten.
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3. Kapitel: Folgen
Am nächsten Morgen ist er zur Arbeit gegangen und in der Nacht nicht zurückgekommen.
Ich habe nicht geweint. Stattdessen habe ich stärkeren Kaffee gekocht, alle Fenster aufgemacht und mit dem Großputz begonnen. Zuerst kam seine Lade im Bad dran, dann räumte ich sein Fach im Kasten aus und nahm mir alles vor, was noch nach ihm aussah.
