„Ich sage es jetzt zum dritten Mal: Nein. Aus. Ende.“ — Anna legte das Messer weg und drehte sich zu ihrem Mann um

Diese Forderung ist herzlos und unerträglich.
Geschichten

— Hörst du mir überhaupt noch zu? — Anna legte das Messer weg, mit dem sie gerade das Gemüse geschnitten hatte, und drehte sich zu ihrem Mann um. — Ich sage es jetzt zum dritten Mal: Nein. Aus. Ende.

Lukas saß am Küchentisch und starrte in sein Handy. Der oberste Knopf seines Hemdes war offen, die Krawatte steckte zerknittert in der Tasche seines Sakkos, das über der Sessellehne hing. Als er aufschaute, wirkten seine Augen müde, gerötet und erschöpft.

— Anna, warum stellst du dich so quer? — sagte er leise. — Meine Mutter bittet doch nur um Hilfe für ein halbes Jahr. Höchstens für ein Jahr. Sie zahlt alles zurück.

— So wie beim letzten Mal? — Anna schnaubte und wandte sich wieder den Paradeisern zu. — Oder wie beim Mal davor? Bei ihr gibt es doch ständig irgendeinen Notfall, Lukas. Einmal rinnt das Dach, dann bricht ein Zahn ab, dann haben die Nachbarn sie überschwemmt. Und komischerweise passiert immer alles ganz plötzlich. Wir haben fünf Jahre lang auf diese Wohnung gespart. Fünf Jahre! Ich habe mir alles verkniffen. Ich weiß schon gar nicht mehr, wann ich zuletzt auf Urlaub war. Und jetzt soll ich ernsthaft zustimmen, dass wir alles verkaufen, nur damit deine Mutter ihre Schulden loswird? Und wohin sollen wir dann? Wieder zu deinen Eltern?

Das Messer klopfte immer schneller und lauter auf das Schneidbrett. Aus den Paradeisern wurden ungleichmäßige, zerquetschte Stücke.

— Du bist unfair, — Lukas rieb sich über den Nasenrücken. — Niemand sagt, dass wir zu meinen Eltern ziehen müssen. Wir könnten uns etwas mieten.

— Wovon denn bitte? — Anna fuhr herum und stützte beide Hände auf die Arbeitsplatte. — Wenn wir verkaufen, bleibt uns gerade genug, um die Schulden deiner Mutter zu begleichen, das weißt du ganz genau! Und danach? Wieder zehn Jahre sparen? Ich bin zweiunddreißig, Lukas!

Er verzog das Gesicht und schaute zur Seite.

— Du übertreibst wie immer …

— Ich übertreibe? — Anna zog die Augenbrauen hoch. — Fünfzehntausend Euro sind also eine Kleinigkeit? Deine Mutter hat Kredite über fünfzehntausend Euro aufgenommen, und ich bin die, die übertreibt?

— Sie hat das nicht absichtlich gemacht, — murmelte Lukas. — Du weißt doch, wie schwierig es bei ihnen ist. Mein Vater kann seit dem Schlaganfall kaum noch arbeiten. Seine Pension ist ein Witz.

— Und deshalb sollen wir unsere Zukunft opfern, weil sie Fehler gemacht hat? — Anna verschränkte die Arme vor der Brust. — Die Schulden meiner Schwiegermutter sind nicht mein Problem. Ich verkaufe sicher nicht unsere Wohnung für sie. Das kann sie sich gleich abschminken.

Lukas sprang so abrupt auf, dass der Sessel über den Boden scharrte.

— Sie ist immerhin meine Mutter. Und sie hat uns immer geholfen.

— Wann genau soll das gewesen sein? — Anna lachte kurz, aber es klang nervös und bitter. — Als sie mich ständig angerufen hat, um mir zu erklären, dass ich keine gute Ehefrau bin? Oder als sie entscheiden wollte, wo wir wohnen und wie wir unsere Wohnung einrichten? Vielleicht meinst du ja auch die Momente, in denen sie gejammert hat, weil ich ihr keine Enkel schenke. Ja, das war natürlich eine riesige Hilfe!

Lukas ballte die Hände zu Fäusten.

— Du hast überhaupt kein Herz, — presste er hervor. — Sie hat jahrelang geschuftet, damit aus mir etwas wird, und jetzt …

— Und jetzt solltest du zu mir stehen, nicht zu ihr! — schnitt Anna ihm das Wort ab. — Ich bin deine Familie, Lukas. Ich! Aber du hängst immer noch an Mamas Rockzipfel, als wärst du ein kleiner Bub!

Im Vorzimmer begann das Telefon zu läuten. Beide wussten sofort, wer dran war. Maria rief jeden Abend gegen sieben an, um sich zu erkundigen, wie es ihrem Söhnchen ging, ob er gegessen hatte und ob die Arbeit nicht zu anstrengend gewesen war. Lukas warf Anna einen schweren Blick zu und verließ die Küche. Sie hörte seine gedämpfte Stimme, dann knallte die Wohnungstür so heftig zu, dass die Häferl in der Kredenz klirrten.

— Der ist doch bloß der Laufbursche seiner Mama, — Sophie, Annas beste Freundin, schüttelte den Kopf und nahm einen Schluck Kaffee. — Ich hab dir von Anfang an gesagt: Mit so einer Schwiegermutter wird das Eheleben zur Hölle.

Sie saßen in einem kleinen Kaffeehaus nicht weit von Annas Büro entfernt. Draußen nieselte ein feiner Herbstregen, und die Leute eilten unter ihren Schirmen über den Gehsteig. Sophie war der einzige Mensch, bei dem Anna wirklich alles aussprechen konnte, ohne sich zusammenzureißen.

— Ich hab geglaubt, es wird leichter, sobald wir die Wohnung haben, — seufzte Anna. — Dass wir endlich unser eigenes Leben führen können. Und jetzt kommt diese Geschichte mit den Schulden daher …

— Bist du dir überhaupt sicher, dass es diese Schulden wirklich gibt? — Sophie kniff misstrauisch die Augen zusammen. — Vielleicht ist das nur ein Trick, damit sie euch wieder näher an sich heranzieht.

Anna wurde nachdenklich. Maria hatte nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ihr die Wahl ihres Sohnes nicht passte. „Viel zu eigenständig“, hatte sie über Anna gesagt. „Mit solchen Frauen ist es schwer. Die können nicht nachgeben.“ Außerdem erinnerte sie Lukas ständig daran, dass „eine Mutter immer bleibt, während Ehefrauen kommen und gehen“.

— Ich weiß es nicht … Lukas hat Kontoauszüge gesehen. Die Summe ist tatsächlich hoch.

— Und seit wann steckt sie in diesem Schlamassel? — fragte Sophie.

— Genau das ist ja der Punkt! — Anna hob verzweifelt die Hände. — Es hat sich herausgestellt, dass sie schon vor einem Jahr angefangen hat, Kredite aufzunehmen. Die ganze Zeit hat sie geschwiegen. Und jetzt, wo die Inkassobüros anrufen, fällt ihr plötzlich ein, dass es uns gibt.

— Klassiker, — Sophie schnaubte. — Und Lukas?

— Was soll mit Lukas sein? — Anna zuckte mit den Schultern. — Er schläft seit drei Nächten nicht daheim. Er sagt, er bleibt bei seiner Mutter. Angeblich braucht sie Unterstützung.

Sophie verdrehte die Augen.

— Und du lässt dir das gefallen?

— Was soll ich denn machen? — fragte Anna bitter. — Gehen? Ihm ein Ultimatum stellen? Er hat seine Entscheidung offenbar schon getroffen. Seine Mutter ist ihm wichtiger.

— Tja … — Sophie zog das Wort in die Länge. — Meine Oma hat immer gesagt: Eine Schwiegermutter ist keine Verwandte, sondern eine Diagnose.

Anna lächelte freudlos.

— Am schlimmsten ist, dass sie auch noch Kinder von mir verlangt. Ständig deutet sie an, ich wäre eine schlechte Ehefrau, weil ich mir mit einem Kind Zeit lasse. Dabei würde ich ja gern … — Anna stockte und schluckte den Kloß in ihrem Hals hinunter. — Weißt du, wie lange wir es schon versuchen? Drei Jahre. Drei! Und sie kommt immer wieder mit ihrem: „Wann darf ich endlich Enkel im Arm halten?“ Als würde ich ihr absichtlich kein Kind schenken.

Sophie legte ihr mitfühlend die Hand auf den Arm.

— Hast du Lukas von euren Versuchen erzählt?

— Natürlich, — Anna nickte. — Er weiß doch alles. Wir sind gemeinsam bei den Ärzten gewesen.

— Und was sagen die?

Anna wandte den Blick ab.

— Bei mir ist alles in Ordnung. Aber bei Lukas … gibt es Probleme. Ernste. Und wahrscheinlich ohne wirkliche Chance.

— Wahnsinn, — flüsterte Sophie. — Und seine Mutter weiß davon?

— Genau das ist ja das Problem: nein, — Anna schüttelte den Kopf. — Er hat mir verboten, etwas zu sagen. Er hat gemeint, er werde es ihr selbst erklären, sobald er bereit ist.

Hedis Stube