„Hauptsache, du überweist deine Ersparnisse nicht auf das gemeinsame Konto. Hast du mich verstanden?“ mahnte meine Schwiegermutter aus der Loggia, während ich mit dem Schwamm erstarrte

So kalt und berechnend, das ist unerträglich.
Geschichten

Billig war sie allerdings nicht. Schon für die Anzahlung brauchte es eine Summe, die Lukas sich nicht einmal ansatzweise vorstellen konnte. Ich hatte eigene Ersparnisse, und zusätzlich verkaufte ich das kleine Wochenendhaus meiner Eltern.

„Anna, ich gebe alles dazu, was ich auf der Seite habe, und den Rest legst du drauf. Aber eintragen lassen wir die Wohnung auf mich. Meine Bonität schaut bei der Bank besser aus, dann geht die Bewilligung schneller“, erklärte Lukas damals mit einer Selbstverständlichkeit, die mir sofort unangenehm aufgefallen ist.

In diesem Augenblick hat sich in mir etwas zusammengezogen.

„Nein, Lukas“, sagte ich ruhig, aber so deutlich, dass kein Zweifel blieb. „Den Großteil zahle ich. Entweder wir gehen zu einem Juristen und lassen einen wasserdichten Ehevertrag aufsetzen, in dem die Anteile genau geregelt sind, oder wir kaufen gar nichts.“

Da ist ihm das Gesicht richtig entgleist. Er tat, als hätte ich ihn zutiefst gekränkt. „Heißt das, du vertraust mir nicht? Wir sind doch eine Familie.“

Ich bin trotzdem hart geblieben. Der Rechtsanwalt hat ein klares Dokument vorbereitet: Die Wohnung wird zwar während der Ehe erworben, doch der überwiegende Teil des Geldes stammt von mir. Sollte es zu einer Trennung kommen, bleibt die Immobilie bei mir, während ich Lukas lediglich seinen verhältnismäßig kleinen Anteil auszahlen muss. Lukas unterschrieb, sprach danach aber den ganzen Abend kein Wort mehr mit mir.

Das erste Jahr verlief äußerlich ruhig. Ich habe viel gearbeitet und zusätzliche Aufträge angenommen. Lukas ging ebenfalls ins Büro, begann jedoch immer öfter über seine Vorgesetzten zu klagen. Dazu kamen Besprechungen, die angeblich wichtig waren, aber nie irgendein Ergebnis brachten.

Dann tauchte Barbara immer häufiger bei uns auf. Eine Frau mit einem Willen aus Stahlbeton, die es gewohnt war, Anweisungen zu geben und keine Widerrede zu dulden.

„Anna, warum hängen Lukas’ Hemden im Kasten nicht nach Farben sortiert?“, fragte sie, während sie die Türen öffnete, ohne vorher anzuklopfen. „Und die Suppe heute ist auch recht dünn. Mein Lukas ist etwas Kräftigeres gewöhnt, er hat ja dauernd Probleme mit der Verdauung.“

Ich schluckte diese Bemerkungen hinunter. Lukas saß daneben, starrte in seinen Teller und nickte seiner Mutter zustimmend zu.

Nach und nach verschob sich auch unsere finanzielle Lage. Nicht plötzlich, sondern ganz leise, Schritt für Schritt. Zuerst hörte Lukas auf, Lebensmittel einzukaufen.

„Anna, bei uns sind die Prämien gekürzt worden. Kannst du diesmal die Rechnungen übernehmen?“, bat er und schaute dabei an mir vorbei.

Ich verdiente mehr als er, außerdem hatte ich ein eigenes Sparkonto, von dem Lukas nichts wusste. Also stopfte ich die Löcher im Haushaltsbudget. Doch seine angeblich vorübergehenden Schwierigkeiten zogen sich über zwei Jahre. Am Ende trug ich sämtliche Grundkosten: die Kreditraten, neue Geräte, die Reparaturen. Lukas verwendete sein Einkommen fast ausschließlich für sich selbst.

Und dann kam dieses Gespräch am Balkon. Danach war für mich alles klar.

Als die beiden wieder in die Küche zurückkehrten, deckte ich bereits ganz ruhig den Tisch. Barbara musterte mich mit diesem herablassenden Blick, den sie so gut beherrschte.

„Danke fürs Abendessen, Annalein. Wir werden jetzt wohl gehen. Lukas, bringst du mich noch zur Haltestelle?“

Sie gingen. Ich setzte mich auf ein kleines Stockerl. Keine Tränen. Kein Zittern. Nur ein Plan, Schritt für Schritt.

Am nächsten Morgen nahm ich mir im Büro frei und fuhr zu jenem Rechtsanwalt, der damals unseren Vertrag aufgesetzt hatte. In seinem Zimmer roch es nach altem Papier und nach warmem Plastik vom Drucker. Der ältere Herr im dunklen Anzug nahm mein Exemplar zur Hand und las es aufmerksam durch.

„Sie sind gut abgesichert“, sagte er schließlich und rückte seine Brille zurecht. „Der Hauptanteil wurde von Ihnen eingebracht, sämtliche Banküberweisungen sind dokumentiert. Der Vertrag ist sauber formuliert. Ihn anzufechten wäre nahezu aussichtslos.“

„Und meine erste Wohnung, die von meinen Eltern stammt — könnte er versuchen, sie aufzuteilen?“, fragte ich nach.

„Ausgeschlossen. Sie wurde vor der Eheschließung erworben. Das ist Ihr persönliches Eigentum.“

Hedis Stube