— Halt den Mund, und wag es ja nicht, mir in meiner eigenen Wohnung Vorschriften zu machen! Ich werde dich ganz bestimmt nicht fragen, welche Renovierung ich hier angehe und wie ich sie mache!
— Und was soll dieser Wahnsinn kosten?
Florians Stimme ist in den Raum gefallen wie ein schmutziger Stein in einen klaren Brunnen. Anna hat den Kopf nicht gleich gehoben. Sie hockte mitten im Wohnzimmer auf dem alten Parkett, das längst rau und voller Splitter war, und für einen kurzen Augenblick hat sich ihre ganze Welt auf ein paar rechteckige Musterbretter verengt. Laminat. „Arktische Eiche“, „Mailänder Nuss“, „Marokkanisches Wenge“.
Mit den Fingern, die von harter Arbeit rau geworden waren, drehte sie die Stücke hin und her, strich über die kühle, leicht raue Oberfläche und sog den schwachen, chemischen Geruch von neuem Holz ein. In diesen kleinen Platten steckten für sie nicht bloß gepresste Holzspäne. Darin lagen die vergangenen drei Jahre.
Drei Jahre, in denen sie mittags trockenen Buchweizen gegessen hatte, weil ein Menü im Wirtshaus oder ein Geschäftsessen für sie ein unleistbarer Luxus gewesen wäre. Drei Jahre, in denen sie ihre einzigen Winterstiefel immer wieder flicken ließ, weil ein neues Paar hundert Euro aus ihrer mühsam gehüteten Rücklage gerissen hätte. Drei Jahre, in denen sie Einladungen ihrer Freundinnen ins Kaffeehaus abgesagt und Ausreden erfunden hatte: Kopfweh, Erschöpfung, zu viel Arbeit.

Jeder zur Seite gelegte Euro, jeder abgeschnittene Wunsch, jede bittere Minute, in der sie sich wegen ihrer eigenen Sparsamkeit geschämt hatte — all das lag nun hier vor ihr auf dem Boden, in diesen sorgsam aufgereihten, glänzenden Paneelen. Es war ihr Traum, endlich greifbar geworden: Sauberkeit, Licht, ein anderer Anfang in dieser grauen Zweizimmerwohnung, die sie von ihrer Großmutter geerbt hatte.
Florian kam herein, ohne die Schuhe auszuziehen, und stieß mit der Schuhspitze angewidert gegen das hellste und teuerste Muster — die „Arktische Eiche“. Auf der makellos weißlichen Fläche blieb ein verschmierter, dreckiger Abdruck zurück. Entweder bemerkte er ihn nicht, oder er tat so, als sähe er nichts. Für ihn waren das ja nur Bretter. Ramsch.
— Dreitausend Euro willst du also beim Fenster hinausschmeißen, ja? — Es war keine Frage, sondern ein Urteil, das er zwischen den Zähnen hervorpresste. Er ging um sie herum, als wäre sie ein Möbelstück, das im Weg stand, und ließ sich in den alten Fauteuil fallen, der unter seinem Gewicht beleidigt aufquietschte.
Anna schwieg. Langsam fuhr sie mit dem Finger über die schmutzige Spur auf dem Laminat. Sie verschwand nicht. Sie hatte sich in ihren Traum hineingefressen.
— Ich seh das ganz anders — fuhr Florian fort, ohne auf eine Antwort zu warten, und schlug die Beine übereinander. — Wir brauchen jetzt eher ein Auto. Wozu sollen wir diesen ganzen Baustaub schlucken? In einem Jahr ist das Zeug sowieso wieder abgenützt. Lass die Renovierung bleiben, legen wir noch ein bissl was drauf und kaufen uns einen ordentlichen Logan. Dann fahren wir wie normale Leute und rütteln nicht ständig mit dem Bus herum.
Er sagte es so beiläufig, so selbstverständlich, als wäre ihr Geld ein gemeinsamer Topf, über den er als Mann ganz natürlich verfügen durfte. Als wären diese drei Jahre entwürdigenden Sparens nur die Vorbereitung darauf gewesen, ihm endlich ein eigenes Verkehrsmittel zu ermöglichen.
Nicht einmal „kaufen wir mir einen“ sagte er. Nein, „kaufen wir uns einen“. Ganz automatisch ordnete er ihr Opfer dem Familienbesitz zu — einem Besitz, der seltsamerweise immer genau seinen Wünschen entsprach.
Anna richtete sich langsam auf; ihre Knie knackten dabei leise. Sie spürte, wie ihr das Blut aus dem Gesicht wich und in ihren Ohren zu pochen begann. Sie sah ihn an: wie er da im Sessel saß, selbstzufrieden, einer, der zum Haushalt gerade genug beitrug, damit Nudeln und Betriebskosten irgendwie bezahlt waren.
Ein Mann, der in all den Jahren nicht ein einziges Mal gefragt hatte, woher das Geld für die neue Pfanne gekommen war oder für den Installateur, der den tropfenden Wasserhahn repariert hatte.
— Ein Auto? — wiederholte sie. Ihre Stimme war leise, aber hart wie Stein. — Du brauchst ein Auto? Dann geh arbeiten und verdien dir das Geld dafür.
Florian wurde rot. Nicht auf einmal, sondern langsam, in Wellen. Die Röte stieg ihm ins Gesicht, kroch den Hals hinunter und machte seine Züge fleckig und verzerrt. Er war daran gewöhnt, dass sie schwieg. Dass sie schluckte. Dass sie zustimmte. Und jetzt kam von ihr eine Antwort, gerade und scharf wie ein Schuss.
— Wie redest du eigentlich mit mir? — Er beugte sich vor, der ganze Körper angespannt. — Ich bin dein Mann! Ich entscheide, was für unsere Familie wichtiger ist!
Da ist in Anna etwas gerissen. All die Bitterkeit, jede Demütigung, die Wut, die sich drei Jahre lang in ihr gesammelt hatte, brach auf einmal hervor. Mit einer schnellen Bewegung riss sie das beschmutzte Muster der „Arktischen Eiche“ vom Boden, trat zum Tisch und ließ es mit einem harten Knall auf die staubige Platte fahren.
