— Verschwinden Sie von hier! — hat meine Schwiegermutter in meinem eigenen Zuhause gebrüllt. Womit sie allerdings nicht gerechnet hat: Am Ende ist sie die Erste gewesen, die hinauskomplimentiert wurde.
Theresa hat gerade winzige Babystrampler zusammengelegt, als im Schloss plötzlich der Schlüssel geklirrt hat. Ihr Herz ist für einen Moment stehen geblieben. Florian war in der Arbeit, und der Ersatzschlüssel lag bei seiner Mutter — „nur für Notfälle“. Für Barbara allerdings war offenbar jeder ganz normale Wochentag ein Notfall.
— Thereserl! Wo steckst du?
Theresa ist ins Vorzimmer gekommen und hat ihren Pullover über dem schon deutlich gerundeten Bauch zurechtgezogen. Ihre Schwiegermutter stand da, beladen mit Sackerln aus dem Baumarkt, und schlüpfte bereits aus dem Mantel, als wäre sie daheim.
— Grüß Gott, Barbara.

— Was heißt da Grüß Gott, es ist ja schon fast Abend — knurrte sie, drängte sich ins Wohnzimmer und ließ den Blick durch die Wohnung wandern, als wäre sie zur Kontrolle erschienen. — Sitzst du schon wieder den ganzen Tag daheim herum? Zu meiner Zeit haben wir bis zum letzten Augenblick gearbeitet!
In drei Jahren Ehe hatte Theresa gelernt: Zustimmen war meist gescheiter als Widersprechen. Sie wohnten ja getrennt — was machte es da schon, was die Schwiegermutter dachte?
— Ich hab Farbe mitgebracht — verkündete Barbara und stellte die Dosen auf die Couch, als wären es kostbare Fundstücke. — Blau. Eine ordentliche Farbe, nicht dieses gelbe Irgendwas, das ihr euch eingebildet habt.
Theresa sah auf die Dosen. Zwei Wochen lang hatten sie und Florian über den Farbton fürs Kinderzimmer gesprochen, Muster verglichen, sich das Zimmer vorgestellt, davon geträumt.
— Aber wir haben doch schon ausgemalt …
— Na und? Dann wird eben noch einmal gestrichen — schnitt Barbara ihr das Wort ab und marschierte bereits Richtung Kinderzimmer. — Für einen Buben braucht es eine Bubenfarbe. Nicht so ein undefinierbares Zeug.
Im Kinderzimmer blieb sie stehen, verschränkte die Arme und musterte alles wie eine strenge Aufseherin.
— Furchtbar. Das Gitterbett darf doch nicht beim Fenster stehen! Und diese Vorhänge mit den Haserln … Soll das für ein Baby sein oder für was?
— Uns gefällt es so …
— Mir aber nicht. Und meinem Enkel wird es auch nicht gefallen. — Mit angewiderter Miene zupfte Barbara am Stoff. — Morgen machen wir das alles anders.
Theresa schwieg. Wie immer. Das Kind in ihrem Bauch stieß sie von innen an, fast so, als würde es gegen diese fremde Frau protestieren, die über sein Zimmer bestimmen wollte.
Florian ist erst spät heimgekommen. Theresa wartete in der Küche auf ihn; die Farbdosen standen dort aufgereiht wie Siegestrophäen.
— Deine Mutter war da?
— Sie hat Farbe gebracht. Sie will das Kinderzimmer neu streichen lassen.
Florian rieb sich über die Nasenwurzel — ein sicheres Zeichen dafür, dass jedes Gespräch über seine Mutter ihn nervös machte.
— Vielleicht ist Blau wirklich besser …
— Wir haben das Gelb doch gemeinsam ausgesucht.
