„Verschwinden Sie von hier!“ brüllte die Schwiegermutter in der eigenen Wohnung, und wurde schließlich selbst vor die Tür gesetzt

Ihre Einmischung fühlte sich verletzend und unverschämt an.
Geschichten

— Ja, eh, aber … — er wich ihrem Blick aus. — Sie meint es ja nur gut.

— Und was ist mit mir?

Die Frage blieb zwischen ihnen hängen. Florian machte den Kühlschrank auf und tat so, als müsste er dort dringend etwas finden.

Am nächsten Tag stand seine Mutter wieder vor der Tür — diesmal mit einem Maler. Ein schmaler, blasser Bub, der schon beim Eintreten so aussah, als würde er seinen Auftrag bereuen.

— Das ist Raphael. Der macht das ruckzuck — bestimmte Barbara, als wäre sie hier die Hausherrin. — Fangt gleich mit der Decke an!

— Barbara, könnten wir nicht noch warten? Florian hat das Zimmer ja noch gar nicht gesehen …

— Wozu ihn damit belasten? Männer verstehen von Einrichtung ohnehin nichts. — Während sie sprach, räumte sie bereits die Spielsachen aus dem Zimmer. — Das ist Frauensache.

Seltsam nur, dass alles sofort zur Männersache wurde, sobald es um das Geld für die Renovierung ging.

Theresa zog sich in die Küche zurück. Dort saß sie und hörte zu, wie fremde Leute ihr Zuhause veränderten, während ihre Hand immer wieder über den Bauch strich. Der kleine Bub darin bewegte sich unruhig.

— Dicker auftragen! Siehst du nicht, dass das Gelb noch durchscheint? — kommandierte Barbara aus dem Kinderzimmer.

Bis zum Abend war der Raum blau. Kühl. Fremd.

— Na? — Barbara betrachtete ihr Werk mit zufriedener Miene. — Jetzt sieht man wenigstens, dass hier ein richtiger Bub aufwachsen wird.

Theresa blieb in der Tür stehen und erkannte den Raum kaum wieder, den sie vor Kurzem noch mit so viel Liebe hergerichtet hatte.

Eine Woche später kam Barbara mit Vorhängen. Dunkelblaue, gestreifte Stoffbahnen.

— Die Haserl passen da nicht mehr hinein. Ein Bub braucht eine ernsthafte Umgebung.

Schon zog sie die alten Vorhänge herunter — jene, die Theresa und Florian an jenem glücklichen Tag gemeinsam gekauft hatten, als sie erfahren hatten, dass ein Baby unterwegs war.

— Aber die sind doch ganz neu …

— Neu heißt noch lange nicht richtig.

In Theresa riss etwas. Leise, aber endgültig.

— Hören Sie auf.

— Wie bitte?

— Legen Sie die Vorhänge hin. Sofort.

Barbara drehte sich langsam um, den Stoff noch in der Hand.

— Bist du jetzt völlig übergeschnappt?

— Das ist mein Zuhause. Und das ist mein Kinderzimmer.

Barbara starrte sie an, als hätte Theresa plötzlich in einer fremden Sprache gesprochen.

— Dein Zuhause? Das ist das Haus meines Sohnes!

— Ihr Sohn ist hier gemeldet. Die Wohnung gehört aber mir.

— Wie wagst du es, so mit mir zu reden?! — Barbara wurde kreidebleich, die Vorhänge glitten ihr aus den Händen. — Ich reiße mir für euch den Haxen aus und denke an mein Enkelkind!

— Nein. Sie denken nur an sich. Daran, wie Sie alles nach Ihrem eigenen Geschmack zurechtbiegen können.

Theresa ging zum Kasten.

Hedis Stube