Dort zog sie eine Mappe mit Unterlagen heraus. Ihre Finger haben dabei nicht gezittert; im Gegenteil, sie wirkten fast unheimlich ruhig.
— Verschwinde auf der Stelle! — kreischte Barbara. — Das ist das Haus meines Sohnes, ich habe jedes Recht…
— Nein. — Theresa legte den Vertrag auf die Kommode. — Hier sind die Dokumente. Die Wohnung habe ich vor der Ehe gekauft. Von meinem eigenen Geld.
Sie sprach leise, doch jeder Satz schnitt durch die Stille wie ein scharfes Messer.
— Deshalb gehen jetzt Sie. Und zwar sofort.
Barbara griff mit bebenden Händen nach den Papieren und überflog hastig die Zeilen. Ihr Gesicht wurde fahl, als wäre ihr mit einem Schlag alles Blut entwichen.
— Florian! — schrie sie plötzlich. — Florian, komm sofort her!
— Florian ist in der Arbeit. Und wenn er heimkommt, besprechen wir alles mit ihm.
— Du… du zerstörst diese Familie! Du hetzt meinen Sohn gegen seine eigene Mutter auf!
— Ich schütze meine Familie vor einem Menschen, der unser Zuhause drei Jahre lang behandelt hat, als wäre es sein Besitz.
Barbara lief zwischen den blau gestrichenen Wänden auf und ab, eingesperrt zwischen den Spuren ihrer eigenen „Fürsorge“.
— Florian wird mich niemals im Stich lassen! Ich bin seine Mutter!
— Und ich bin seine Frau. Und die Mutter seines Kindes. — Theresa trat ans Fenster. — Wir werden sehen, für wen er sich entscheidet.
— Für wen hältst du dich eigentlich?!
— Für niemand Besonderen. Ich habe nur endlich verstanden, dass Schweigen bei Ihnen als Zustimmung gilt.
Theresa wandte sich wieder zu ihr um.
— Drei Jahre lang habe ich mir eingeredet: Ich halte das aus, irgendwann wird sie sich schon daran gewöhnen. Aber Sie gewöhnen sich nicht. Sie nehmen ein.
— Ich habe es doch nur gut gemeint!
— Nein. Sie wollten Macht. Und Sie haben sie bekommen, solange ich nichts gesagt habe.
Eine Stunde später kam Florian nach Hause. Seine Mutter saß mit verweinten, geröteten Augen in der Küche, Theresa stand im Wohnzimmer, die Unterlagen fest in der Hand.
— Was ist denn hier los? — fragte er ratlos und schaute von der einen zur anderen.
— Deine Frau ist völlig übergeschnappt! — Barbara sprang auf. — Sie will mich hinauswerfen! Sie bedroht mich!
— Theresa?
— Ich habe erklärt, wem diese Wohnung gehört — sagte Theresa ruhig. — Und ich habe Grenzen gezogen.
— Was für Grenzen?
— Die einfachsten überhaupt. Nicht ohne Einladung hereinkommen. Nicht in einem fremden Zuhause herumkommandieren. Nicht das Kinderzimmer umbauen, ohne die Eltern zu fragen.
Florian schwieg. Sein Blick wanderte zwischen seiner Mutter und seiner Frau hin und her.
— Flori, sag doch etwas! — Barbara klammerte sich an ihn. — Ich bin schließlich deine Mutter! Ich habe ein Recht…
— Worauf? — Theresa reichte Florian den Vertrag. — Worauf haben Sie in meiner Wohnung ein Recht?
