„„Denn wie sich herausgestellt hat, bin ich nicht der Vater dieses Kindes“ — sagt ein Familienvater fassungslos, nachdem sein Sohn die Affäre beiläufig offenbart hat

Diese Wendung ist herzzerreißend und zutiefst empörend.
Geschichten

Mein Kopf hat sich dagegen gewehrt, aber irgendwann hat er das Offensichtliche nicht mehr wegschieben können: Sie hat mich betrogen. Das war kein ungutes Gefühl mehr, kein Verdacht, den man sich vielleicht nur einbildet. Das war Wirklichkeit.

Ich hab Anna angeschaut. Sie ist mit gesenktem Kopf dagestanden und hat irgendwas in den Händen zerknüllt — ein Geschirrtuch oder einen Topflappen, ich weiß es nimmer genau. Aber eines hab ich gesehen: Sie hatte Angst.

„Glaubst du wirklich, ich bin so ein Trottel, dass ich dir das einfach abkaufe?“, hab ich schließlich die Stille durchbrochen.

„Florian, ich erklär dir alles. Bitte schrei nicht, ich bitt dich“, hat sie unter Tränen hervorgebracht.

„Dann red.“

Und dann hat sie angefangen. Maximilian sei ein Nachbar ihrer Freundin Katharina gewesen. Einer, der öfter bei ihnen vorbeigeschaut hat. Laut Anna hat er sich für sie interessiert, und sie… sie habe „den Kopf verloren“ und sich auf eine Affäre eingelassen.

„Und Katharina? Ihr Mann? Die haben das doch mitbekommen!“, hab ich durch zusammengebissene Zähne gesagt und mich mit aller Kraft zurückgehalten.

„Na ja… sie waren schon da, aber sie haben sich nicht wirklich eingemischt“, hat Anna ausweichend gemurmelt.

„Wie oft?“, hab ich gefragt, obwohl ich im selben Moment nicht verstanden hab, warum ich mir das antue. Ein einziges Mal hätte schon gereicht.

„Florian, ehrlich… ich weiß es nicht mehr genau. Dort ist viel getrunken worden, ich bin das nicht gewohnt… Es tut mir leid…“

Die Tränen sind ihr übers Gesicht gelaufen. Ich hab sie angesehen und gespürt, wie in mir alles zusammenbricht, woran ich geglaubt hatte.

„Und warum weinst du jetzt eigentlich?“, ist es mir herausgerutscht. „Warum führst du dieses Theater auf? Du hast das alles kaputtgemacht. Wir haben auf dich gewartet, dir vertraut, und du… du schläfst in Podersdorf mit irgendeinem anderen, kommst schwanger zurück, und ich soll was machen? So tun, als wäre nichts passiert?“

„Ich wollte das nicht…“

„Du wolltest das nicht?!“, bin ich laut geworden.

Da ist bei mir endgültig etwas gerissen. Ich hab gebrüllt, so laut, dass es wahrscheinlich das ganze Haus gehört hat. Die Nachbarn sicher. Ich konnte nicht ruhig bleiben. Ich konnte nicht einfach schlucken, was für mich mehr gewesen ist als nur ein Fehltritt. Das war ein Schlag gegen unsere Familie, gegen jedes Vertrauen, gegen unseren Sohn, den ich allein versorgt hab, während sie weg war.

„Also du schläfst mit einem anderen, wirst schwanger, und du kannst nichts dafür?!“, hab ich geschrien. „Wer ist dann schuld? Ich etwa?“

Anna hat geschluchzt und sich das Gesicht mit den Händen verdeckt. Man hat ihr angesehen, dass es ihr schlecht ging. Vor mir stand eine schwangere Frau, und eigentlich sollte man sie in Ruhe lassen. Aber ich konnte nicht. Nicht nach dem.

Irgendwann hab ich es daheim nicht mehr ausgehalten und bin gegangen. Lukas hab ich gesagt, dass ich dringend in die Arbeit muss, hab ihm eine gute Nacht gewünscht und bin weg. Zu meiner Mutter wollte ich nicht — dafür hat alles viel zu wehgetan. Also hab ich Tobias angerufen. Vierzig Minuten später bin ich bei ihm in der Wohnung gesessen, hab eine Flasche Bier in der Hand gehalten und versucht zu begreifen, was gerade aus meinem Leben geworden ist.

„Florian, ganz ehrlich, ich hätt Anna so etwas nie zugetraut“, hat Tobias gesagt, nachdem ich ihm alles erzählt hatte. „Früher ist sie mir immer so… vorsichtig vorgekommen.“

„Mir auch“, hab ich bitter geantwortet. „Und jetzt trägt sie ein Kind von irgendeinem Typen aus Podersdorf unter dem Herzen. Ich wünschte, ich hätte es nie erfahren.“

„Gut, nehmen wir an, sie hat wirklich mit ihm geschlafen. Aber die Schwangerschaft… Was machst du jetzt?“

„Ich weiß es nicht, Tobias. Am liebsten würd ich alles hinschmeißen und gehen. Aber Lukas… Ich bin selbst ohne Vater aufgewachsen. Ich weiß, wie sich das anfühlt. Ich will nicht, dass es ihm genauso geht.“

Wir haben noch eine Weile geredet, dann haben wir uns hingelegt. In der Früh hab ich beschlossen, nach Hause zu fahren. Es musste ja irgendwie weitergehen, ob ich wollte oder nicht. Als ich in die Wohnung gekommen bin, hat Anna gerade unserem Sohn das Frühstück gegeben.

„Papa! Du bist wieder da?“, hat Lukas sich gefreut. „Ich hab gedacht, Mama bringt mich heute in die Schule.“

„Nein, mein Bub. Heute bring ich dich.“

Anna hat mir einen kurzen Blick zugeworfen, vorsichtig, fast prüfend.

„Willst du frühstücken?“, hat sie leise gefragt.

Ich hab nichts gesagt. Ich wusste einfach nicht, wie ich nach allem mit ihr reden sollte. So tun, als wäre nichts gewesen, konnte ich nicht. Und anders wollte ich in dem Moment auch nicht.

Während Lukas seine Sachen zusammengesucht hat, bin ich im Vorzimmer stehen geblieben und hab gewartet. Dann sind wir gemeinsam hinaus. Später am Tag hat mein Handy geläutet. Auf dem Display stand der Name meiner Schwiegermutter. Zuerst wollte ich nicht abheben, aber irgendwas hat mich doch dazu gebracht.

„Florian, wir müssen ernsthaft miteinander reden. Zieh jetzt bitte keine voreiligen Schlüsse. Anna hat mir alles erzählt, und ich finde, wegen so einer Dummheit darf man keine Familie zerstören. Komm heute Abend vorbei.“

Hedis Stube