„Dann wirst du heute am Balkon essen. Bei Barbara.“ warf Sebastian wütend das Handy auf den Tisch

Dieser Geiz ist feige, respektlos und erbärmlich.
Geschichten

— Katharina, und was sollen wir jetzt fressen? Mäuse?

Die Frage ist aus der dunklen Küche gekommen. Katharina hat die Schuhe abgestreift. Ihr linker Fuß hat nach der Schicht dumpf gepocht. Das gelbe Sackerl hat ihr die Finger nach unten gezogen.

— Hast du in den Eiskasten geschaut? — fragte sie.

— Hab ich. Drinnen sind Licht und ein halbes Glas Senf.

Sebastian ist in den Vorraum getreten. Die Jogginghose war an den Knien ausgeleiert, in der Hand hielt er sein Handy. Auf dem Display flackerte irgendein Spiel.

— Ich arbeite bis acht, Sebastian.

— Ich arbeite auch.

Katharina stellte das Sackerl auf die Kommode und löste die Henkel. Darin lagen ein Stück Käse, zehn Eier und eine Packung Topfen. Kein Fleisch. Keine fertigen Teigtascherl. Gar nichts „Richtiges“, wie er es nannte.

— Und wo ist normales Essen? — verzog ihr Mann das Gesicht.

— Im Geschäft.

Sie ging ins Bad und drehte das Wasser auf. Sebastian schlurfte ihr nach.

— Den Schmäh versteh ich nicht. Bist du meine Frau oder was?

— Ich bin deine Frau. Und du bist mein Mann.

— Na also, dann gib deinem Mann was zu essen.

Katharina trocknete sich die Hände am Handtuch ab und sah ihn im Spiegel an.

— Gestern war der Zehnte. Zahltag.

Sebastian schaute weg.

— Und?

— Wo sind deine 850 Euro?

Eine schwere Pause senkte sich zwischen sie. Man hörte nur, wie der Wasserhahn tropfte.

— Ich hab’s meiner Mutter überwiesen, — murmelte Sebastian. — Sie muss den Balkon verglasen lassen.

Katharina drehte sich zu ihm um.

— Die ganzen 850?

— Die Handwerker wollten eine Anzahlung.

Sie nickte nur, ging aus dem Bad und weiter in die Küche.

— Dann wirst du heute am Balkon essen. Bei Barbara.

Sebastians Gesicht bekam rote Flecken. Er warf das Handy auf den Tisch.

— Katharina, meinst du das jetzt ernst? Wegen einem Stück Wurst machst du so ein Theater?

— Ich mache kein Theater. Ich stelle nur fest, was Sache ist.

Katharina nahm die Eier aus dem Sackerl, schaltete den Herd ein und stellte eine Pfanne drauf.

— Mein Gehalt geht für den Wohnkredit drauf. Und für Strom, Heizung und Betriebskosten.

— Wir sind eine Familie! — wurde Sebastian lauter.

— Eine Familie legt auch fürs Essen zusammen. Du hast für den Balkon deiner Mutter zusammengelegt.

Sebastian verschränkte die Arme vor der Brust.

— Sie hat nur eine mickrige Pension. Ich bin ihr einziger Sohn.

— Wunderbar. Und ich bin die einzige Tochter meiner Eltern.

Sie schlug drei Eier in die Pfanne. Das Öl zischte.

— Trotzdem verglase ich ihnen keinen Balkon. Wir sparen für das Bad.

— Das Bad kann warten. Bei meiner Mutter zieht’s rein.

— Dann soll deine Mutter dich auch füttern.

Katharina schob die Eierspeise auf einen Teller, setzte sich an den Tisch und nahm die Gabel. Sebastian stand über ihr und starrte sie an.

— Du frisst jetzt wirklich allein?

— Ja.

— In dir ist echt nichts Heiliges, Katharina.

Er drehte sich um, ging ins Zimmer und knallte die Tür zu. Katharina aß schweigend fertig. Danach wusch sie den Teller ab. Wut war keine mehr in ihr. Nur eine dumpfe, klebrige Müdigkeit.

Der Morgen begann ohne ein Wort. Sebastian machte sich betont stumm fertig, ließ die Schlüssel scheppern und schlug die Türen vom Kasten zu. Katharina trank Kaffee. Im Spülbecken lag sein schmutziges Häferl. Auf dem Tisch waren Brotbrösel verstreut. Er hatte den halben Wecken trocken hinuntergewürgt.

— Am Abend fahr ich zu meiner Mutter, — warf er ihr von der Tür aus hin. — Dort esse ich wenigstens wie ein Mensch.

— Richt Barbara schöne Grüße aus.

Die Tür fiel ins Schloss. Katharina trank ihren Kaffee aus und machte sich für die Arbeit fertig. Draußen war Ende Jänner, Anfang 2026. Der Wohnkredit würde noch neun Jahre an ihr hängen. Die Rate betrug 430 Euro im Monat. Zahlen tat Katharina. Die Wohnung war in der Ehe gekauft worden, auf dem Papier gehörte sie beiden. In Wirklichkeit schleppte nur sie diese Last.

Am Abend kam Katharina spät heim. Im Vorraum standen Sebastians Schuhe. In der Küche brannte Licht. Es roch nach gebratenen Zwiebeln und billiger Wurst.

Am Tisch saß Barbara.

— Grüß Gott, Katharina, — sagte die Schwiegermutter.

Die Stimme war honigsüß. Die Augen dagegen stachelig.

— Guten Abend. Was verschafft mir die Ehre?

— Ich bin halt hergekommen, um nach meinem Sohn zu schauen. Nach meinem hungrigen Sohn.

Barbara nickte zum Herd. Dort stand ein riesiger Topf. Unter dem Deckel quollen zusammengeklebte Nudeln hervor. Daneben lagen die Häute von roten Würsteln.

— Sehr aufmerksam von Ihnen.

Katharina zog den Mantel aus, ging zum Waschbecken und wusch sich die Hände.

— Sebastian hat mir erzählt, du weigerst dich, ihn zu bekochen.

— Hat Sebastian Ihnen auch alles erzählt?

Barbara presste die Lippen zusammen.

— Die Wahrheit ist, dass eine Ehefrau ihrem Mann etwas Warmes hinstellen muss.

— Und ein Ehemann muss Geld nach Hause bringen.

— Er hat seiner Mutter geholfen! — Barbaras Stimme bebte. — Mein Balkon ist morsch.

Katharina nahm das Handtuch.

— Kostet Ihr Balkon 850 Euro?

— Arbeit ist heutzutage teuer.

Hedis Stube