„Kannst du mir das überweisen? So viel hab ich grad nicht auf der Karte.“ schrieb Florian, nachdem er sie zum Familienessen nicht eingeladen hatte

Diese heimliche Ausgrenzung fühlt sich unverschämt verletzend an.
Geschichten

Die Hausherrin

Um zehn Uhr am Abend hat mir Florian ein Foto von der vorläufigen Rechnung aus einem Restaurant geschickt. Ganz unten stand der Betrag: rund 320 Euro. Gleich danach kam seine Nachricht: „Kannst du mir das überweisen? So viel hab ich grad nicht auf der Karte.“

Das Absurde daran war: Ich bin in diesem Lokal nicht einmal dabei gewesen.

Dort gesessen sind Florian, seine Mutter Theresa, seine beiden Schwestern Katharina und Magdalena – jeweils mit ihren Männern. Mich hatte niemand eingeladen, obwohl ich schon in der Früh erfahren habe, dass am Abend ein Familienessen geplant war.

Nach der Einladung habe ich schließlich selbst gefragt.

Florian war gerade auf dem Sprung in die Arbeit und wollte nebenbei wissen, ob ich am Abend das Auto brauchen würde. Ich meinte, ich komme schon irgendwie zurecht, und fragte dann, wohin er denn fahren müsse.

„Mama wollte schon länger, dass wir alle wieder einmal zusammenkommen. Heute um sieben sitzen wir im Restaurant“, sagte Florian und schaute dabei aus irgendeinem Grund sofort weg.

Zuerst habe ich gedacht, es sei eh selbstverständlich, dass ich mitgemeint bin. Also fragte ich nach der Adresse und sagte, dass ich es nach der Arbeit rechtzeitig schaffen müsste.

Da erklärte er es mir erst:

„Anna, bitte sei jetzt nicht beleidigt. Katharina und Magdalena wollten einfach im engsten Familienkreis zusammensitzen. Mama, wir Geschwister … ein bissl über früher reden, Erinnerungen austauschen.“

Das hätte ich sogar noch verstehen können, wenn wirklich nur Theresa und ihre drei erwachsenen Kinder beisammengesessen wären. Manchmal wollen Angehörige ja tatsächlich wieder einmal in ihrer alten Runde sein.

Darum fragte ich ruhig:

„Die Männer von Katharina und Magdalena kommen also auch nicht?“

Florian schwieg einen Moment. Dann sagte er:

„Doch, die kommen schon.“

Ab da klang die Erklärung vom „eigenen Kreis“ plötzlich ganz anders.

Wir waren seit acht Jahren verheiratet. Die Männer seiner Schwestern kannte ich ungefähr genauso lange, wie sie mich kannten. Wir haben gemeinsam Geburtstage gefeiert, sind zu Theresa aufs Wochenendhaus gefahren und haben uns bei Familienfeiern gesehen. Dass nun auf einmal zwischen Verwandten und Fremden unterschieden wurde, hat mich daher ziemlich unerwartet getroffen.

„Das heißt, von allen Ehepartnern bin nur ich überflüssig?“

„Niemand hält dich für überflüssig. Katharina hat diesen Kreis vorgeschlagen, und ich wollte deswegen keinen Streit anfangen.“

Ich habe ihn nicht aufgehalten. Wenn jemand bereits beschlossen hat zu gehen, bringt es nichts, sich vor die Tür zu stellen und zu verlangen, dass er daheimbleibt.

Nur gab es da noch etwas, woran Florian in diesem Moment offenbar nicht denken wollte.

In den letzten drei Jahren habe nämlich meistens ich gezahlt.

Angefangen hat alles ganz ohne Absprache. Vor drei Jahren saßen wir nach Theresas Geburtstag mit einer größeren Runde in einem Restaurant. Als die vorläufige Rechnung gebracht wurde, war auf Florians Hauptkarte nicht genug Geld, also sagte ich, ich würde es von meiner Karte begleichen.

Am nächsten Tag hat Katharina ihren Anteil überwiesen. Magdalena hat das Geld ebenfalls geschickt, wenn auch erst ein paar Tage später. Damals war alles noch völlig in Ordnung.

Danach hat es wieder so ein gemeinsames Treffen gegeben.

Hedis Stube