„Gib mir deine Bankomatkarte“ — forderte Florian, während Theresa fassungslos ihr Kaffeehäferl abstellte

Diese dreiste Forderung ist ungerecht und verletzend.
Geschichten

Auf ihrem Gesicht lag dieser vertraute, selbstzufriedene Ausdruck.

Und auf einmal ist mir alles klar geworden.

Dieses Gespräch war nicht Florians Einfall gewesen.

Zumindest nicht nur seiner.

— Theresa, sagte Elisabeth, mach daraus jetzt bitte kein Drama. Florian versucht doch nur, ein bisserl Ordnung in eure Haushaltsführung zu bringen.

Langsam habe ich den Kopf zu ihr gedreht.

— Seit wann gehen Sie meine Finanzen etwas an?

Ihre Lippen wurden schmal.

— Wenn eine Frau verheiratet ist, kann sie nicht so tun, als würde ihr Geld nur ihr allein gehören.

— Elisabeth …

— In einer Ehe, fuhr sie fort, trifft im Normalfall der Mann die wesentlichen Entscheidungen.

Ich habe zu Florian hinübergeschaut.

Diesmal ist er meinem Blick ausgewichen.

Und in diesem Moment hat sich alles zusammengefügt.

Elisabeth ist seit Wochen beinahe täglich bei uns ein und aus gegangen.

Sie hat mit Florian Kaffee getrunken.

Und sie hat ihm immer wieder erklärt, dass „moderne Frauen viel zu schnell vergessen, wo ihr Platz ist“.

Ich hatte diese Bemerkungen nie wirklich ernst genommen.

Dabei hätte ich es tun sollen.

— Gut, sagte ich.

Florian hob sofort den Kopf.

— Gut?

Ich griff nach meiner Handtasche.

Dann nahm ich meine Geldbörse heraus.

Aus einem Fach zog ich meine Bankomatkarte.

In Florians Augen blitzte Erleichterung auf.

— Na endlich.

Ich legte die Karte auf den Küchentisch.

Doch bevor er danach greifen konnte, drückte ich sie mit zwei Fingern fest.

— Du willst also über alles bestimmen?

— Irgendwer muss es ja tun.

— Wunderbar.

Ich lächelte ihn an.

— Dann fängst du am besten damit an, ab jetzt alles zu bezahlen.

Seine Stirn legte sich in Falten.

— Was?

Ich nahm mein Handy, entsperrte es und öffnete die Banking-App.

— Die Kreditrate für die Wohnung beträgt monatlich 1.460 Euro. Davon übernehme ich 900.

Sein Lächeln war augenblicklich verschwunden.

— Strom, Internet, Versicherungen: ungefähr 430 Euro. Davon zahle ich fast 300.

Elisabeth verschränkte die Arme vor der Brust.

— Das ist doch kein Wettbewerb.

— Ich bin noch nicht fertig.

Ich fuhr ruhig fort.

— Lebensmittel: rund 650 Euro im Monat. An der Kassa wird meistens meine Karte hingehalten.

Dann sah ich Florian direkt an.

— Und unser Urlaub, den wir für Oktober gebucht haben? Die Anzahlung von 2.400 Euro? Die ist von meinem Konto weggegangen.

Er sagte nichts.

— Die Reparatur deines Autos im Februar? 1.700 Euro. Ebenfalls von meinem Konto.

— Ich habe gesagt, dass ich dir das zurückgebe.

— Du hast es nie zurückgegeben.

Elisabeth fiel mir ins Wort.

— Ihr seid verheiratet! In einer Familie rechnet man einander doch nicht jeden Euro vor!

Ich wandte mich zu ihr.

— Genau das habe ich auch geglaubt. Bis Ihr Sohn von mir meine Bankomatkarte verlangt hat, damit er mein Gehalt kontrollieren kann.

Elisabeths Gesicht lief rot an.

Florian schlug mit der Faust auf den Tisch.

— Jetzt reicht’s!

Ich sah ihn ganz ruhig an.

— Nein. Jetzt fängt es erst richtig an.

Ich nahm meine Karte wieder an mich.

— Da du ja für sämtliche Geldangelegenheiten zuständig sein willst, zahlen wir ab nächsten Monat alles ganz exakt halbe-halbe.

— Theresa …

Hedis Stube