„Gib mir deine Bankomatkarte“ — forderte Florian, während Theresa fassungslos ihr Kaffeehäferl abstellte

Diese dreiste Forderung ist ungerecht und verletzend.
Geschichten

— Dann helfen Sie Ihrem Sohn dabei, seinen Anteil an den Rechnungen zu zahlen.

Daraufhin ist sie schlagartig verstummt.

Ich bin aus der Küche gegangen. Florian ist mir bis ins Vorzimmer nach.

— Wohin willst du jetzt?

— Zur Bank.

— Wozu?

Ich habe mich zu ihm umgedreht.

— Damit ich unsere gemeinsamen Abbuchungen neu regle.

In seinem Gesicht ist auf einmal jede Farbe verschwunden.

— Theresa, bitte, warte kurz.

— Ab heute zahlt jeder exakt seinen eigenen Anteil. Und niemand, wirklich niemand, bekommt noch einmal Zugriff auf mein Konto.

— Du ruinierst unsere Ehe wegen Geld?

Bei diesem Satz hätte ich beinahe laut aufgelacht.

— Nein, Florian. Ich begreife nur gerade zum ersten Mal, was unsere Ehe für dich tatsächlich bedeutet hat, sobald dein eigenes Geld knapp geworden ist.

Dann bin ich gegangen.

Noch am selben Abend habe ich bei einer anderen Bank ein neues Konto eröffnet und mein Gehalt dorthin umleiten lassen.

Außerdem habe ich sämtliche Passwörter geändert, bei denen auch nur die geringste Möglichkeit bestanden hat, dass Florian sie kannte oder irgendwo gespeichert hatte.

Danach habe ich mich hingesetzt und jede einzelne gemeinsame Ausgabe sauber aufgelistet.

Sein Anteil ist auf 1380 Euro im Monat gekommen.

Als ich ihm die Summe gezeigt habe, hat er fast eine volle Minute lang kein Wort herausgebracht.

— So viel kann ich nicht zahlen.

— Ich zahle das seit Jahren.

— Aber dann bleibt mir am Monatsende ja fast nichts mehr übrig.

— Mir ist auch nicht viel geblieben, als ich mehr übernommen habe, damit du angeblich „sparen“ kannst.

Er hat den Blick gesenkt.

Drei Tage später hat Elisabeth angerufen.

Eine Entschuldigung ist nicht gekommen.

Stattdessen hat sie mir vorgeworfen, ich hätte ihren Sohn gedemütigt.

Ich habe ihr nur einen einzigen Satz gesagt:

— Wenn er allein Entscheidungen treffen will, muss er auch allein mit den Folgen dieser Entscheidungen leben.

Dann habe ich aufgelegt.

Aber damit war die Sache noch nicht vorbei.

Zwei Wochen später ist eine Mitteilung unserer gemeinsamen Bank gekommen.

Eine Überweisung über 3500 Euro war abgelehnt worden.

Die Empfängerin?

Elisabeth.

Diesmal habe ich nicht mehr um eine Erklärung gebeten.

Ich habe den Kontoauszug ausgedruckt.

Als Florian von der Arbeit heimgekommen ist, lag das Blatt bereits auf dem Küchentisch.

Genau an jener Stelle, an der er ein paar Wochen zuvor die Hand ausgestreckt und meine Bankkarte verlangt hatte.

Er hat zuerst auf das Papier geschaut.

Dann auf mich.

— Theresa, ich kann das erklären.

— Ich weiß.

Neben den Kontoauszug hatte ich ein kleines Kuvert gelegt.

Darin befand sich die Bankkarte unseres gemeinsamen Kontos.

In zwei Teile zerschnitten.

— Was soll das heißen?

Ich habe meinen Mantel genommen.

— Es heißt, dass du genau das bekommen hast, was du wolltest.

— Wovon redest du?

Ich habe ihn ein letztes Mal angesehen.

— Du wolltest allein entscheiden.

Dann habe ich die Wohnungstür geöffnet.

— Ab jetzt kannst du allein entscheiden, was du mit deinem Geld machst, mit deiner Mutter … und mit deinem Leben.

Zum ersten Mal seit Beginn dieser ganzen Geschichte hat Florian keine Antwort mehr gefunden.

Und ich habe zum ersten Mal seit langer Zeit gespürt, dass ich seine Erlaubnis nicht brauche, um zu bestimmen, wie mein eigenes Leben weitergeht.

Hedis Stube