„Mama …“
„Was ist?“
„Es war nicht nur dieses eine Mal.“
Jetzt habe auch ich ihn angestarrt.
„Wie meinst du das?“
Markus schwieg einen Moment.
Theresa hingegen sah plötzlich aus, als würde sie am liebsten auf der Stelle im Boden versinken.
„Ich unterstütze sie seit ein paar Monaten finanziell.“
„Seit wie vielen Monaten?“
„Markus“, fiel Theresa ihm hastig ins Wort, „du musst ihr nicht alles erzählen.“
Dieser Satz war ein Fehler.
Ein gewaltiger Fehler.
Markus drehte sich langsam zu seiner Mutter und sah sie fest an.
„Sie ist meine Frau.“
„Aber das betrifft nur dich und mich.“
„Nicht, wenn das Geld von unserem gemeinsamen Konto weggeht.“
Theresa verstummte.
Es war nicht der Umstand, dass Markus seiner Mutter geholfen hatte, der mir zusetzte. Darum ging es überhaupt nicht.
Was mich traf, war die Tatsache, dass mir eine Frau gegenübersaß, die regelmäßig Geld von ihrem Sohn bekam – und mir gleichzeitig vorwarf, ich würde sein Geld verschwenden.
„Wie viel?“, fragte ich ruhig.
Markus zögerte kurz.
„Meistens irgendwas zwischen dreihundert und fünfhundert Euro.“
„Jeden Monat?“
Er nickte.
Anna hätte beinahe ihre Gabel fallen lassen.
„Mama bekommt von dir jeden Monat fünfhundert Euro?“
„Nicht jeden Monat!“, wehrte Theresa sofort ab.
Markus sah sie an.
„Aber oft genug.“
Florian sagte kein einziges Wort.
In meinem Kopf begann ich bereits zu rechnen.
„Seit wann läuft das?“
„Seit ungefähr acht Monaten.“
Ich starrte Markus an.
Dann wanderte mein Blick zu Theresa.
Und auf einmal hatte diese ganze Situation etwas beinahe Absurdes.
„Gut“, sagte ich langsam. „Nur damit ich sicher bin, dass ich das richtig verstanden habe.“
Theresa presste die Lippen zusammen.
„Katharina …“
„Nein. Wirklich. Ich möchte es verstehen. Ich gebe 186 Euro von meinem eigenen Gehalt für Kleidung aus, und deswegen bin ich eine verschwenderische Frau, die deinen Sohn irgendwann mittellos zurücklassen wird.“
Ich deutete auf Markus.
„Aber er überweist dir regelmäßig dreihundert bis fünfhundert Euro, und das soll keine Rolle spielen?“
„Ich bin seine Mutter.“
„Und dadurch hört Geld plötzlich auf, Geld zu sein?“
„Du kennst meine Lage nicht.“
„Da hast du recht. Ich kenne sie nicht. Weil du sie nie erklärt hast.“
„Ich bin dir keine Rechenschaft über meine finanziellen Schwierigkeiten schuldig.“
„Dann hast du genauso wenig das Recht, mich wegen meiner Einkäufe wie bei einem Verhör auszufragen.“
Theresa öffnete den Mund.
Doch es kam kein Wort heraus.
Anna sah ihre Mutter an.
„Wofür brauchst du so viel Geld?“
„Ich habe eben Ausgaben.“
„Die haben wir alle.“
„Meine Pension reicht nicht für alles.“
„Wofür genau reicht sie nicht?“, fragte Markus.
Theresa blickte ihn überrascht an.
„Das weißt du doch ganz genau …“
„Ich weiß nur das, was du mir erzählst, wenn du anrufst.“
„Na also …“
„Aber ich habe dich nie gebeten, mir deine Ausgaben zu zeigen.“
Theresa versteifte sich.
„Muss ich mich jetzt vor meinem eigenen Sohn für jeden Cent rechtfertigen?“
Ich konnte nicht anders.
„Interessant.“
Alle Blicke richteten sich auf mich.
„Was?“, fragte Theresa scharf.
„Ich finde es nur interessant, wie empört dich allein die Vorstellung macht, deine eigenen Ausgaben erklären zu müssen, während du noch immer meinen Kassazettel in der Hand hältst.“
Anna schlug sich die Hand vor den Mund.
Diesmal gelang es ihr nicht mehr, ihr Lächeln zu verbergen.
Theresa legte den Kassazettel sofort auf den Tisch.
„Das ist etwas völlig anderes.“
„Natürlich. Ich gebe mein eigenes Geld aus, und du bekommst einen Teil von Markus’ Geld.“
„Ich gebe sein Geld nicht aus! Er hilft mir.“
„Gut. Dann hör bitte auf zu behaupten, ich wäre diejenige, die ihn ruiniert.“
Theresa wandte sich an Markus.
„Hörst du, wie sie mit mir redet?“
Markus sah seine Mutter einige Sekunden lang nur an.
„Ja.“
„Und du willst dazu nichts sagen?“
„Doch.“
Für einen flüchtigen Moment huschte Erleichterung über Theresas Gesicht.
Aber wirklich nur für einen Moment.
„Ich will sagen, dass Katharina recht hat.“
Theresas Gesicht wurde hart.
„Was?“
„Du kannst nicht mein Geld annehmen und dann hierherkommen und ihr vorwerfen, sie würde es ausgeben.“
„Ich bin deine Mutter!“
„Und sie ist meine Frau.“
„Ich habe dich großgezogen.“
„Und dafür bin ich dir dankbar.“
Markus sprach so ruhig, dass jedes einzelne seiner Worte noch schwerer wog.
