„Lukas liebt dich nicht mehr.“ – die Geliebte sagt es höhnisch vor der ganzen Familie, Anna bleibt wie angewurzelt

So eine schamlose Demütigung ist zutiefst abscheulich.
Geschichten

Diese Mitteilung hat Theresa von einem Augenblick auf den anderen verändert.

Seit Jahren hatte sie sich nach einem Enkelkind gesehnt, und Anna hatte ihr diesen Wunsch nie erfüllen können. Als Sophie am nächsten Morgen wieder auftauchte und mit gesenktem Blick Reue spielte, sah Lukas’ Mutter sie bereits mit völlig anderen Augen an.

„Ich habe einen schrecklichen Fehler gemacht“, sagte Sophie und legte sich dabei demonstrativ die Hand auf den Bauch. „Diese Hormone machen mich so empfindlich, ich erkenne mich selbst kaum wieder.“

Josef glaubte ihr kein einziges Wort.

„Wo sind die ärztlichen Befunde?“

„Die habe ich daheim vergessen“, antwortete sie zu schnell.

Anna saß still beim Frühstück. Sie hatte genug gehört. Langsam hob sie den Blick und sah Lukas direkt an.

„Ich stimme der Scheidung zu.“

Er lachte kurz auf, hart und bitter.

„Ausgezeichnet. Aber komm mir später nicht weinend angekrochen, wenn du draufkommst, dass dir gar nichts gehört.“

Anna blieb ruhig.

„Dann wird das nicht mehr dein Problem sein.“

Ohne ein weiteres Wort ging sie hinauf, holte einen Koffer hervor und begann zu packen. In diesem Moment fasste sie den Entschluss, sich jenes Leben zurückzuholen, das sie für diese Ehe aufgegeben hatte.

Josef fand sie kurz darauf in ihrem Zimmer, wie sie alte Pinsel, Farbtuben und Skizzenbücher sorgfältig einpackte.

„Was hast du vor, Anna?“

„Ich fange wieder an zu malen“, sagte sie leise, aber bestimmt. „Und ich möchte ein eigenes Atelier eröffnen.“

Josef zog eine Bankomatkarte aus seiner Brieftasche und legte sie auf den Tisch.

„Sieh es als Darlehen. Fang neu an.“

Anna wollte sofort widersprechen.

„Nein, Josef, das kann ich nicht annehmen.“

„Doch“, unterbrach er sie ruhig. „Du zahlst es mir zurück, wenn du kannst. Und auch wenn du bald offiziell nicht mehr meine Schwiegertochter bist – für mich bleibst du ein Teil dieser Familie.“

Ein paar Tage danach fand Anna ein kleines Geschäftslokal in der Nähe von Innsbruck. Rundherum gab es Schulen, kleine Cafés und viele Familien mit Kindern. Der Raum war schlicht, aber hell. Sie strich die Wände, besorgte Staffeleien, kleine Tische, Farben und Papier und begann, Malkurse für Kinder anzubieten.

Während Anna Stück für Stück ihre Zukunft neu aufbaute, bereitete Lukas etwas weit Finstereres vor.

Er verschob Geldanlagen auf den Namen eines Freundes und ließ gefälschte Schuldscheine über enorme Summen erstellen. Alles sollte so aussehen, als hätte er während der Ehe hohe Verbindlichkeiten aufgenommen, für die Anna zur Hälfte mitverantwortlich gemacht werden könnte.

„Wenn sie erfährt, dass sie plötzlich Hunderttausende Euro Schulden am Hals hat, kommt sie auf Knien zurück“, sagte er zu Sophie.

Sophie lächelte nur.

Doch auch sie hütete ein Geheimnis.

Sie war nie schwanger gewesen.

Ihr Plan war simpel und grausam zugleich: Über eine Bekannte wollte sie gefälschte medizinische Unterlagen beschaffen und nach der Hochzeit tatsächlich schwanger werden. Dann hätte niemand mehr nachgefragt.

Was jedoch keiner von beiden ahnte: Josef hatte längst eine umfassende Prüfung veranlasst.

An einem Nachmittag trat sein Assistent mit einer dicken Mappe in sein Büro.

„Herr Josef, wir haben die Geldbewegungen von Lukas nachvollzogen.“

„Und die Schwangerschaft?“

Der Mann legte mehrere Unterlagen auf den Schreibtisch.

„Auch dazu wissen wir jetzt die Wahrheit.“

Josef schlug die erste Seite auf. Während er las, veränderte sich sein Gesichtsausdruck.

„Sag Anna noch nichts.“

Er klappte die Mappe zu.

„Ich will, dass die beiden ihre Grube selbst fertig ausheben.“

Denn der Inhalt dieser Unterlagen konnte nicht nur Sophies Lügengespinst zum Einsturz bringen. Er konnte Lukas sein Unternehmen, sein Vermögen und sogar den letzten Rückhalt in seiner eigenen Familie kosten.

Drei Wochen später war Anna gerade dabei, die ersten Bilder in ihrem neuen Atelier aufzuhängen, als Lukas plötzlich in der Tür stand.

Er ließ den Blick über die Staffeleien, die kleinen Kindertische und die hell gestrichenen Wände wandern.

„Du glaubst wirklich, dass du davon leben kannst?“

Anna hängte das Bild weiter gerade.

„Dir auch einen schönen guten Morgen.“

„Komm nach Hause.“

Langsam drehte sie sich zu ihm um.

„Wie bitte?“

Lukas seufzte, als würde er ihr gerade ein großzügiges Angebot machen.

„Ich habe nachgedacht. Sophie geht mir inzwischen nur noch auf die Nerven. Wir können so tun, als wäre nichts passiert. Du kommst zurück, und alles wird wieder wie früher.“

Anna sah ihn mehrere Sekunden lang schweigend an.

„Du hast deine Geliebte zu einem Familienessen mitgebracht, hast zugelassen, dass sie mir vor allen ins Gesicht schlägt, und jetzt stehst du hier und erklärst mir, du wärst bereit, alles zu vergessen?“

Seine Stirn legte sich in Falten.

„Ich versuche, die Sache wieder in Ordnung zu bringen.“

„Nein“, sagte Anna. „Du versuchst nur, dir den Komfort zurückzuholen, den du verloren hast.“

Diese Worte trafen ihn sichtbar.

Lukas’ Stimme wurde kälter.

„Gut. Dann sehen wir uns eben bei der Scheidung. Aber eines solltest du wissen: Ich habe Schulden von mehr als 600.000 Euro. Wenn sie während unserer Ehe entstanden sind, kann die Hälfte davon bei dir landen.“

Zum ersten Mal spürte Anna echte Angst. Doch sie ließ sich nichts anmerken.

„Mein Anwalt wird jede einzelne Überweisung prüfen.“

Lukas ging mit dem Gefühl, sie eingeschüchtert zu haben.

Eine Viertelstunde später klingelte ihr Handy. Josef war dran.

„Sag mir ganz genau, was er dir erzählt hat.“

Anna runzelte die Stirn.

„Woher wissen Sie, dass er hier war?“

„Weil mein Sohn genauso berechenbar ist, wie er verantwortungslos ist.“

Anna berichtete ihm von den angeblichen Schulden.

Am anderen Ende blieb es kurz still.

„Sie sind gefälscht.“

„Was?“

„Ich habe Kopien der Überweisungen, die dazugehörigen Daten, Nachrichten und auch die Dokumente, die er manipuliert hat. Außerdem weiß ich, wohin er die Vermögenswerte verschoben hat, die er vor dir verstecken wollte.“

Anna musste sich setzen.

„Warum machen Sie das alles für mich?“

Josefs Stimme wurde weich, aber fest.

„Weil du nichts getan hast, um so behandelt zu werden. Und weil ich genauso schuldig wäre wie er, wenn ich meinen Sohn nur deshalb schützen würde, weil er meinen Namen trägt.“

Während Anna weiter an ihrem neuen Leben arbeitete, begann auch die zweite Lüge Risse zu bekommen.

Theresa besuchte Sophie unangekündigt in deren Wohnung. Als Sophie die Tür öffnete, roch es nach Rauch. Im Wohnzimmer lag eine noch glimmende Zigarette im Aschenbecher.

„Die gehört einer Freundin“, sagte Sophie hastig.

Theresa sagte nichts, doch ihr Blick blieb an der Zigarette hängen.

Wenig später stolperte Sophie über einen Stuhl und stieß mit dem Bauch hart gegen die Tischkante. Theresa schrie erschrocken auf.

„Um Himmels willen!“

Sophie verzog kaum das Gesicht.

„Es ist nichts.“

Genau diese Reaktion machte Lukas’ Mutter endgültig misstrauisch.

Sie verließ kurz darauf die Wohnung und rief einen Arzt an, dem die Familie seit Jahren vertraute. Nach mehreren rechtlich einwandfreien Überprüfungen jener medizinischen Unterlagen, die Sophie vorgelegt hatte, stand fest: Keines dieser Dokumente gehörte zu ihr.

Es gab keine Schwangerschaft.

Theresa kam außer sich vor Zorn nach Hause. Lukas war gerade erst durch die Tür gekommen, als seine Mutter ihm eine schallende Ohrfeige verpasste.

„Mama!“

„Diese Frau war nie schwanger!“

Hedis Stube