Ich blieb still.
Meine Hände ruhten unbewegt in meinem Schoß.
Eigenartig war nur: Ich verspürte weder den Wunsch, laut zu werden, noch hatte ich Angst.
Da war bloß diese schwere, bittere Enttäuschung.
Denn an diesem Tisch war kein einziges Mal jemand auf die Idee gekommen, mich zu fragen, ob ich damit überhaupt einverstanden war.
Florian setzte schließlich noch eines drauf.
„Ich schick dir morgen die Bankdaten. Dann können wir gleich den Dauerauftrag einrichten.“
In diesem Moment musste ich lächeln.
Florian sah es sofort.
„Was ist daran bitte lustig?“
„Gar nichts.“
„Das ist ernst gemeint.“
„Das ist mir schon klar.“
Theresa zog misstrauisch die Augen zusammen und musterte mich.
„Und warum grinst du dann so?“
Ich schaute ihr ruhig ins Gesicht.
„Weil ich heute in der Früh schon etwas erledigt habe.“
Florian wurde augenblicklich starr.
„Was soll das heißen? Was hast du gemacht?“
Ich hob mein Wasserglas und trank einen kleinen Schluck.
„Das wirst du früh genug erfahren.“
Danach war der Abend endgültig gelaufen.
Das Gespräch versandete. Niemand brachte mehr als ein paar knappe Sätze heraus.
Und keiner von ihnen hatte auch nur die leiseste Ahnung, dass ich bereits an diesem Morgen eine Entscheidung getroffen hatte, die ihren ganzen Plan über den Haufen werfen würde.
Angefangen hatte alles vier Tage davor.
Ich bin an diesem Abend später heimgekommen als sonst. Kaum hatte ich die Wohnung betreten, hörte ich Stimmen aus der Küche.
Florian war dort. Und seine Mutter auch.
Sie rechneten offenbar nicht damit, dass ich schon da war.
Also blieb ich im Vorzimmer stehen.
„So kann das nicht weitergehen“, sagte Theresa mit gedämpfter, aber scharfer Stimme.
„Ich weiß, Mama.“
„Deine Frau verdient ordentlich. Warum kommt davon so wenig bei uns an?“
„Wir haben selber genug Ausgaben.“
„Ach bitte. Ihr kommt schon zurecht.“
„So einfach ist es nicht.“
Für einen Moment war es still.
Dann sagte Theresa einen Satz, der sich mir eingebrannt hat.
„Ich will, dass ihr Geld zu mir fließt.“
Mir zog sich der Brustkorb zusammen, und mein Puls wurde schneller.
„Wenn du sie nicht dazu bringst, behält sie irgendwann alles für sich allein.“
Florian sagte nichts.
„Du bist ihr Mann“, fuhr Theresa fort. „Du musst ihr endlich begreiflich machen, wer in dieser Familie das Sagen hat.“
Dann hörte ich Florians Stimme.
„Ich rede mit ihr.“
Mehr brauchte ich nicht zu hören.
Leise ging ich zur Wohnungstür zurück, zog sie noch einmal auf und schloss sie dann hörbar, als wäre ich gerade erst hereingekommen.
An diesem Abend erwähnte ich kein Wort von dem Gespräch.
Aber innerlich war etwas verrutscht.
Plötzlich ging es nicht mehr nur um ein paar Überweisungen oder darum, wer welche Rechnungen bezahlt.
Es ging darum, dass mein eigener Mann offenbar der Meinung war, er dürfe über meine Arbeit, mein Einkommen und meine Entscheidungen verfügen.
Am nächsten Morgen holte ich unsere Unterlagen hervor.
Ich wollte endlich begreifen, wie weit das alles schon gegangen war.
Dabei fiel mir etwas auf, das mir noch mehr Sorgen machte.
Auf unserem gemeinsamen Sparkonto war viel weniger Geld, als dort hätte sein müssen.
Ich sah mir die Umsätze ein zweites Mal an.
Dann ein drittes.
Die fehlende Summe war nicht gering.
Als Florian am Abend heimkam, stellte ich ihm nur eine einzige Frage.
„Hast du Geld von unserem Sparkonto abgehoben?“
Er blieb kurz stehen.
„Ich habe es nur vorübergehend gebraucht.“
„Wofür?“
„Für die Firma.“
„Wie viel?“
Er antwortete nicht.
„Und wann wolltest du es wieder einzahlen?“
„Sobald es geschäftlich wieder besser läuft.“
„Seit wann läuft es denn schon so schlecht?“
Da wurde er ungeduldig.
„Warum führst du dich auf, als würdest du mich verhören? Ich wollte das Geld doch wieder zurücklegen.“
