und setzte sich mit einem zufriedenen Ausdruck ein Stück gerader hin.
„Na schau. Ein bissl hinlegen wirkt halt doch Wunder.“
Ich umklammerte Florians Unterarm, weil mir sonst die Knie weich geworden wären.
„Heute in der Früh hat mir im Spital eine Schwester in die Schuhe helfen müssen“, sagte ich leise. „Ich bin nicht einmal mehr weit genug hinuntergekommen.“
Barbara ließ den Blick zu dem Band an meinem Handgelenk wandern, dem Spitalsarmband, das ich noch immer trug.
„Gestern hab ich beim Duschen Unterstützung gebraucht. Und seit der Geburt hab ich keine drei Stunden hintereinander geschlafen.“
Claudia legte die Arme vor der Brust zusammen.
„Wir haben auch Kinder bekommen.“
„Dann müsstest du erst recht wissen, dass ich heute Ruhe brauche.“
Sie wollte etwas erwidern, doch diesmal ließ ich sie gar nicht erst dazwischenkommen.
„Ich werde kein Hendl machen. Ich werde keine Erdäpfel schälen. Und ich werde auch nicht danebenstehen und warten, bis ihr alle fertig seid, damit ich nachher eure Teller wegräumen kann.“
Meine Stimme bebte, aber jedes einzelne Wort kam klar heraus.
Markus griff bereits nach seinem Handy.
„Dann bestellen wir halt etwas. Ist ja kein Drama.“
„Doch“, sagte Florian ruhig. „Ihr könnt zusammen irgendwo essen gehen. Wir bleiben mit den Kindern daheim.“
Claudia sah ihn an, als hätte sie sich verhört.
„Du setzt uns jetzt vor die Tür?“
„Ich will, dass ihr jetzt geht.“
„An dem Tag, an dem meine Enkelkinder nach Hause kommen?“
„Genau an diesem Tag.“
Da drehte sie sich zu mir.
„Theresa, sag ihm bitte, dass man mit seiner Mutter nicht so redet.“
Früher hätte ich sofort nachgegeben. Ich hätte Kaffee angeboten, gelächelt, mich irgendwie zusammengerissen und dafür gesorgt, dass am Ende niemand beleidigt war.
Diesmal nahm ich nur das Wasserglas, das Florian mir hinhielt.
„Ich möchte auch, dass ihr geht.“
Barbara rückte ihren Sessel hörbar zurück.
„Einen Moment. Claudia, du hast doch gesagt, Theresa hätte uns eingeladen.“
Mein Blick blieb an meiner Schwiegermutter hängen.
Sie spielte nervös an ihrer Kette herum.
„Ich hab gesagt, wir feiern, dass sie wieder daheim ist.“
„Nein“, sagte Barbara bestimmt. „Du hast gesagt, sie freut sich auf ein gemeinsames Mittagessen.“
Am anderen Ende des Tisches stand Johanna, Florians Cousine, auf.
„Uns hast du erzählt, das Essen wäre schon hergerichtet.“
Claudia schaute von einem Gesicht zum nächsten.
„Jetzt werdet ihr doch nicht jedes einzelne Wort so genau nehmen.“
Aber inzwischen erhoben sich auch die anderen Gäste. Einer nach dem anderen schob seinen Sessel zurück.
Johanna kam zu mir herüber.
„Es tut mir leid. Ich war wirklich der Meinung, du wolltest uns heute sehen.“
„Irgendwann hätte ich mich über Besuch gefreut“, sagte ich. „Nur heute hab ich von all dem nichts gewusst.“
Sie nickte, verschwand kurz in der Küche und kam mit der Packung Hendl wieder heraus.
„Das nehmen wir mit. Bei Barbara ist genug Platz.“
„Das hab ich für hier gekauft“, protestierte Claudia sofort.
Johanna blieb vollkommen ruhig.
„Dann kannst du es ja dort zubereiten.“
Nach und nach verabschiedeten sich die Gäste. Markus wich meinem Blick aus, als er an mir vorbeiging. Barbara drückte mir kurz die Hand, warm und vorsichtig.
Am Ende stand Claudia allein im Vorzimmer.
„Wenn ihr später einmal Hilfe braucht, dann erinnert euch bitte an heute.“
Florian hielt die Wohnungstür offen.
„Das werden wir.“
Sie zog langsam ihre Jacke über.
„Ich wollte euch nur eine Freude machen.“
„Dann frag uns beim nächsten Mal vorher, worüber wir uns wirklich freuen würden.“
