Man hätte glauben können, damit wäre die Sache erledigt. Ein versöhnlicher Schluss, sozusagen. Von wegen.
Am Abend sind wir in der Küche gesessen und haben Tee getrunken. Ohne Torte – mir wäre ohnehin kein Bissen hinuntergegangen. Da hat Andreas wieder angefangen, in diesem weinerlichen Ton, den ich inzwischen kaum noch ausgehalten hab.
„Katharina, warum hast du meiner Mutter das alles erzählen müssen? Du weißt doch, sie hat’s mit dem Herzen. Du hättest halt ein bisserl mitspielen können.“
„Mitspielen?!“ Fast hätte ich mich an meinem Tee verschluckt. „Sie hat mich aus meiner eigenen Wohnung hinauswerfen wollen! Sie hat meine Vase zertrümmert! Die Vorhänge heruntergerissen! Und ich hätte danebenstehen, lächeln und den Mund halten sollen?“
„Na ja, sie ist halt eine ältere Frau“, hat er gemurmelt. „Es tut ihr gut, wenn sie glaubt, dass ihr Sohn was erreicht hat. Ist dir das wirklich so ein Dorn im Auge?“
„Ja, Andreas. Ist es. Mir sind nämlich meine Nerven nicht wurscht. Und auch nicht das Geld, das du offenbar aus unserem Haushaltsbudget genommen hast, nur damit du vor deiner Mutter den großen Macher spielen kannst.“
„Ich hab nichts genommen! Ich hab’s mir nur ausgeborgt! Ich zahl das zurück!“
„Wann denn? Sobald du als Taxler ein Vermögen zusammengefahren hast?“
Da war er beleidigt. Wortlos ist er aufgestanden und hat sich zum Schlafen aufs Sofa verzogen.
Am nächsten Morgen ist es erst richtig losgegangen.
Ich bin vom Geruch nach Angebranntem wach geworden. Im Halbschlaf bin ich in die Küche gestürzt. Dort stand Hedwig – sie war über Nacht geblieben, angeblich, weil es schon zu spät zum Heimfahren gewesen war – vor dem Herd und hat Palatschinken gemacht. Die ganze Küche war voller Rauch. Und das auf meiner neuen beschichteten Pfanne. Mit einer Gabel ist sie darin herumgekratzt, als wäre es ein alter Blechtopf.
„Hedwig!“ Mir ist die Stimme fast gekippt. „Mit einer Gabel fährt man doch nicht in eine Teflonpfanne! Die ist jetzt hin!“
„Ach geh, stell dich nicht so an“, hat sie abgewunken. „Ein paar Kratzer. Dafür schmecken die Palatschinken. Setz dich her und iss.“
Ich hab auf die Pfanne gestarrt. Der Boden war komplett zerkratzt. Dreißig Euro direkt für den Mistkübel.
„Das esse ich nicht. Und die Pfanne ersetzen Sie mir.“
„Du bist aber kleinlich, Katharina“, hat sie geschnauft. „Andreas! Komm essen! Deine Mutter hat Palatschinken gemacht!“
Andreas ist hereingeschlurft, verschlafen, zerzaust und mit verknittertem Gesicht.
„Oh, Palatschinken! Super! Katharina, warum schaust du so sauer?“
„Deine Mutter hat meine Pfanne ruiniert. Und findet das offenbar völlig normal.“
„Na, dann kaufen wir dir halt eine neue“, hat Andreas gesagt und sich den Mund vollgestopft. „Von meinem ersten Gehalt.“
„Von welchem Gehalt? Du hast noch nicht einmal die Miete fürs Auto bezahlt.“
Er hat sich verschluckt und mich empört angeschaut.
„Kontrollierst du jetzt mein Geld?“
„Ich rechne unsere gemeinsamen Verluste zusammen! Andreas, mir reicht’s. Wirklich.“
Genau in diesem Augenblick hat Hedwig ihren nächsten Einfall verkündet:
„Übrigens, Kinder. Ich hab mir das überlegt. Weil eure Wohnung ja eh so groß ist, bleib ich einfach ein Monat bei euch. Bei mir machen die Nachbarn grad Umbauarbeiten, ein Lärm ohne Ende. Da hält man’s nicht aus. Hier ist es ruhig und gemütlich.“
Ich bin wie erstarrt dagestanden.
„Nein.“
„Was heißt da nein?“ Hedwig hat die Hände in die Hüften gestemmt.
„Nein heißt nein. Sie werden hier nicht wohnen. Nicht einen Monat, nicht einmal einen Tag. Gäste bleiben drei Tage. Diese drei Tage sind vorbei. Heute fahren Sie heim.“
„Andreas!“, hat sie schrill aufgeschrien. „Deine Frau setzt mich vor die Tür! Schon wieder!“
Andreas hat aufgehört zu kauen. Dann hat er mich mit diesem bittenden Blick angesehen.
„Katharina, komm schon, lass sie doch ein bisserl bleiben.“
