„Weil ich hier einziehe“ — sagte sie kühl und beanspruchte das Schlafzimmer, ich stand mit dem Kaffeehäferl wie erstarrt

Diese rücksichtlose Ansage fühlte sich unerträglich an.
Geschichten

Wir haben uns zwischen den Umzugskartons an den Küchentisch gesetzt.

„Immer wenn deine Mutter etwas an mir auszusetzen gehabt hat, sollte ich verständnisvoll sein“, begann ich. „Wenn sie unsere Sachen anders hingestellt oder eingeräumt hat, sollte ich dankbar sein, weil sie ja nur helfen wollte. Und sobald ich auch nur angedeutet habe, dass mir das zu viel ist, war auf einmal ich diejenige, die Unruhe stiftet.“

Florian fuhr mit dem Daumen über eine kleine Kerbe in der Tischplatte.

„Ich hab geglaubt, damit bleibt alles halbwegs friedlich.“

„Für dich vielleicht“, sagte ich. „Ich bin danach oft ins Bad gegangen und hab dort geweint.“

Er hob den Kopf.

Diesmal kam keine Rechtfertigung. Kein Aber. Kein Versuch, Theresa zu erklären.

„Das hab ich nicht mitbekommen“, sagte er leise. „Es tut mir leid.“

Am Nachmittag sind die Vorhangstangen dort liegen geblieben, wo sie waren.

Stattdessen haben wir den Kreditvertrag aus der Mappe geholt, den noch offenen Betrag durchgerechnet und unsere monatlichen Ausgaben noch einmal genau angeschaut.

Theresa sofort alles zurückzuzahlen, war unmöglich. Aber wir konnten die Rückzahlung vorziehen und straffer planen, ohne uns finanziell völlig zu übernehmen.

Danach hat Florian seiner Mutter geschrieben. Er bestätigte die nächste Rate und setzte klar dazu, dass Besuche in Zukunft vorher mit uns abgesprochen werden müssten.

Drei Tage lang kam keine Reaktion.

Am vierten Tag meldete sich Katharina. Theresa habe mit den künftigen Mietern gesprochen und die Vermietung wieder rückgängig gemacht.

„Sie ist noch immer ordentlich grantig“, sagte Katharina. „Aber ihre Koffer stehen wieder in ihrem eigenen Schlafzimmer.“

In den Wochen danach ist Florian allein zu seiner Mutter gefahren.

Ich brauchte Abstand. Und zum ersten Mal hatte ich nicht das Bedürfnis, mich dafür zu entschuldigen.

Sechs Wochen später leuchtete eine Nachricht auf meinem Handy auf.

„Darf ich am Sonntag für eine Stunde vorbeikommen? Ich würde einen Apfelkuchen mitbringen.“

Ich las den Satz zweimal.

Eine Entschuldigung war das nicht. Aber es war eine Frage.

Also schrieb ich zurück, dass drei Uhr passen würde.

Theresa kam auf die Minute genau. In der Hand trug sie eine Kuchendose.

Im Vorzimmer blieb sie stehen.

„Wohin soll ich den stellen?“

„Auf den Küchentisch“, sagte ich.

Ihr Blick glitt weiter ins Wohnzimmer. Das gelbe Kissen lag noch immer auf dem Sofa. Darüber hing inzwischen unser Hochzeitsfoto an der Wand.

Sie sagte kein Wort dazu.

Beim Kaffee meinte sie irgendwann, sie hätte andere Vorhänge ausgesucht.

Florian stellte seine Tasse ab und sagte ruhig: „Uns gefallen diese.“

Theresa rührte eine Weile in ihrem Häferl. Dann fragte sie, was wir im Garten setzen wollten.

Als sie später ging, blieb sie neben mir stehen, schon mit der Handtasche über dem Arm.

„An diesem Morgen hab ich sehr hässlich mit dir geredet.“

Ich blieb still.

„Das war nicht richtig“, fügte sie hinzu.

„Ja“, sagte ich. „Das war es nicht.“

Langsam nickte sie.

Später machte ich im Schlafzimmer das Fenster auf. Kühle Luft strich über die Bettdecke, und draußen bewegten sich die dünnen Äste unseres kleinen Apfelbaums.

Florian kam herein und nahm meine Hand.

„Woran denkst du?“

Ich schaute mich um. Unsere Bücher. Unsere Kleidung über dem Stuhl. Die Pflanzen, die wir gemeinsam ausgesucht hatten.

„Daran, dass ich mich hier wieder daheim fühle.“

Im Vorzimmer war die schmale Spur vom Koffer noch immer im Boden zu erkennen.

Am nächsten Tag kauften wir Reparaturwachs.

Florian kniete sich hin, ich hielt die Lampe, und zusammen arbeiteten wir so lange an der Stelle, bis man sie fast nicht mehr gesehen hat.

Hedis Stube