Im Saal selbst hatte sich die Stimmung inzwischen gelockert. Barbara hatte mit ausladenden Gesten wieder einmal die Geschichte zum Besten gegeben, wie ihr Sohn „bei null angefangen und sich alles selbst erarbeitet“ habe. Lukas stand im Mittelpunkt, nahm Glückwünsche entgegen, schüttelte Hände, klopfte Schultern. Er genoss das Bild, das sich ihm bot: elegante Gäste, ein festlich gedeckter Tisch, anerkennende Blicke. So hatte er sich Erfolg vorgestellt.
Schließlich brachte der Kellner die Rechnung. Lukas griff ohne hinzusehen nach der Karte und reichte sie mit einer lässigen Bewegung weiter. Der Betrag interessierte ihn nicht. Das Lesegerät gab einen kurzen Piepton von sich. Dann Stille. Noch ein Piepsen. „Zahlung abgelehnt.“
Sein Lächeln gefror.
„Noch einmal bitte“, sagte er knapp.
Der Kellner versuchte es erneut. Wieder eine Ablehnung. Ein drittes Mal – dasselbe Ergebnis.
Barbara erhob sich abrupt und rauschte zur Theke. Von oben herab fixierte sie die junge Frau hinter dem Tresen.
„Was soll das heißen? Mein Sohn hat garantiert keine finanziellen Schwierigkeiten. Bedienen Sie das Gerät ordnungsgemäß!“
Die Administratorin, geschniegelt im dunklen Kostüm, blieb vollkommen ruhig.
„Die Karte wurde von der Kontoinhaberin gesperrt. Anna hat vor wenigen Minuten sämtliche Zugriffsrechte entzogen. Entweder Sie begleichen die Summe bar oder wir sehen uns gezwungen, den Sicherheitsdienst zu verständigen.“
Ein spürbares Erstarren ging durch den Raum. Jemand zückte sein Handy. Andere taten so, als hätten sie nichts gehört. Lukas wurde kreidebleich. Hastig wählte er Annas Nummer. Kein Freizeichen. Noch einmal. Das Telefon war ausgeschaltet.
Barbara packte ihn am Arm, ihre Stimme nur ein scharfes Zischen:
„Lukas, klär das sofort! Ruf sie an, sie soll die Karte freischalten. Ist dir bewusst, was das für eine Blamage ist?“
Doch er hörte kaum hin. Mit fahrigen Fingern durchforstete er sein Handy, suchte nach Zugangsdaten, nach Alternativen. Andere Konten? Passwörter? Nichts. Alles lief über Anna. Er konnte sich nicht einmal erinnern, wann sie die Verträge abgeschlossen hatte. Er hatte unterschrieben, was sie ihm vorgelegt hatte – ohne eine Zeile zu lesen.
Langsam erhoben sich die Gäste. Einer murmelte etwas von einem dringenden Termin, ein anderer nickte verlegen und ging wortlos Richtung Ausgang. Ein älterer Geschäftspartner im grauen Anzug trat zu Lukas, klopfte ihm beinahe mitleidig auf die Schulter.
„So etwas passiert“, meinte er trocken. „Man sollte nur rechtzeitig wissen, wem man Respekt schuldet.“
Er verließ als Erster den Saal, die übrigen folgten ihm. Keine zehn Minuten später war der Raum fast leer. Zurück blieben Lukas, seine Mutter und die Frau vom Empfang, die unbeirrt die Rechnung in Händen hielt.
„Sie haben zwanzig Minuten“, erklärte sie nüchtern. „Danach rufe ich den Sicherheitsdienst.“
Barbara kramte hektisch in ihrem Sackerl und legte ein paar zerknitterte Scheine auf den Tresen. Viel zu wenig. Lukas durchsuchte seine Taschen, fand ein paar Münzen und einige Euro – ebenfalls unzureichend. Die Administratorin musterte die beiden mit kühler Distanz, ohne jede Regung in ihrem Gesicht.
