ohne das geringste Zittern. In ihr war nichts mehr als Leere. Kühl, glatt und beinahe friedlich.
Als sie fertig war, zeigte die Uhr elf. Anna ließ die kleinen Fläschchen im Mistkübel verschwinden, knotete das Sackerl zu und trug es hinunter zum Container.
Lukas kam erst um ein Uhr in der Nacht heim, betrunken und schwerfällig. Ohne zu fragen, wie es ihr ging, fiel er ins Bett. Anna legte sich neben ihn. Sie hat geschlafen, tief und traumlos.
Am Morgen des einunddreißigsten war Lukas schon in der Tür in Eile.
„Mach schneller, wo ist das Essen? Meine Mutter hat gesagt, ich soll alles bis Mittag bringen. Sie wollen schon anfangen aufzudecken.“
Er riss die Sackerln an sich, schleppte sie zum Auto und verstaute alles im Kofferraum. Dann schlug er die Klappe zu, drehte sich noch einmal um und rief:
„Passt, ich fahr! Du wirst schon irgendwie zurechtkommen!“
Nicht einmal gratuliert hat er ihr.
Anna hob nur die Hand. Der Wagen verschwand hinter der nächsten Kurve.
Sie ging zurück in die Wohnung, machte sich Kaffee und drehte den Fernseher auf. Den ganzen Tag blieb sie auf dem Sofa. Es war still, und diese Stille fühlte sich seltsam leicht an. Julia rief dreimal an und wollte sie zu sich holen, doch Anna lehnte jedes Mal ab. Sie wollte allein sein.
Um Mitternacht stieß sie mit ihrem Glas Sekt gegen den Bildschirm an, auf dem der Bundespräsident dem Land ein gutes neues Jahr wünschte. Danach setzte sie sich ans Fenster und schaute dem Feuerwerk zu. Über der Stadt platzten die Lichter auf, grell, schön und sofort wieder verschwunden.
Um zwei Uhr vibrierte das Handy.
„WAS HAST DU DA HINEINGETAN?!“
Lukas schrie so laut, dass Anna das Telefon ein Stück vom Ohr weghielt.
„Was ist denn passiert?“
„HIER IST DIE HÖLLE LOS! Alle sitzen am Klo! Mutter, meine Schwester, sämtliche Gäste! Die Kinder weinen, die Leute speiben, keiner kommt mehr raus! Der Mann von meiner Schwester hat sich direkt beim Tisch angeschissen! Alle sind heimgefahren, die Feier ist hin! Was hast du gemacht?!“
Anna nahm einen kleinen Schluck aus ihrem Glas.
„Ich hab alles genau so gekocht, wie Barbara es gewünscht hat. Hausgemacht. Mit Liebe. Offenbar verträgt eure Familie kein Essen von fremden Leuten mehr. Du hast doch selbst gesagt, ihr bleibt lieber unter euch.“
„Du hast das … absichtlich getan?“
Seine Stimme kippte.
„Ich bin nur die Köchin, Lukas. Für die Küche, weißt du noch? Ein schlichtes Ding, das fürs Kochen schon reichen wird. Das hat deine Mutter bei unserer Hochzeit gesagt. Vor zwölf Jahren.“
Am anderen Ende blieb es still.
