„Ich glaube, es ist besser, wenn wir uns trennen“ sagte er ohne sich umzudrehen — sie reagierte erstaunlich ruhig und fragte schlicht, wohin sie gehen solle

Kalt, ungerecht, doch seltsam befreiend und ehrlich.
Geschichten

Sie hatte ihr Zimmer in einer geteilten Altbauwohnung verkauft und gesagt: „Das ist für deine Zukunft.“ Genau das ist es geworden — für unsere Zukunft.

Lukas schwieg.

— Und eingetragen wurde die Wohnung auf mich, sagte Anna ruhig. — Du warst damals nirgends angestellt, du hast ja deine Berufung gesucht. Für den Kredit wollte die Bank Einkommensnachweise sehen, und die hatte nur ich. Erinnerst du dich jetzt?

— Aber wir… wir hatten doch eine Abmachung…

— Ja. Dass es unser Gemeinsames ist. So war es auch, bis du selbst alles aufteilen wolltest.

Anna setzte sich wieder und nahm ihr Häferl. Der Kaffee war kalt, trotzdem trank sie einen Schluck.

— Weißt du, Lukas, mir ist gerade klar geworden: Du hast recht. Wir sollten uns wirklich trennen.

— Ja? Er belebte sich, doch in seinen Augen lag sofort Sorge.

— Ja. Und wenn du schon ein neues Leben willst, machen wir es ehrlich. Ich bleibe hier, die Wohnung gehört mir. Du suchst dir eine andere Bleibe. Selbst. Auf deine Kosten.

— Anna, wir können uns doch vernünftig einigen…

— Ist das nicht vernünftig? Sie lächelte. — Du willst Freiheit, du bekommst Freiheit. In vollem Umfang.

Lukas setzte sich ihr gegenüber. Sein gutes Hemd wirkte plötzlich fehl am Platz.

— Aber ich habe derzeit kein Geld für eine Wohnung…

— Und ich habe keine Lust mehr, dich zu erhalten. Du hast selbst gesagt, wir sind erwachsene Menschen.

— Ich dachte, wir regeln das friedlich.

— Genau das tun wir. Keiner schreit, keiner macht einen Skandal. Jeder bekommt, was er wollte. Du wolltest, dass ich gehe, und nun gehst eben du. Ist das unfair?

Anna stand auf, nahm ihr Häferl und ging zum Abwasch. Auf dem Handy blinkte die Benachrichtigung der Lebensmittelzustellung, die sie gestern für heute bestellt hatte.

— Ich brauche Zeit zum Nachdenken, murmelte Lukas.

— Natürlich, sagte sie und spülte das Häferl aus. — Nur lass dir nicht zu lange Zeit. Heute kommen meine Freundinnen. Vor ihnen möchte ich keine Familienabrechnung veranstalten.

Lukas ging ins Schlafzimmer.

Anna hörte ihn telefonieren, leise, aber aufgeregt. Dann nahm sie die Lebensmittel entgegen, begann das Mittagessen herzurichten und schnitt Gemüse. Ihre Bewegungen waren ruhig, fast meditativ.

Eine halbe Stunde später kam er zurück in die Küche.

— Anna, vielleicht haben wir uns überstürzt. Lass uns noch einmal reden.

— Worüber? Sie sah nicht vom Schneidbrett auf. — Du hast alles entschieden. Ich habe zugestimmt. Alles ist fair.

Hedis Stube