„Mach auf, hab ich gesagt! Sonst ruf ich die Feuerwehr, dann schneiden sie dir die Schlösser herunter, verdammt noch einmal!“ rief Lena und hämmerte mit der Faust gegen die Tür

Diese feige Heimtücke ist abscheulich und unerträglich.
Geschichten

Darin stand schwarz auf weiß, dass in meiner Dreizimmerwohnung zwei Personen befristet gemeldet waren: Lukas und Anna. Dauer: fünf Jahre. Grundlage: ein Vertrag über die unentgeltliche Nutzung des Wohnraums. In der Zeile „Eigentümerin“ prangte eine plumpe Fälschung meiner Unterschrift, so schief und verkrampft, dass mir übel geworden ist.

Ich habe mich langsam in den Sessel zurücksinken lassen. Meine Finger wurden eiskalt. Als Immobilienjuristin habe ich ihr Spiel sofort durchschaut. Anna war schwanger. Sobald das Kind auf der Welt wäre, würde es automatisch am Aufenthaltsort der Mutter gemeldet werden. Ohne meine Zustimmung. Und ein Neugeborenes einfach „ins Nichts“ abzumelden, würden weder Gericht noch Kinder- und Jugendhilfe so schnell zulassen. Ich hätte jahrelang Verfahren am Hals, während Lukas seelenruhig in meiner Küche Bier trinken und sich als Hausherr aufspielen würde.

Mein Blick ist zur leeren Schlüsselablage neben der Tür gewandert. Anna hatte den Zweitschlüssel vor einem Monat mitgehen lassen, als sie angeblich „nur kurz auf einen Tee“ vorbeigekommen war.

In mir ist wieder dieser alte, ausgebrannte Schmerz hochgestiegen. Ich war achtzehn, als meine Eltern heimlich das alte Holzhaus meiner verstorbenen Großmutter bei Graz verkauft haben — den einzigen Ort, an dem ich je wirklich glücklich gewesen bin. Das Geld ist in Annas protzige Hochzeit in einem Landclub geflossen, mit Limousine, Live-Musik und allem Drum und Dran. Nach einem halben Jahr war diese Ehe Geschichte, aber mein Kindheitszuhause war für immer weg. Meine Eltern haben damals nur hilflos die Schultern gehoben: „Anna braucht es halt mehr, sie ist doch so empfindlich.“

Damals bin ich praktisch auf der Straße gestanden. Jetzt aber war ich dreiunddreißig. Und hinter mir lagen hunderte gewonnene Verfahren.

Ich habe den Laptop zugeklappt und tief Luft geholt.

Sie glaubten wohl, ich würde heulend zum Gericht rennen und diesen Vertrag anfechten. Sicher nicht. Ein Zivilverfahren zieht sich ewig. Ich würde anders ansetzen — dort, wo es ihnen das ganze Leben zerlegt.

Am Morgen bin ich lautlos hinaus.

Anna schlief selig auf meinem Sofa, Lukas schnarchte in der Küche, die unrasierten Wangen auf den klebrigen Tisch gedrückt, neben sich eine leere Dose Billigbier. Sollten sie ruhig meinen, sie hätten gewonnen. Ich brauchte vor allem eines: Zeit.

Zuerst bin ich zu einem Gutachter gefahren, den ich kannte. Fünfzig Euro Aufschlag für Eile, und noch am Abend lag ein offizielles vorgerichtliches Schriftgutachten auf meinem Tisch. Der blaue Stempel bestätigte: Die Unterschrift auf dem Nutzungsvertrag stammte nicht von mir. Sie war von fremder Hand gesetzt worden; dem starken, ungleichmäßigen Druck nach zu urteilen höchstwahrscheinlich von einem Mann.

Noch am selben Tag habe ich bei der nächsten Polizeiinspektion Anzeige erstattet: Urkundenfälschung und Scheinmeldung. Der diensthabende Leutnant nahm meine Unterlagen zunächst mit sichtlicher Unlust entgegen.

Hedis Stube