„Mach auf, hab ich gesagt! Sonst ruf ich die Feuerwehr, dann schneiden sie dir die Schlösser herunter, verdammt noch einmal!“ rief Lena und hämmerte mit der Faust gegen die Tür

Diese feige Heimtücke ist abscheulich und unerträglich.
Geschichten

Er blätterte nur lustlos in meinen Papieren, bis ich schließlich den entscheidenden Trumpf auf den Tisch legte.

Am Abend davor hatte ich Sophie angerufen, eine frühere Studienkollegin von mir, die inzwischen in der Abteilung für Wohnbauförderung arbeitete. In einem lauten Café beim Bahnhof, über einem bitteren Americano, hat sie mir Zugang zu den relevanten Daten verschafft. Was ich dort gesehen habe, hat mir zum ersten Mal seit Tagen wieder ein Lächeln abgerungen.

Lukas, der offiziell als arbeitslos geführt wurde, hatte nämlich Unterlagen für eine regionale Förderung im Programm „Junge Familie“ eingereicht: eine Beihilfe zur Abdeckung der Mietkosten. Voraussetzung dafür war ein Nutzungsvertrag über eine Wohnung mit mindestens achtzehn Quadratmetern pro Person. Und dieses Genie hatte ausgerechnet meinen gefälschten Vertrag beigelegt.

Damit war die Sache nicht länger bloß ein schmutziger Familienstreit. Das war Förderbetrug. Ein Griff in öffentliche Gelder. Und wenn es um Budgetmittel geht, versteht die Justiz erfahrungsgemäß überhaupt keinen Spaß.

Sophie bestätigte mir außerdem, dass der Bescheid über die Auszahlung an Lukas bereits unterschrieben war. Die erste Rate von 1.200 Euro sollte noch am Freitag auf seiner Karte landen.

„Na gut, liebe Verwandtschaft“, murmelte ich, als ich aus dem Amtsgebäude in den feuchten, schneidenden Wind hinaustrat. „Dann spielen wir jetzt eben nach meinen Regeln.“

Am Freitagabend sperrte ich die Wohnung mit meinem eigenen Schlüssel auf. Diesmal war der Riegel nicht vorgeschoben. Offenbar warteten sie auf die Essenslieferung.

Hinter mir standen drei Personen: der finster dreinschauende Bezirksinspektor Markus, eine Beamtin der Meldebehörde in dunkelblauer Uniform und eine Vertreterin der Wohnbauabteilung mit einer schweren Ledermappe unter dem Arm.

Aus der Küche drangen Annas helles Lachen und das Klirren von Geschirr. Sie feierten. Auf dem Tisch lagen eine leere Pizzaschachtel und eine Flasche halbsüßer Wein. Lukas thronte in meinem Fauteuil, als gehöre ihm alles, und hatte die Füße lässig auf den benachbarten Sessel gelegt.

„Na schau, die Lena ist auch da!“, rief Anna übertrieben fröhlich und warf theatralisch die Hände in die Höhe. Als sie jedoch die Uniformierten bemerkte, erstarrte ihr Gesicht. Der Käsefaden, der von ihrem Pizzastück hing, zog sich wie eine schmutzige Schnur in die Länge.

„Herr Lukas Petrov?“, fragte Bezirksinspektor Markus und trat so in die Küche, dass er den halben Raum ausfüllte. „Ihre Dokumente, bitte.“

„Was soll denn das jetzt?“, stieß Lukas hervor und versuchte aufzustehen, doch seine Knie zitterten deutlich. „Wir sind hier gemeldet, alles ist rechtmäßig …“

„Sie waren hier gemeldet“, fiel ihm die Frau von der Meldebehörde kühl ins Wort.

Hedis Stube