— Da steht’s ja: Kasten, Sofa, zwölf Kartons und Teppiche.
— Wessen Kasten? Wessen Sofa? — Sophies Stimme ist scharf geworden. — Weg damit von meiner Tür, und zwar sofort!
Ohne wirklich zu begreifen, was da gerade passierte, hat sie hastig Lukas’ Nummer gewählt.
— Hallo? — Sie presste das Handy ans Ohr. — Was soll das bitte sein? Bei mir stehen irgendwelche Kästen vor der Tür! Erklär mir das auf der Stelle!
— Welche Kästen? — Lukas klang vollkommen überrumpelt. — Sophie, wovon redest du?
— Von denen, die bei mir im Stiegenhaus herumstehen! — Ihre Stimme kippte beinahe ins Kreischen. — Altes Gerümpel, ein durchgesessenes Sofa! Ich frag dich: Was hat das zu bedeuten?
— Wart, leg nicht auf, — stieß er hervor und wählte mit zitternden Fingern schon Annas Nummer. — Ich klär das sofort.
Anna hob nach dem zweiten Läuten ab.
— Ja?
— Was hast du angestellt?! — brüllte Lukas ins Telefon. — Warum hast du die Sachen meiner Mutter in die Seegasse schicken lassen?
— Organisation, — sagte Anna ruhig. — Du ziehst zu Sophie, deine Mutter zieht zu dir. Ich hab nur die Punkte auf der Landkarte verbunden. Eigentlich ziemlich elegant, findest du nicht?
— Welche Sophie? Welche Organisation? Das ist eine Mietwohnung, dort geht das nicht!
— Bei mir ist es aber gegangen? — Ihre Stimme blieb glatt und kühl. — Lukas, du hast in den letzten Jahren dein Leben ständig in fremden Wohnungen abgeladen. Ich hab dir nur geholfen, alles an einem Ort zu sammeln.
— Schick die Sachen zurück!
— Sicher nicht, — antwortete sie, als würde sie gleich gähnen. — Du hast die Scheidung eingereicht, erinnerst du dich? Und ich hab zugestimmt. Ich bin überhaupt erstaunlich entgegenkommend, sobald man aufhört, mich wie einen Fußabstreifer vor der Tür zu behandeln.
— Ich hab’s mir anders überlegt! — platzte es aus ihm heraus. — Hörst du? Ich will mich nicht mehr scheiden lassen! Das war ein Fehler, ich war wütend, ich hab überreagiert!
— Wie bedauerlich, — sagte Anna. — Ich allerdings hab nicht überreagiert. Ich hab alles abgewogen. Genau. Bis aufs letzte Gramm.
Während Lukas zwischen den Telefonaten hin und her taumelte, hielt vor dem Haus in der Seegasse ein Kleinbus. Maria stieg aus, klammerte sich kurz an die Haltestange und hielt eine große Tasche fest an sich gedrückt.
— Grüß dich, meine Liebe, — wandte sie sich an die völlig verdatterte Sophie, weil sie sie offenbar für eine hilfsbereite Nachbarin hielt. — Kannst du mir vielleicht sagen, wo hier der Lukas wohnt? Seine Frau hat gemeint, ich bleib jetzt eine Zeit lang bei ihm.
— Lukas? — Sophie wurde kreidebleich. — Bei mir? Hier?
— Ja freilich, — nickte Maria eifrig. — Schau, da ist ja auch schon mein Kasterl. Und mein liebes Sofa. Dann passt eh alles, hier werd ich also unterkommen.
— Hier kommt niemand unter! — Sophie fuhr zu den Lieferanten herum. — Ich verbiete Ihnen, das in die Wohnung zu tragen! Haben Sie mich verstanden? Nehmen Sie das sofort wieder mit, das gehört nicht mir!
— Gnädige Frau, — sagte der Bursch phlegmatisch, — bezahlt worden ist fürs Herbringen, und hergebracht haben wir’s. Wenn Sie wollen, bleibt’s auf der Stiege stehen, wenn Sie wollen, vor dem Hauseingang. Zurückführen tun wir’s nicht, dafür gibt’s keinen Auftrag.
— Lukas! — schrie Sophie ins Handy. — Deine Mutter ist hier! Mit Tasche! Sie steht in meinem Stiegenhaus neben ihrem Kasten! Begreifst du überhaupt, was da gerade passiert?
Lukas kam eine halbe Stunde später angerannt, verschwitzt, die Hände zitternd. Am Stiegenabsatz bot sich ihm ein Bild, bei dem ihm kurz schwarz vor Augen wurde: der Kasten, das Sofa, die Kartons, seine ratlose Mutter auf einem Koffer und Sophie mit einem Gesicht, in dem kein Funken der früheren Zärtlichkeit mehr zu finden war.
— Was soll das sein? — Sophie sah ihn voller Abscheu an. — Du hast mir ein eigenes, schönes Leben versprochen. Und jetzt lieferst du mir ein durchgesessenes Sofa und deine Verwandtschaft?
— Sophie, ich erklär dir alles, — begann er zu stammeln. — Das war Anna, sie hat das alles absichtlich angezettelt.
