„Schluss mit dem Gratisleben!“ — Sie ließ seine Bankkarten sperren und befahl ihrem Mann, sich sein Geld selber zu verdienen

Unverschämte Bequemlichkeit trifft längst überfällige, harte Konsequenz.
Geschichten

die gibt von meinem Gehalt Geld aus, unterstützt auch noch ihre Verwandtschaft, und ich soll alles zahlen und den Mund halten?

— Du steigerst dich da hinein — sagte Lukas betont ruhig und griff schon wieder nach seinem Handy. — Für alles findet sich eine Lösung.

— Freilich findet sich eine — nickte Anna. — Komischerweise bin immer ich diese Lösung.

Mit einem Ruck stellte sie ihr Häferl in die Abwasch. Das Klirren fuhr durch die kleine Küche, als wäre etwas zerbrochen.

— Annalein — begann ihre Schwiegermutter beschwichtigend. — Wir sind doch eine Familie. Es ist halt gerade eine schwierige Zeit, aber das renkt sich schon wieder ein.

— Wann? — Anna hob den Blick. — Wenn ich sechzig bin und neben der Pension weiterhackle, damit ihr zwei noch immer daheim sitzen könnt?

Darauf sagte niemand etwas.

Anna atmete schwer aus. Ein Gedanke schoss ihr durch den Kopf:

„Vielleicht bin ich selber schuld. Ich hab sie daran gewöhnt. Zuerst war es nur Hilfe, dann noch einmal und noch einmal… und jetzt halte ich zwei erwachsene Nichtstuer aus, die das für völlig normal halten.“

Da piepste ihr Handy: Erinnerung an die fällige Rate für den Wohnkredit. Anna schaute auf das Display, und ihr Magen zog sich zusammen.

— Apropos — fiel es ihr plötzlich ein — wer hat gestern fünfhundert Euro von meiner Karte abgehoben?

Lukas riss überrascht die Augenbrauen hoch.

— Ich war’s nicht. Ich hab ja keinen Zugriff — sagte er.

Theresa begann zu husten und senkte den Blick auf ihren Teller.

— Theresa? — Annas Stimme klang auf einmal eiskalt.

— Na ja… weißt eh… meine Nichte hat Schwierigkeiten. Sie steckt in Schulden. Und wir sind Familie, da hilft man eben.

— Welche Nichte? — Anna musste sich zusammenreißen, um nicht loszuschreien. — Ich hab einen Wohnkredit, Betriebskosten, Rechnungen. Du hast mich nicht einmal gefragt!

— Annalein — sagte Theresa weich, beinahe streichelnd —, du verstehst das falsch. Das ist nur vorübergehend. Wir geben es dir eh zurück.

— Ihr? Zurückgeben? — Anna lachte auf, so heftig, dass ihr Tränen in die Augen schossen. — Ihr zwei? Einer lebt von Wetten, die andere von fremden Problemen. Und ausgerechnet ihr wollt mir Geld zurückzahlen?

— Du bist verbittert geworden — murmelte Lukas und schüttelte den Kopf. — Früher warst du anders.

— Nein, Lukas. Ich war genau so. Ich hab früher nur geschwiegen.

Sie sah die beiden an, und plötzlich war ihr alles glasklar: Es musste sich etwas ändern.

— Schluss. Die Futterstelle ist zu — sagte Anna und zog ihre Bankomatkarte aus der Tasche. — Heute sperre ich alle Karten, und das Geld kommt auf ein Konto, an das ihr nicht herankommt. Ab jetzt lebt jeder von dem, was er selber hat.

Lukas stand mit offenem Mund da, als wollte er etwas sagen, brachte aber keinen Ton heraus. Theresa schlug die Hände zusammen.

— Anna! Bist du jetzt völlig übergeschnappt? Wir sind doch eine Familie!

— Eben — erwiderte Anna kühl. — Familie heißt Unterstützung. Bei uns heißt es Ausnützen.

Sie drehte sich um und ging ins Zimmer. Die beiden ließ sie in der Küche zurück, in einer Stille, die fast greifbar war.

„Ich hab’s getan. Ich hab es wirklich ausgesprochen. Jetzt werden wir sehen, was passiert.“

Nach ihrer Ansage vom Vortag lag über der Küche eine schwere, drückende Ruhe, wie ein alter Bleikristallluster, den jeder loswerden will, aber niemand abzunehmen wagt. Anna hat sich ins Schlafzimmer gelegt und lange an die Decke gestarrt, als könnte dort irgendwo die Antwort stehen, wie es weitergehen soll. Doch die Antwort kam nicht.

Der Morgen begann mit Türenknallen. Lukas schlurfte demonstrativ in Patschen durch den Gang. Man merkte ihm an, dass er absichtlich fester auftrat, damit sie es ja hörte. Er ging ins Wohnzimmer, kam zurück, raschelte mit Sackerln, verschwand wieder. Wie ein schlecht gelaunter Geist mit Bauchweh zog er durch die Wohnung.

— Anna — brach er schließlich das Schweigen. — Du hast das doch nicht ernst gemeint, oder? Hast du das Geld wirklich versteckt?

Anna schenkte sich gerade Kaffee ein.

— Ich hab es nicht versteckt. Ich hab es dorthin gebracht, wo ihr nicht drankommt. Das nennt man: sichern.

— Das ist Verrat — Lukas ging nun sichtbar zum Angriff über. — So behandelst du mich nach allem?

— Nach allem? — Anna zog die Augenbrauen hoch. — Nach zwei Jahren, in denen ich dich und deine Mutter erhalten hab?

— Bin ich etwa nicht dein Mann? — fuhr Lukas lauter auf. — Ich hab ein Recht darauf!

— Hast du — sagte Anna ruhig. — Auf dein eigenes Gehalt.

In diesem Augenblick flog die Küchentür auf.

Hedis Stube