Dann kam Katharinas Nachricht herein.
„Wie bitte? Wir haben die Karten schon gekauft.“
Ich tippte zurück:
„Die Karten gelten für den Zug. Nicht als Eintritt in unser Haus.“
Fünf Sekunden später stand die nächste Nachricht da.
„Uns ist gesagt worden, dass wir bei euch wohnen können.“
Ich antwortete:
„Das hat euch jemand zugesagt, dem dieses Haus nicht allein gehört.“
Theresa meldete sich sofort: „Ich bin Lukas’ Mutter. Ich bin keine Fremde.“
„Das weiß ich, Theresa. Aber dadurch wird es trotzdem nicht dein Haus.“
Danach wurde es in der Gruppe still.
Zwei Minuten später ist Lukas aus dem Arbeitszimmer gekommen, das Handy in der Hand.
„Meine Mutter ist völlig außer sich.“
„Hab ich mir gedacht.“
„Katharina meint, dass es sich für sie dann gar nicht mehr auszahlt, herzukömmen.“
„Dann können sie ihre Pläne eben ändern.“
„Die Karten kann man nicht zurückgeben.“
„Was haben sie gekostet?“
„Keine Ahnung. Ungefähr hundertachtzig Euro für alle vier zusammen.“
Ich habe ihn nur angeschaut.
„Das heißt, wir hätten beinahe zweitausend Euro ausgeben sollen, damit sie nicht hundertachtzig verlieren?“
Lukas machte den Mund auf.
Dann klappte er ihn wieder zu.
Sein Handy vibrierte. Er las die Nachricht.
„Sie sagen die Reise ab.“
„Ernsthaft?“
Er hielt mir den Bildschirm hin.
Tobias hatte geschrieben:
„Wir haben es durchgerechnet. Mit Ferienwohnung, Essen und Mietauto wäre uns der ganze Sommer zu teuer. Wir fahren lieber im August ein paar Tage zu Katharinas Eltern.“
Ich sah Lukas an.
„Also wollten sie den Sommer gar nicht mit uns verbringen.“
„Anna …“
„Sie wollten den Sommer gratis verbringen.“
Darauf sagte er nichts.
Ein paar Augenblicke später kam noch eine letzte Nachricht von Katharina:
„Schade. Die Kinder haben sich schon so darauf gefreut.“
Fast hätte ich es dabei belassen.
Aber dann erschien noch eine Nachricht.
Von Theresa.
„Ich hoffe, du bist zufrieden. Du hast einer ganzen Familie den Urlaub ruiniert, nur weil du nicht bereit bist, ein bissl zu teilen.“
Diesmal nahm Lukas sein eigenes Handy fester in die Hand.
Er schrieb ein paar Sekunden lang.
Dann schickte er ab:
„Mama, Anna hat gar nichts ruiniert. Ich habe den Fehler gemacht, zuzusagen, ohne vorher mit ihr zu reden. Und du hast den Fehler gemacht, Dinge anzubieten, die dir nicht gehören. Damit ist das Thema erledigt.“
Theresa antwortete nicht mehr.
Katharina verließ die Gruppe.
Eine Minute später war auch Tobias weg.
Ich starrte auf den Bildschirm.
„Na gut“, sagte ich. „Offenbar hat die Gruppe ‚Gemeinsamer Sommer‘ kürzer gehalten als der Sommer selbst.“
Lukas lachte auf, auch wenn er versuchte, es zu unterdrücken.
Dann kam er herüber und setzte sich mir gegenüber hin.
„Ich hätte dich vorher fragen müssen.“
„Ja.“
„Und ich hätte nicht für drei Monate zusagen dürfen.“
„Nein.“
„Bist du sehr wütend auf mich?“
Ich überlegte kurz.
„Weniger als gestern.“
„Und für vier Tage dürfen sie trotzdem kommen?“
„Natürlich.“
Lukas lächelte erleichtert.
„Das ist ziemlich großzügig von dir.“
„Verwechsel Gastfreundschaft bitte nicht mit All-inclusive-Versorgung.“
Zwei Wochen später brachte Theresa das Thema beim Mittagessen noch einmal auf den Tisch.
„Tobias und Katharina verbringen den August jetzt übrigens bei Katharinas Eltern“, bemerkte sie mit betont bedeutungsvoller Stimme.
„Sehr schön“, sagte ich.
„Die haben ein viel kleineres Haus als ihr und nehmen sie trotzdem auf.“
Ich hob den Blick.
„Für den ganzen Monat?“
Theresa zögerte.
„Na ja … für zehn Tage.“
„Aha.“
Ich aß weiter.
Lukas musste sein Lächeln hinter seinem Glas verstecken.
Danach hat Theresa den Sommer nicht mehr erwähnt.
Mein Arbeitszimmer ist ein Arbeitszimmer geblieben.
Unser Auto ist in der Garage geblieben.
Lena ist in ihr Sommercamp gefahren.
Und wir haben in diesem Sommer etwas ausgesprochen Nützliches gelernt:
Wenn jemand fröhlich verkündet, dass er drei Monate lang bei dir einziehen wird, ohne dich vorher auch nur ansatzweise zu fragen, braucht es keinen riesigen Streit, um diesen Plan platzen zu lassen.
Manchmal genügt ein einziger, ganz schlichter Satz:
„Perfekt. Hier sind die Preise der Unterkünfte in der Nähe.“
