„Die Kinder kommen nicht mit“, sagte er kühl, und ich blieb mit den Einkäufen in der Tür stehen

Kalt, herzlos und zutiefst ungerecht.
Geschichten

Ich ebenso wenig.

„Dann eben auch ohne mich!“, hab ich zurückgegeben.

„Wunderbar.“

„Passt.“

Damit war der sinnvolle Teil unseres Gesprächs erledigt. Danach haben wir noch gut zehn Minuten lang alles hervorgezerrt, was sich irgendwie finden ließ: meine Angewohnheit, mich immer vor die Kinder zu stellen, seine Mutter, unsere Ausgaben, Lukas’ Schuhe, den vergangenen Sommer und sogar diese elende Dusche um elf Uhr am Abend.

Auch ich hab Dinge gesagt, die besser ungesagt geblieben wären. Ich hab ihm vorgeworfen, er bewege sich seit Monaten in unserer Wohnung wie jemand, der fremde Kinder nur noch bis zu deren Volljährigkeit aushält. Florian hat geantwortet, manchmal fühle es sich für ihn tatsächlich genauso an.

Diesen Satz hab ich sehr genau gehört.

Am Abend, als alle schon im Bett waren, hab ich auf dem Handy nach Ferienhäusern gesucht.

Das erste halbwegs passende Haus kostete für drei Nächte 580 €. Ich hab die Anzeige gleich wieder geschlossen.

Das zweite war günstiger, aber der Vermieter schrieb, er nehme nur Gruppen ab fünf Personen.

Das dritte lag fast hundert Kilometer entfernt.

Bis halb eins bin ich dagesessen und hab am Ende trotzdem nichts gebucht.

In der Früh hat Florian die geöffneten Anzeigen auf meinem Handy gesehen.

„Ist das dein Ernst?“

„Ja.“

„Katharina, wir haben gestritten. Wozu jetzt dieses Theater mit einem Haus?“

„Ich will am Einunddreißigsten nicht hier sitzen und den Kindern erklären müssen, warum du ohne sie feiern gegangen bist.“

„Dann fahr doch mit mir.“

Da hab ich sogar kurz aufgelacht.

„Und die Kinder?“

„Jetzt fangst du schon wieder damit an.“

Damit war auch dieses Gespräch vorbei.

Am Nachmittag hat mir eine Frau auf eine der Anfragen geantwortet. Die ursprünglichen Gäste hatten abgesagt. Das Haus lag zweiundvierzig Kilometer außerhalb der Stadt, klein, mit zwei Schlafzimmern und einer Wohnküche. Vom dreißigsten Dezember bis zum zweiten Jänner: 360 € plus Kaution.

Für mich war das kein Kleingeld. Ich hatte eigentlich für eine neue Waschmaschine gespart, weil unsere beim Schleudern schon seit zwei Monaten klang, als würde sie jeden Moment auseinanderfallen.

Zehn Minuten lang hab ich nur auf die Nachricht gestarrt.

Dann hab ich die Anzahlung überwiesen.

Nicht aus Rache an Florian. Ich brauchte einfach eine Möglichkeit, bei der keines meiner Kinder am Einunddreißigsten daheim sitzen und den Erwachsenen zuliebe so tun musste, als wäre alles in Ordnung.

Am Abend hab ich gesagt:

„Ich hab ein Haus gebucht. Wir fahren am Dreißigsten.“

Anna hat sofort gefragt:

„Gibt’s dort Schnee?“

Lukas hat mich genauer angeschaut.

„Und Florian?“

„Er bleibt hier.“

Mein Sohn hat nur genickt.

„Verstehe.“

Florian hat erst später von der Buchung erfahren. Ich wollte es ihm absichtlich nicht vor den Kindern sagen.

„Dreihundertsechzig Euro?“, hat er nachgefragt.

„Für drei Nächte.“

„Du spinnst.“

„Kann sein.“

„Unsere Waschmaschine gibt den Geist auf.“

„Ich weiß.“

Da konnte ich ihm nichts entgegnen. Das Geld war tatsächlich irgendwie Familiengeld, auch wenn es auf meinem eigenen Konto lag, denn die Waschmaschine haben wir ja alle benutzt.

„Das heißt, wegen einem einzigen Abend haust du dreihundertsechzig Euro hinaus?“

„Es geht nicht um einen Abend.“

„Natürlich nicht. Jetzt kommt gleich wieder Respekt, Grenzen und der ganze Rest.“

„Nein. Kommt nicht.“

Ich bin gegangen, um unsere Sachen zu packen.

Bis zum Dreißigsten hat Florian, glaub ich, immer noch angenommen, dass diese Fahrt nicht wirklich stattfinden würde.

In der Früh hat er im Vorzimmer zwei Rucksäcke, meine Reisetasche und ein Sackerl mit Lebensmitteln gesehen.

„Ihr fahrt jetzt?“

„Um elf ist Übergabe.“

„Ich hab gedacht, du beruhigst dich wieder.“

Lukas ist in der Jacke aus seinem Zimmer gekommen. Hinter ihm hat Anna ein Sackerl mit Brettspielen hinter sich hergezogen.

Florian hat die Stimme gesenkt.

„Katharina, lass uns wenigstens jetzt keinen Zirkus machen. Sag ab. Dann ist halt die Anzahlung weg, aber wir führen das nicht vor den Kindern auf.“

Lukas ist stehen geblieben.

„Florian, wir hören eh alles.“

Mein Mann hat sich zu ihm umgedreht.

„Ich weiß.“

„Warum flüsterst du dann?“

Ich bin dazwischengegangen.

„Lukas, bring bitte die Sachen zum Auto.“

Er hat die Tasche genommen, aber Florian hat plötzlich gesagt:

„Ich rede mit dir.“

„Und ich fahre“, hab ich geantwortet. „Reden können wir später.“

„Du machst das absichtlich, damit ich am Ende der Schuldige bin.“

Ich war schon dabei, mir die Stiefel anzuziehen.

„Du kannst zu deiner Mutter fahren. Genau das wolltest du doch.“

„Ich wollte mit meiner Frau fahren.“

„Und ich wollte Silvester mit meinen Kindern verbringen.“

Anna stand bei der Tür und schaute abwechselnd zu ihm und zu mir.

Mir ist schlecht geworden bei dem Gedanken, dass wir das schon wieder vor ihr austragen.

Ich hab die Jacke zugemacht.

„Fertig. Wir fahren.“

Das Haus war schlechter als auf den Fotos und besser, als ich erwartet hatte. Im Vorzimmer roch es nach Holz, eine Herdplatte funktionierte nicht, und die Tür zum kleinen Schlafzimmer ließ sich nur schließen, wenn man sie am Griff ein Stück anhob.

Anna hat sich genau wegen dieser Tür für dieses Zimmer entschieden.

Lukas nahm das Sofa im Wohnzimmer, obwohl ich ihm das zweite Schlafzimmer angeboten hatte.

„Mama, mir ist das wurscht. Dort hängen rosa Vorhänge.“

„Du bist sechzehn.“

„Eben.“

Am Abend des Dreißigsten sind wir noch ins nächste Geschäft gefahren, weil ich Öl und Salz vergessen hatte.

Hedis Stube